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Saar-Wohlfahrtsverbände

Flüchtlingsfrauen benötigen besseren Schutz

Saarländische Wohlfahrtsverbände haben sich für einen besseren Schutz für Flüchtlingsfrauen und -kinder in der Landesaufnahmestelle in Lebach ausgesprochen. Die Landesaufnahmestelle sei "kein Ort für Kinder", machten sie deutlich. Ein dauerhafter Aufenthalt würde von Jugendämtern normalerweise nicht genehmigt werden.

Stefan Gebhardt vom Diakonischen Werk an der Saar erklärte, dass Diakonie und Caritas zurzeit mit der Leitung der Aufnahmestelle an Mindeststandards für Frauen in Gemeinschaftsunterkünften arbeiteten. Diese seien in Lebach noch rudimentär, aber die Thematik sei angekommen.

Dabei gehe es etwa um eine räumliche Trennung von Männern und um die Frage, an wen sich Frauen wenden sollen, wenn sie bedroht werden. Wenn eine Frau von einem Mann bedroht werde, sei es nicht günstig, wenn ein Mann Ansprechpartner sei, erklärte Gebhardt. Zurzeit seien rund 300 der 863 Flüchtlinge in der Erstaufnahmestelle Frauen.

Dabei geht es Maike Lüdeke-Braun von der Beratungsstelle für Flüchtlingsfrauen des Diakonischen Werkes vor allem um Schutz für alleinreisende Frauen. Eine weitere Herausforderung sei aber auch die Situation der Langzeitgeduldeten, betonte sie. Im Februar 2017 hätten rund 113 Menschen bereits zwischen fünf und 20 Jahren in der Landesaufnahmestelle gelebt.

Es geht auch um die Kinder

Psychische Erkrankungen aufgrund von Perspektivlosigkeit seien häufig eine Folge, erklärte Lüdeke-Braun. Die Politik müsse prüfen, ob in diesen Fällen ein Bleiberecht möglich sei. Dabei gehe es auch um die Kinder, die hier geboren und in den Schulen integriert seien.

Schwierig sind der Diakonie-Mitarbeiterin zufolge auch einige Dublin-Fälle. Die Dublin-Verordnung der Europäischen Union legt fest, welcher EU-Mitgliedsstaat für die Behandlung eines Asylgesuches zuständig ist. Grundsätzlich gilt: Ein Flüchtling muss in demjenigen EU-Land um Asyl bitten, das er als erstes betreten hat. Nun seien aber beispielsweise viele Eritreerinnen auf der Flucht vergewaltigt worden, mittlerweile schwanger und müssten laut Verordnung nach Italien. Dort drohe ihnen aber wiederum die Obdachlosigkeit. In solchen Fällen könne oft nur das Kirchenasyl eine erste Lösung sein, betonte Lüdeke-Braun.

Mehr Mittel für Sprachmittler nötig

Die Verbände brauchen dem Deutschen Rote Kreuz, den Caritaseinrichtungen vor Ort und dem Diakonischen Werk an der Saar zufolge mehr finanzielle Mittel für Sprachmittler, auf die sie angewiesen seien. Das gelte auch für Sach- und Materialkosten. Bisher finanziere die Landesregierung nur einen Teil einer Vollzeitstelle pro Wohlfahrtsverband, kritisierten die Verbände.

Zudem seien viele Projekte nur durch Zuschüsse, Eigenmittel der Verbände oder Sponsoren möglich. Die dafür nötigen Anträge kosten den Angaben zufolge Zeit für die Arbeit mit den Menschen in der Landesaufnahmestelle.

Ralf Müller vom Deutschen Roten Kreuz beklagte insgesamt restriktive Bestimmungen wie die Aussetzung des Familiennachzugs und den Fokus auf Sachleistungen. Viele Verbesserungen aus den 2000er Jahren würden von der Politik nicht weiterverfolgt, erklärte er. Das liege auch am gesellschaftlichen Druck, der zu den Gesetzesverschärfungen geführt habe.

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epd / 28.04.2017



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