Termine
Samstag, 10.12.2016 18:00 Uhr
pic
Mülheim an der Ruhr
Musik
Wie schön leuchtet der Morgenstern
Sonntag, 11.12.2016 12:00 Uhr
Mülheim an der Ruhr
Petrikirchenhaus, Pastor-Barnstein-Platz 2
und sonst
Büchercafé Las Torres
Sonntag, 11.12.2016 17:00 Uhr
pic
Mülheim an der Ruhr
Musik
Adventskonzert in der Immanuelkirche
mehr
Gottesdienste

Jeden Sonntag und an vielen anderen Tagen wird in den Gemeinden Gottesdienst gefeiert. Die nächsten Termine finden Sie hier.

mehr
Kirchengemeinden
Kirchengemeinden mehr
Losung

für den 10.12.2016

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird.

Jeremia 23,5

mehr
Service

80 Jahre Barmer Theologische Erklärung

Absage an den Allmachtsanspruch

80 Jahre ist es her, dass die Bekennende Kirche sich mit der Barmer Theologischen Erklärung gegen die Vereinnahmung durch das NS-Regime zur Wehr setzte. In Wuppertal beschäftigt sich eine Ausstellung mit dem wegweisenden Glaubenszeugnis.

Faksimile der Barmer Zeitung aus dem Mai 1934 LupeFaksimile der Barmer Zeitung aus dem Mai 1934

Die Barmer Theologische Erklärung gilt als zentrales Dokument des Kirchenkampfes in der NS-Zeit und wegweisendes Glaubenszeugnis des 20. Jahrhunderts. Darin grenzten sich evangelische Christen von der Weltanschauung der Nationalsozialisten und den von der NSDAP unterstützten sogenannten Deutschen Christen ab. Das 1934 verabschiedete Dokument hat bis heute nichts von seiner Bedeutung eingebüßt – nicht nur aus evangelischer Perspektive. Die Barmer Theologische Erklärung erteilte dem Allmachtsanspruch der Nationalsozialisten eine deutliche Absage und dokumentiert, dass sich Protagonisten eines wesentlichen Bereiches der Gesellschaft der Vereinnahmung durch das Regime widersetzten.

Am 31. Mai 1934 einigten sich 139 Vertreter lutherischer, reformierter und unierter Kirchen bei der ersten Bekenntnissynode in der Gemarker Kirche in Wuppertal-Barmen auf sechs Thesen, in denen sie sich gegen eine totalitäre Staatsordnung verwahrten, die in das Innere der Kirche eingreift. Heute gehört der Text zu den wegweisenden Glaubenszeugnissen der Kirche im 20. Jahrhundert. Die Evangelische Kirche im Rheinland, zu der auch die Mülheimer und Kettwiger Christen gehören, hat sich seitdem auf die Barmer Theologische Erklärung verpflichtet. Gottesdienstbesucher finden sie im Gesangbuch unter der Nummer 858.

Kritik blieb allerdings nicht aus: Zur menschenverachtenden Rassenpolitik gegenüber den Juden bezogen die Barmer Synodalen in ihrer Erklärung nämlich nicht Stellung. Der Bonner Theologe Karl Barth, aus dessen Feder die Thesen maßgeblich stammten, hat sich später selbstkritisch so geäußert: „Ich empfinde es längst als eine Schuld meinerseits, dass ich sie (die Judenfrage) im Kirchenkampf nicht als entscheidend geltend gemacht habe.“ Für einen entsprechenden Passus hätte er in Barmen allerdings auch keine Zustimmung gefunden, sagt Barth im Rückblick. Als „nachgeholte siebte These“ (zur Zusammengehörigkeit von Christen und Juden) überließ die Evangelische Kirche im Rheinland auf Initiative des damaligen Präses Peter Beier Mitte der 1990er Jahre der jüdischen Kultusgemeinde in Wuppertal einen Teil des Grundstücks an der Gemarker Kirche zum Bau einer Synagoge. So leben heute Christen und Juden an dem Ort, wo 1934 die Barmer Theologische Erklärung verfasst wurde, in geschwisterlicher Nachbarschaft.

 

Gemarker Kirche, Foto: EKiR Gemarker Kirche, Foto: EKiR

Was hat die Barmer Theologische Erklärung den Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts zu sagen? Wer sich diesen Fragen nähern will, kann ab 30. Juni die Ausstellung „Gelebte Reformation zwischen Widerstand und Anpassung“ in der Gemarker Kirche besuchen. Erarbeitet hat sie der Kirchenkreis Wuppertal gemeinsam mit der Evangelischen Kirche im Rheinland als rheinischen Beitrag zum Themenjahr „Reformation und Politik“ in der Reformationsdekade.

