Termine
Freitag, 09.12.2016 17:00 Uhr
Mülheim an der Ruhr
Musik
Teezeit im Petrikirchenhaus
Freitag, 09.12.2016 18:00 Uhr
Mülheim an der Ruhr
und sonst
Offenes Singen im Advent
Freitag, 09.12.2016 18:00 Uhr
Mülheim an der Ruhr
und sonst
„Zeit für Gott – Zeit für dich“ – Jugendgottesdienst im Advent
mehr
Gottesdienste

Jeden Sonntag und an vielen anderen Tagen wird in den Gemeinden Gottesdienst gefeiert. Die nächsten Termine finden Sie hier.

mehr
Kirchengemeinden
Kirchengemeinden mehr
Losung

für den 09.12.2016

Bileam sprach: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN.

4.Mose 22,18

mehr
Service

Podiumsdiskussion Flüchtlinge

Beim Ankommen helfen

Wie man Menschen auf der Flucht das Ankommen in Mülheim erleichtern kann, darum ging es bei der Diskussion mit  Ministerpräsidentin Kraft, Superintendent Hitzbleck, Stadtdechant Janßen und Sozialdezernent Ernst im Altenhof.

Ministerpräsidentin Kraft und Superintendent Hitzbleck bei der Podiumsdiskussion im Haus der Ev. Kirche. Ministerpräsidentin Kraft und Superintendent Hitzbleck bei der Podiumsdiskussion im Haus der Ev. Kirche.

„Das Ankommen gelingt nur, wenn wir die Flüchtlinge auch bei uns ankommen lassen“, rief die Ministerpräsidentin zu Offenheit und Begegnung auf. Auf Einladung des Mülheimer Kolpingwerkes und des Kirchenkreises An der Ruhr diskutierten Ministerpräsidentin Kraft, Superintendent Hitzbleck, Stadtdechant Janßen und Sozialdezernent Ernst im Mülheimer Haus der Ev. Kirche über die Situation von Flüchtlingen. „Menschen auf der Flucht – auch bei uns angekommen?“ war der Abend überschrieben. Das Ankommen-Lassen sei eine gesellschaftliche Aufgabe, die kaum je abgeschlossen sein könne, stellte Superintendent Helmut Hitzbleck fest. „Denn mit jeder Flüchtlingsgruppe, die hier ankommt, beginnt der beidseitige Lernprozess von Neuem.“

Viele Lob von allen Podiumsteilnehmenden gab es für die zahlreichen ehrenamtlichen Engagierten in der Stadt, die sich für die Ankommenden einsetzen. „Doch auch in Mülheim gibt es viele Menschen, denen es selber schlecht geht und die Angst haben, zu kurz zu kommen, wenn man hier Flüchtlinge aufnimmt“, gab eine Zuhörerin zu bedenken, die selber in den 90er Jahren vor Flüchtlingswohnungen Wache gestanden hatte als Rechtsextreme mit Gewalt drohten.

Ängste vor den Neuankömmlingen waren es jedenfalls nicht, die die zahlreichen Zuhörer im Haus der Ev. Kirche beschäftigten, rund 300 Menschen waren in den Veranstaltungssaal des Altenhofs gekommen. Einer drückte sein Unverständnis dafür aus, dass man hierzulande die Flüchtlinge nur als Belastung darstelle: „Im Libanon sind Hunderttausende Flüchtlinge unterwegs und hier wird bei vergleichsweise geringen Zahlen schon ein solches Bohei um die Kosten gemacht.“ (Informationen über die Verteilung von Flüchtlingen rund um den Globus in der Linkbox unter diesem Artikel)

Viele Besucher des Abends waren selber in der Flüchtlingshilfe engagiert und riefen zum Mitmachen auf, etwa bei der Initiative labdoo.org, die nicht mehr gebrauchte Computer und Laptops sammelt und sie Flüchtlingen zur Verfügung stellt. Oder zur Begegnung beim Welcome-Meeting der Ev. Lukaskirchengemeinde oder beim Gottesdienst der katholischen Gemeinde St. Barbara am kommenden Sonntag, der gemeinsam mit einer Gruppe von Kaldäern aus dem Irak gefeiert werden wird (11.30 Uhr, St. Barbara, Schildberg 84).

Doch nicht für alle ist das Helfen einfach. Eine Berufsschul-Lehrerin berichtete von ihrer Arbeit in einer Klasse mit 30 Flüchtlingen, denen sie unter anderem Deutschunterricht gibt. „Meine Schüler fallen durchs Raster. Sie sind junge Erwachsene, nicht mehr schulpflichtig und bringen alle denkbaren Bildungsbiografien mit. Es gibt wenig gutes Lehrmaterial, vor allem fehlt meinen Schülern aber der Kontakt zu Deutschen, so dass sie außerhalb des Unterrichts kaum Gelegenheit haben, die Sprache zu üben.“ – „Da machen wir mal einen Termin“ bot die Ministerpräsidentin spontan an und punktete sogleich bei der Zuhörerschaft im Altenhof. Ein weiterer Schritt, den die Politikerin nach dem NRW-Flüchtlingsgipfel am gleichen Vormittag ankündigte, sind Gespräche mit den Krankenkassen, „damit die Flüchtlinge eine Gesundheitskarte bekommen.“

Gegenseitige Kosten-Forderungen zwischen Kommune und Land blieben an diesem Abend außen vor. Stattdessen betonte die Landeschefin, man werde gemeinsam auf den Bund zu gehen. Für die Stadt Mülheim schilderte Sozialdezernent Ulrich Ernst den Ausbau der ehemaligen Schule am Fünter Weg, die nun als Gemeinschaftsunterkunft eröffnet wird. Selbstverständlich werde auch weiterhin eine dezentrale Unterbringung bevorzugt, was angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen kaum mehr zu realisieren sei. Dennoch rief der Sozialdezernent auch im Altenhof alle Mülheimer Wohneigentümer auf, falls möglich Wohnraum zur Verfügung zu stellen und versprach: „Die Miete kommt!“ Der entsprechende Mitvertrag werde jeweils mit der Stadt (Kontakt Telefon 455-5401) geschlossen.

Bei allen Herausforderungen, vor denen Mülheim momentan steht, regte Stadtdechant Michael Janßen an, den Blick zu weiten: „Wie können wir denjenigen helfen, die in ihren Herkunftsländern Not leiden und die es gar nicht bis hierhin schaffen?“

Denjenigen, die es „aus dem Fegefeuer“ bis zu uns schaffen, sagte Superintendent Hitzbleck, „darf man keinesfalls die Tür vor der Nase schließen. Das ist inakzeptabel.“ Das fanden auch die Zuhörerinnen und Zuhörer und quittierten die Aussage mit Applaus. Superintendent Hitzbleck. „Man kann denen, die es in höchster Not hierher schaffen, nicht sagen ,dein Leben interessiert mich nicht‘. Das schlägt der christlichen Wertegemeinschaft ins Gesicht“.

 

 

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

ala / 16.04.2015



© 2016, Evangelischer Kirchenkreis an der Ruhr
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung