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Evangelische Ladenkirche

Netzwerken mit den Reformatorinnen

Gute Netzwerkerinnen waren schon die Frauen der Reformationszeit, ganz in diesem Sinne lud das Team der Evangelischen Ladenkirche ein zum Mülheimer Frauenmahl mit Tischrednerinnen aus den Zeiten der Reformation.

Katharina von Bora, alias Ute Laß, hielt eine der Tischreden beim Frauenmahl Katharina von Bora, alias Ute Laß, hielt eine der Tischreden beim Frauenmahl

Rund 30 Mülheimerinnen ließen sich nicht lange bitten und folgten der Einladung zur abendlichen Tischgesellschaft mit Argula von Grumbach (verkörpert von Ragnhild Heck), Katharina Zell (Heike Wentzell-Borek), Barbara Cranach (Viola Hirschmann) und Katharina von Bora (Ute Laß). Bei einem rustikalen Mahl hörten sie Tischreden der Reformatorinnen, die Einblick in ihre Biografie gaben. „Allesamt Frauen, die sich nicht haben unterkriegen lassen“, wie Pfarrerin Ursula Welting betonte. Sie führte mit hilfreichen Erläuterungen und Einordnungen durch den Abend.

Eine von denen, die sich nicht unterkriegen ließ, war die bayerische Publizistin Argula von Grumbach. Gute Bildung war ein Privileg, von dem die Tochter aus adeligem Elternhaus profitierte. Hinzu kam die Lektüre der „Koberger Bibel“ einer frühen deutschsprachigen Ausgabe. „Und dann passierte Folgendes“, berichtete Argula von Grumbach, alias Ragnhild Geck, in der Ladenkirche: Magister Arcasius Seehofer, ein Schüler Melanchthons, hielt eine Rede im „stockkatholischen Ingolstadt“ und rief dazu auf, reformatorisches Gedankengut zu verbreiten. Seehofer bekam einen Ketzerprozess und Argula von Grumbach setzte sich in Briefen für ihn ein. Eine Antwort auf ihre Schreiben bekam sie zwar nicht, dafür aber eine große Leserschaft. Über 30.000 Mal wurden ihre Schriften dank neu erfundenem Buchdruck verbreitet, auch über ihre bayerische Heimat hinaus.

Heike Wentzell-Borek, ehrenamtliche Mitarbeiterin aus dem Team der Ladenkirche, hat sich für das Frauenmahl mit der Straßburger Reformatorin Katharina Zell beschäftigt. „Die war unwahrscheinlich aktiv, es war äußerst spannend, sich in die Person hineinzuversetzen“, berichtet Wentzell-Borek. „Vor allem hat sie nicht lange gefragt, sondern einfach gemacht. Das hat mich beeindruckt. Zum Beispiel hat Katharina Zell selber gepredigt, was für Frauen gar nicht selbstverständlich war.“ Auch die Straßburger Schreinertochter gehörte zu den Glücklichen, die zur Schule gehen durften – und war fortan begeistert von allem, was es zu lesen gab, zum Beispiel die Flugblätter Martin Luthers und die Bibel. Bildung und Buchdruck waren die Schlüssel zu mehr Geistesfreiheit und letztlich auch zu mehr Emanzipation. „Es gab in der Bibel so viele Stellen, die Frauen Mut machten, nur haben uns die Kirchenoberhäupter immer verschwiegen – einfach nichts davon erzählt!“ Dafür legte „die Zellin“ wie sie sich selber nannte, umso mehr Wert aufs Weiter-Erzählen: Sie predigte für andere, auch wenn ihre Zuhörer ein anderes Bekenntnis hatten. Katharina Zell verfasste auch ein Liederbuch für Hausandachten. Per Briefwechsel knüpfte sie ein Netz des Austausches zu anderen Frauen ihrer Zeit, sogar mit Martin Luther pflegte sie Korrespondenz.

„Fluchterfahrungen und auch das Aufnehmen von Schutzsuchenden kannten unsere Protagonistinnen übrigens aus ihrem eigenen Alltag“, darauf wies Pfarrerin Ursula Welting beim Mülheimer Frauenmahl hin. Nicht nur auf die aus dem Kloster geflüchtete Nonne Katharina von Bora traf das zu, sondern auch auf Barbara Cranach, in deren Haus Katharina und andere aus dem Kloster geflohene Schwestern Unterschlupf fanden. „Es war eine Zeit, angefüllt mit Veränderungen und Aufbruch. Und mit zahlreichen tapferen Männern und Frauen, die das Neue nicht scheuten, um für das Rechte zu kämpfen“, berichtete die Künstlergattin und Zeitzeugin der Reformation, beim Mülheimer Frauenmahl dargestellt von Viola Hirschmann.

Die bekannteste Tischrednerin beim Mülheimer Frauenmahl war sicherlich die Luther-Gattin Katharina von Bora. „Die Lutherin hat es mir wirklich angetan“, sagte Ladenkirchen-Leiterin Ute Laß, die in die Rolle der Reformatorin geschlüpft war. Die ehemalige Nonne bewirtschaftete das Haus Luthers, das nicht nur ein Wohnort für die eigene Familie, sondern auch Zufluchtsort für andere, Lehrhaus und wichtiger Knotenpunkt im Wittenberger Reformationsnetzwerk war. Ganz nebenbei erfuhren die Gäste beim Mülheimer Frauenmahl noch ganz Persönliches aus dem Hause Luther. Der große Reformator war eigentlich nicht Katharinas erste Wahl, Student Hieronymus Baumgärtner hatte es ihr angetan, doch den ließen seine Eltern nicht mehr zurück zur entlaufenen Nonne nach Wittenberg. Dann war es Katharina, die den ersten Schritt machte und auf ihren Martin zuging. Der nahm es ganz nüchtern, sagte - ja, das habe er nicht kommen sehen, sei aber gut für alle.  – Unter anderem auch für die zahlreichen gelehrten Gesellschaften, die sich im Wittenberger Hause trafen zu vielen Tischreden im Geiste der Reformation, deren Tradition auch 500 Jahre später noch weiterlebt.

 

 

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ala / 27.03.2017



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