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Broich-Saarn

Ein Brückenbauer im Nachkriegs-Europa

Er hat nicht nur das Saarner Gemeindeleben geprägt, sondern auch länderübergreifende Partnerschaften aufgebaut. Am 30. März wäre Pfarrer Ewald Luhr, Ehrenringträger der Stadt Mülheim, 100 Jahre alt geworden.

Pfarrer Ewald Luhr LupePfarrer Ewald Luhr

Nicht nur das Saarner Gemeindeleben, sondern auch das Miteinander in der Stadt hat Pfarrer Ewald Luhr geprägt. Mülheimer Städtepartnerschaften gehen auf ihn zurück und in Saarn erinnert auch heute noch der nach ihm benannte Platz an Pastor Luhr. Am 30. März 2013 wäre der Ehrenringträger der Stadt Mülheim 100 Jahre alt geworden. Pfarrer Luhr hatte mit seiner Frau Luise vier Kinder.

Von 1945 bis 1980 war der gebürtige Mülheimer Pfarrer in Saarn. Ein zusätzlicher Seelsorgebezirk war dem bis dahin als „Hilfsprediger“ Tätigen eingerichtet worden, nachdem die Gemeinde sich durch Zuzüge in der Nachkriegszeit fast verdoppelt hatte - „auf ca. 8800 Seelen und bei einer Ausdehnung von 7200 Morgen nach vorsichtigen Schätzungen laut Befragung des Meldeamts“, wie es im Presbyteriumsbeschluss aus dem Jahr 1946 heißt.

Die Kriegszeit war prägend für das weitere Leben des Theologen Luhr. Vier Wochen nach Beginn seines Vikariats war er zur Wehrmacht eingezogen worden, wo er bis Kriegsende kämpfte. Sein Zeitgenosse Kirchmeister Dr. Karl Haas erinnert sich an ein richtungweisendes Gelübde: „In den fürchterlichen Tagen in der Invasion der Normandie gelobte er, nach Beendigung des Krieges sein Leben und Wirken in den Dienst der Versöhnung der Menschen und der Völker zu stellen.“ Damit begann Luhr sogleich, als er 1945 in französische Gefangenschaft geriet und dort eine Jugendarbeit aufbaute. Seine Rückkehr nach Mülheim währte nicht lange. Im März 1948 begab sich Ewald Luhr freiwillig für 18 Monate in britische Gefangenschaft. Die Rheinische Landeskirche hatte einen Austausch gegen einen deutschen Kriegsgefangenen vermittelt. Diesem Einsatz begegneten die Engländer mit großem Respekt. Kaum einen Monat später wurde der deutsche Pastor eingeladen, in Halstead/Grafschaft Essex den Gottesdienst zu halten.

Neben der Beziehung nach Halstead entstanden durch Ewald Luhr Verbindungen nach Coutainville in Frankreich und nach Westkapelle in den Niederlanden. Viele Mülheimerinnen und Mülheimer kennen das Jugend- und Freizeitheim, das die Kirchengemeinde Saarn (heute: Ev. Kirchengemeinde Broich-Saarn) 1960 im niederländischen Küstenort Westkapelle einrichtete. Hinzu kommt die Verbindung nach Kuusankoski in Finnland (heute Kouvola), aus der schließlich die Städtepartnerschaft mit Mülheim an der Ruhr hervorging. „Ewald Luhr hat es immer verstanden, Brücken zu bauen und diese zu überschreiten“, schreibt Kirchmeister Haas in seiner Würdigung.

Wer tiefer in die Geschichte der in Saarn initiierten europäischen Begegnungen eintauchen möchte, findet wertvolle Informationen in Ewald Luhrs Buch „Siehe, ich habe Dir gegeben eine offene Tür - Europäische Schritte der evangelischen Gemeinde Mülheim an der Ruhr Saarn“, veröffentlicht 1990 in der Edition Werry. In diesem Buch beschreibt er eindrucksvoll, wie es ihm nach dem Ende des Krieges gelungen ist, freundschaftliche Verbindungen zu ehemaligen Feinden aufzubauen. Einige Exemplare sind noch bei Gemeindemitglied Heike Winkler, Telefon 482371, E-Mail: bh.winkler@t-online.de, erhältlich.

Nicht nur in den Beziehungen nach außen hat Pfarrer Ewald Luhr viel bewegt. In seiner Saarner Gemeinde war seine Amtszeit eine Aufbauphase, deren Ergebnisse bis heute ihren Platz im Gemeindeleben haben. Es entstanden das Gemeindehaus am Lindenhof, das Pfarrhaus Schneisberg, die Trauerhalle auf dem Aubergfriedhof sowie der Kindergarten und die Christuskirche am Lindenhof. Im Jahr des Stadtjubiläums 1983 begründete Luhr die Tradition der mundartlich gestalteten Mölmsch-Platt-Gottesdienste, die die Gemeinde bis heute lebendig hält.

Der Theologe engagierte sich nicht nur innerhalb seiner Gemeindegrenzen: 1963 war er an der Gründung des Vereins „Lebenshilfe für das behinderte Kind“ unmittelbar beteiligt. In Saarn war er in vielen Vereinen „zu Hause“, zum Teil als Ehrenmitglied. Er schrieb viele Bücher und weitere Veröffentlichungen.

Ewald Luhr erhielt zahlreiche Auszeichnungen: 1973 den „Jobs“ der Mülheimer Bürgergesellschaft „Mausefalle“, 1978 den Ehrenring der Stadt Mülheim an der Ruhr und 1983 das Bundesverdienstkreuz. Ferner ehrten ihn der Heimkehrer-Verband, der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge und Rotary-International.

Ewald Luhr starb am 13.05.1997 im Alter von 84 Jahren und wurde unter großer Beteiligung auf dem Auberg-Friedhof in Saarn beerdigt.

Die Gemeinde Broich-Saarn wird im Rahmen des Gottesdienstes zum diesjährigen Partnerschaftsbesuch aus Halstead am 28. Juli 2013 an Leben und Werk Ewald Luhrs erinnern. Dazu sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

 

 

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ala / 21.03.2013



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