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für den 28.06.2017

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Pilgern von der Halde Rheinpreußen bis zur Stadtkirche in Moers. Mit dabei: Superintendent Wolfram Syben (vorne im Bild). Pilgern von der Halde Rheinpreußen bis zur Stadtkirche in Moers. Mit dabei: Superintendent Wolfram Syben (vorne im Bild)

Reformationsfest Moers

Von Herzen evangelisch

Mit einem Gottesdienst auf der Halde Rheinpreußen begann das Fest des Kirchenkreises Moers zum Reformationsjubiläum. Danach pilgerte der Großteil der Besucherinnen und Besucher zur Evangelischen Stadtkirche in Moers um dort zu feiern.

Musik, unter anderm vom Posaunenchor, sorgt für gute Stimmung. Musik, unter anderm vom Posaunenchor, sorgt für gute Stimmung.

Als Pfarrerin Mareike Maeggi am 25. Juni, morgens um sechs Uhr ein letztes Mal die Absperrbänder und Hinweisschilder prüft, ist es noch ganz still auf der Halde Rheinpreußen. Abgesehen von Vogelgezwitscher, dem Brummen von ein paar Hummeln, dem leichten Wind in Bäumen und Gräsern und dem fernen Autobahnsäuseln.

Weniger als vier Stunden später haben sich 750 Frauen und Männer jeden Alters versammelt, um einen festlichen Gottesdienst zu feiern. Alle 28 Gemeinden im Kirchenkreis Moers haben ihre Gottesdienste an diesem Tag auf die Halde verlegt, um gemeinsam das Reformationsjubiläum zu feiern.

Der Gospelchor „GoodNews“ mit Begleitband sowie ein Posaunenchor unter Leitung von Stefan Büscherfeld sorgen schon zuvor bei den Besucherinnen und Besuchern für beste Stimmung. Dazu gibt es Beiträge vom Moerser Bürgermeister Christoph Fleischhauer und dem katholischen Pfarrer  Herbert Werth. Aus der weltweiten Ökumene sprechen koptische Schwestern aus Ägypten, ein Schüler aus Palästina sowie eine indische Theologiestudentin, die von ihrem Leben, ihrer Arbeit und den Möglichkeiten freier Religionsausübung erzählen.

Um 10 Uhr beginnt der Gottesdienst. Während die Kinder ihn auf der benachbarten Wiese altersgerecht mit biblischer Geschichte und Spielen feiern, lauschen die Erwachsenen vier Beiträgen, die sich mit verschiedenen Aspekten von Religion auseinandersetzen. Dr. Jürgen Thiesbonenkamp, ehemaliger Superintendent des Kirchenkreises Moers, nimmt den Ort als Ausgangspunkt seiner Rede.

Kirche und Bergbau haben eine gemeinsame Geschichte

Die Landmarke „Das Geleucht“, die überdimensionierte, weithin sichtbare Grubenlampe, verweise auf die Tradition der Region, den Bergbau. Er erinnert daran, wie Kirche und Bergbau, Gemeindeglieder und Bergleute oder Stahlarbeiter miteinander verbunden seien. Oft habe die Kirche bei Mahnwachen unterstützt, im Arbeitskampf der „Kruppianer“ gegen die Schließung des Stahlwerks war die Kirche Partner der Arbeitnehmer.

„Wir waren von der gemeinsamen Hoffnung getragen, dass selbst in den dunkelsten Erfahrungen und größten Schwierigkeiten, das Licht der Hoffnung für uns brennen wird,“ sagt Thiesbonenkamp.

Dieses Licht leuchte auch heute noch. „Manchmal lodert es hell, wie vielleicht vor 500 Jahren in der Reformation, manchmal flackert es in ungewissen Zeiten und wird zum glimmenden Docht, manchmal wärmt es wie die Feuer der Mahnwachen und manchmal merken wir gar nicht, dass wir in anderen Menschen ein Licht der Hoffnung ‚angezündt‘ haben. Stellen wir unser Licht nicht unter den Scheffel, sondern halten es mutig in den Wind unserer Zeit.“

Aufklären und Protestieren, wo es nötig ist

Aufklären und Protestieren, wo es nötig ist, fordert Esther Mujawayo-Keiner. Aufklären und Protestieren, wo es nötig ist, fordert Esther Mujawayo-Keiner.

Esther Mujawayo-Keiner, Traumatherapeutin und Autorin erzählte, dass in ihrer Familie in Ruanda die Bibel immer auf dem Tisch lag, der Vater daraus vorgelesen habe und die Kinder dazu angehalten hatte, kritisch zu kommentieren, was sie hörten. Sogar in der Kirche hätten die Gottesdienstbesucher mitgelesen, was sie hörten. Diese „Ethik von Martin Luther ist gültig bis heute“, sagt die Traumatherepeutin. „Ein waches, von Gott geformtes Gewissen haben, sich selbst und andere aufklären und protestieren, wenn es nötig ist.“

Als Beispiel nennt sie die Duisburger Schülerin, die aus dem Unterricht nach Nepal abgeschoben wurde. „Wir brauchen keine 95 Thesen an die Kirchentür hämmern, wir können heute online protestieren und in diesem konkreten Fall hier in Duisburg eine Petition unterschreiben (…) Seien wir gute Protestantinnen und Protestanten. Lasst uns vor unserer Haustür anfangen.“

Im nächsten Beitrag setzt sich Jannis Wiederhöft mit Religion und Gewalt auseinander. Der 16-Jährige hatte einen Monat zuvor den vom Kirchenkreis Moers organisierten Poetry Slam „HimmelsWorte“ gewonnen. Der Text erzählt von einem jungen Muslim, der sich, in Deutschland ausgegrenzt, radikalisiert und zum IS geht. Er stirbt in diesem Krieg. Er merkt allerdings nicht, dass er nur funktionalisiert worden ist, „, weil Du nicht verstehst, dass es hier im Endeffekt gar nicht um Religion geht. Es ist ein Krieg wie jeder andere, es geht nur um Geld und Macht“.

Die gute Botschaft im Zentrum unseres Herzens

Wolfram Syben, Superintendent des Kirchenkreises Moers, erläutert das Motto, unter dem der Kirchenkreis Moers das Jahr des Reformationsjubiläums gestellt hat: von Herzen evangelisch. Das bedeute, „das Evangelium, die gute Botschaft der Liebe Gottes zu uns Menschen immer im Zentrum unseres Herzens, unseres Lebens und unserer Kirche zu haben: Hier in Gottes Wort liegt die lebendige Quelle, aus der wir leben können und nach der sich viele sehnen, hier sind die starken Kräfte und die guten Wegweisungen, die wir so dringend brauchen.“

Niemand habe seinen Glaube jedoch aus sich alleine und allein für sich, er sei ein Gemeinschaftswerk. Der Austausch mit anderen schütze vor Engstirnigkeit und bereichere durch „das Miteinander mit unseren christlichen Geschwistern aller Konfessionen (…) und weitet unseren Horizont!“ Syben spricht auch von der Sehnsucht, die danach frage, was im Leben wichtig und tragfähig sei. „Das wird uns als Einzelne von innen heraus verändern können, das wird neuen Mut und neue Energie, neue Zuversicht und neue Ideen freisetzen können.“

Suche nach dem Frieden zwischen den Religionen

Ökumenisches Friedensgebt in St. Marien. Ökumenisches Friedensgebt in St. Marien.

Nach dem Gottesdienst begibt sich ein Großteil der Besucherinnen und Besucher zu einem Pilgerweg in Richtung Evangelische Stadtkirche Moers, wo sie ein großes Fest erwartet. Vorbei geht es aber zuvor an St. Marien, wo der katholische Pfarrer Herbert Werth und Pfarrer Wolfram Syben ein ökumenisches Friedensgebet sprechen. Darin fragen sie nach der Suche nach dem Frieden zwischen den Religionen und Konfessionen. Mit dem Schweizer Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti kritisieren sie das „Eigeninteresse einiger Industrienationen und ihres neokolonialen Weltmarkts“.

In ihrem Gebet bitten sie darum: „Gib, dass wir es nicht schweigend hinnehmen, wenn politische oder wirtschaftliche Eigeninteressen das Überleben aufs Spiel setzen. Lass uns auf deine Zusage vertrauen, dass du Frieden auf der Erde und mit der Erde willst.“ Bei diesem etwa halbstündigen Aufenthalt können sich die Pilgernden bei Wasser, Kaffee und Obst auch ausruhen, ehe sie sich wieder auf den Weg machen.

Großes Fest mit leckerem Essen und viel Musik

Mit beim Pilgerweg: Dr. Jürgen Thiesbonenkamp, Dorothee Bartsch, und Okko Herlyn. Mit beim Pilgerweg: Dr. Jürgen Thiesbonenkamp, Dorothee Bartsch, und Okko Herlyn.

Angekommen bei der Stadtkirche erwartet sie ein großes Fest. Eine leckere vegetarische Möhren-Ingwer-Suppe, gespendet von der Grafschafter Diakonie gGmbH - Diakonisches Werk Kirchenkreis Moers und Muffins von Ehrenamtlichen gebacken, bilden die kulinarische Grundlage für die Attraktionen in und an dem evangelischen Wahrzeichen der Stadt. Für Kinder gibt es Spielstände und ein Spielmobil.

Ein Markt der Möglichkeiten zeigt die Arbeit der verschiedenen Einrichtungen des Kirchenkreises mit Angeboten für jedes Alter. Die Musik in der Stadtkirche produzieren Künstlerinnen und Künstlern aus dem Kirchenkreis Moers live und unter der Moderation von Kleinkünstler und Theologieprofessor Okko Herlyn. Zu hören sind Kinderchöre der Kirchengemeinden Lintfort und Kapellen, das Flötenensemble „momentum musicale“ Rheinberg, der Posaunenchor Moers und der Kantorenchor des Kirchenkreises Moers.

Um 17 Uhr endet der Festtag in der Stadtkirche Moers mit Segen. Pfarrerin Mareike Maeggi resümiert: „Organisatorisch gab es viel zu tun, aber im Team haben wir es gut geschafft. Und es hat sich ja gelohnt. Ein wirklich schöner Tag!"

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ekir.de / Text und Fotos: Kirchenkreis Moers / 26.06.2017



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