Reformatorische Impulse erlebbar machen, das hat sich die interaktive Ausstellung zum Ziel gesetzt. In der Gemarker Kirche können Besucherinnen und Besucher sich mit den Biografien der Barmer Synodalen von 1934 auseinandersetzen. Natürlich kommt moderne Museumstechnik zum Einsatz, Dokumente werden auf Touch-Screens, in einer „Hörbar“ oder unter „Klangduschen“ präsentiert. Die Ausstellungsmacher setzen sich nicht nur mit der Vergangenheit auseinander, sondern fragen auch danach, wofür Kirche heute steht und wo sie Widerspruch äußern muss.

In der Ausstellung wird dann auch die letzte, handschriftlich überarbeitete Fassung der Barmer Theologischen Erklärung zu sehen sein. Normalerweise liegt sie gut verwahrt im Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen, wird aber nun als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Die westfälische Präses Annette Kurschus übergab das Dokument jetzt an ihren rheinischen Kollegen Manfred Rekowski.
Das Dokument entstammt den Akten des Präsidiums der Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche. Die Akten lagen beim früheren westfälischen Präses Karl Koch (1867-1951), der auch Präses der Bekenntnissynoden war, in Bad Oeynhausen. Nach dem Krieg wurde er von der Besatzungsmacht aus seinem Haus gewiesen und nahm die Unterlagen mit nach Bielefeld. Da er in seiner dortigen Wohnung aber keinen Platz für die Akten hatte, wollte er sie entsorgen, übergab sie dann aber auf dessen Bitte hin an Pastor Wilhelm Niemöller (1898-1983). Niemöller nahm sie in sein Archiv der Bekennenden Kirche auf. 1963 übergab er seine Sammlung dann dem Landeskirchlichen Archiv Bielefeld.

Am Mittwoch, 22. November 2014, bietet die Ev. Kirchengemeinde Kettwig einen Ausflug nach Barmen mit Führung durch die Ausstellung an. Anmeldung im Ev. Gemeindebüro Telefon 02054. 83910 oder info@ev-kirche-kettwig.de.

 

 

Sechs Thesen der Barmer Theologischen Erklärung

I. Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh. 14, 6)
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden. (Joh 10,1.9)

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.

--> These 1 sagt, worauf die Kirche zu hören hat: Auf Jesus Christus, wie ihn die Bibel bezeugt. Einzig auf diese Quelle ist für Christinnen und Christen Verlass.

 

II. Durch Gott seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung. (1. Kor 1,30)

Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben; durch ihn widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn bedürften.

--> These 2 sagt, was Christinnen und Christen sich sagen lassen sollen: Dass sie überall Verantwortung in der Welt übernehmen können, weil Christus sie aus den Verstrickungen dieser Welt befreit hat.

 

III. Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist. (Eph 4, l5. 16)

Die christliche Kirche ist die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt. Sie hat mit ihrem Glauben wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft wie mit ihrer Ordnung mitten in der Welt der Sünde als die Kirche der begnadigten Sünder zu bezeugen, dass sie allein sein Eigentum ist, allein von seinem Trost und von seiner Weisung in Erwartung seiner Erscheinung lebt und leben möchte.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen.

-->These 3 sagt, was über die Kirche zu sagen ist: Dass sie eine Gemeinschaft ist, die sich allein an Jesus Christus orientiert und Zeitgeist, Weltanschauungen und Ideologien außen vor lässt.

 

IV. Jesus Christus spricht: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener. (Mt 20, 25.26)

Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der einen über die anderen, sondern die Ausübung des der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienstes.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und dürfe sich die Kirche abseits von diesem Dienst besondere, mit Herrschaftsbefugnissen ausgestattete Führer geben und geben lassen.

--> These 4 sagt, wer in der Kirche das Sagen hat: Dass kirchliche Führungskräfte, auch wenn sie Verantwortung übernehmen, keinen Herrschaftsanspruch geltend machen können.

 

V. Fürchtet Gott, ehrt den König. (1. Petr 2,17)

Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat in der noch nicht
erlösten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes, durch das Gott alle Dinge trägt.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne sich die Kirche über ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche Würde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden.

--> These 5 sagt, was dem Staat zu sagen ist: Dass er für Recht und Frieden zu sorgen hat – sich aber nicht selbst als Religionsersatz aufspielen soll.

 

VI. Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 28,20) Gottes Wort ist nicht gebunden. (2. Tim 2,9)

Der Auftrag der Kirche, in welchem ihre Freiheit gründet, besteht darin, an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes durch Predigt und Sakrament die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne die Kirche in menschlicher Selbstherrlichkeit das Wort und Werk des Herrn in den Dienst irgendwelcher eigenmächtig gewählter Wünsche, Zwecke und Pläne stellen.

--> These 6 sagt, was die Kirche zu sagen hat: Das Evangelium, das sie allen Menschen mitteilen soll – unabhängig von sozialer Herkunft, Status und Bildung.

 

 

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

ala / EKiR / 13.05.2014



© 2016, Evangelischer Kirchenkreis an der Ruhr
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung