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Losung

für den 26.09.2017

Du unser Gott, du großer Gott, mächtig und schrecklich, der du Bund und Treue hältst, achte nicht gering all das Elend, das uns getroffen hat.

Nehemia 9,32

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Service

Offene Ganzstagsschule

Verlässlichkeit für Eltern - Freiräume für Kinder

Seit 14 Jahren hat die Diakonie sich zu einem großen Träger der offenen Ganztagsbetreuung in Mülheim entwickelt und arbeitet mit maßgeschneiderten Konzepten an elf Standorten wie Birgit Hirsch-Palepu im Interview erklärt.

Birgit Hirsch-Palepu Birgit Hirsch-Palepu

Die Mülheimer Diakonie war im Jahr 2004 der erste Träger, der in Mülheim eine Offene Ganztagsgrundschule (OGS) einrichtete. Birgit Hirsch-Palepu, stellvertretende Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes im Evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr und Leiterin der Abteilung Soziale Dienste, begleitete bereits diesen Prozess federführend. Inzwischen ist die Fachfrau der Diakonie nicht nur in Mülheim, sondern auch überregional gefragte Expertin zum Thema. Jüngst nahm sie etwa als Vertreterin der Diakonie RWL an einer Expertenanhörung zur Bildungsberichterstattung des Landes NRW teil, bei der neben dem Land, alle Spitzenverbände und kommunale Vereinigungen sowie Praktiker vertreten waren. Auch die diversen Modellprojekte, an denen sich die Mülheimer Diakonie beteiligte, erhielten weitere Aufmerksamkeit.

Frau Hirsch-Palepu, Sie haben das Arbeitsgebiet Offene Ganztagsschule für das Diakonische Werk wie für die Evangelische Kirche in Mülheim aufgebaut. Wie kam es dazu?
Birgit Hirsch-Palepu: Ich habe bereits bei meiner vorherigen Arbeitsstelle mit Schulen zusammengearbeitet und festgestellt, dass die Verbindung von Schule, Jugendhilfe und weitergehenden Arbeitsbereichen für die Menschen, die wir für die Diakonie betreuen, begleiten und beraten sehr hilfreich ist. Ziemlich genau mit einem Arbeitsbeginn hier in Mülheim im Sommer 2001 haben wir an einer weiterführenden Schule mit der Halbtagsbetreuung „Dreizehn Plus“ begonnen. Und als dann im Jahr 2003/2004 das Amt für Kinder, Jugend und Schule anfragte, ob wir als Träger eine erste OGS in Styrum – einem Stadtteil, in dem wir bereits sehr aktiv waren – übernehmen würden, konnte ich mir das sofort vorstellen. Der Aufbau dieser ersten OGS an der Augustastraße war von Anfang an eine gemeinsame Aktivität mit der Schulleitung und dem Amt für Kinder, Jugend und Schule. Die Schulleiterin hatte klare Vorstellungen und ein wunderbares Konzept für den Stadtteil und ihre Schule. Die hohe Kunst war von Anfang an zu gucken, wie können wir uns als Träger mit unserer Kompetenz und Erfahrung einbringen, aber gleichermaßen die Ideen und Vorstellungen der Schulleitung und Lehrer aufnehmen, um das Beste für den Standort zu gestalten. Die individuelle Ausgestaltung der OGS ist seit damals unsere Prämisse.


Die OGS ist politischer Wille gewesen – im Land, wo ein Konzept erarbeitet und Richtlinien erlassen wurden und in der Stadt, wo gefordert wurde, dass Kinder nicht nur verwahrt, sondern betreut und gefördert werden sollen. Wie verstehen Sie diesen Ansatz in der Praxis?
Das Land NRW hat sich in Schritten der Lebensrealität der Menschen angenähert. Es gibt immer mehr Familien, in denen beide Eltern berufstätig sein müssen. Vor allem in den ersten Grundschuljahren, wenn die Kinder noch sehr unregelmäßig Unterricht haben, reicht da eine Halbtagsbetreuung nicht mehr. Die Besonderheit in Mülheim ist, dass man von Beginn an den Fachkräfteschlüssel an den Hort-Bereich angepasst hat. Es war stets eine starke Verzahnung und Vernetzung von Jugendhilfe und Schule geplant. Schule und OGS sollten nicht nebeneinanderher laufen, sondern die Kinder ganzheitlich betreut werden. Das hat sich bis heute bewährt.

Was bedeutet „ganzheitliche Betreuung“?
Die Förderung, die unsere Mitarbeiter in der OGS leisten, setzt an vielen Stellen an und geht über Schule und Bildung hinaus. Da spielt beispielsweise auch Sozialverhalten eine Rolle – teils geht es darum, Kinder erst einmal gruppenfähig zu machen. Wir müssen die Kinder an der Stelle abholen, wo sie sind. Das kann von Standort zu Standort unterschiedlich sein und unterschiedliche Ansätze erfordern. Und die guten Strukturen, die wir in Mülheim haben, tragen definitiv dazu bei, dass Kinder bessere Bildungschancen und Chancen für ihren weiteren Lebensweg haben.
 

Gemeinsames Backen in der OGS Lierbergschule Gemeinsames Backen in der OGS Lierbergschule

Die OGS-Betreuung dauert bis in den späten Nachmittag. Haben Sie den Eindruck, dass Kinder gern so viel Zeit in der Schule bleiben?
Das war am Anfang eine Frage, die viel diskutiert wurde. Aber auch da hat sich die Lebensrealität von Kindern gewandelt. Viele haben nicht mehr den Freiraum, den sie vor Jahrzehnten noch hatten. Die OGS bietet ihnen da die Möglichkeit, neue Erfahrung zu sammeln, die sie sonst in dieser Form nicht machen würden. Zum Beispiel kommen eine Reihe Kinder durch die Kooperation mit dem Mülheimer Sportbund erstmals in Kontakt zu Sportvereinen. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, aber ich habe den Eindruck, dass der größte Teil der Kinder mit der OGS zufrieden ist.

Gilt das auch in den Ferien?
Ja, die Ferienangebote werden an allen Standorten gut nachgefragt. Für die Eltern ist die verlässliche Betreuung natürlich wichtig, aber auch für die Kinder ist es etwas Besonderes. Sie haben den unschätzbaren Vorteil, Schule anderes, freier zu erleben. Die Ferienangebote heben sich deutlich vom gewöhnlichen, anstrengenden Schulalltag ab. Und natürlich ist es auch für die Mitarbeitenden schön, in dieser Form Zeit mit den Kindern zu verbringen.

Wie erleben Sie die Begleitung der Politik?
Ich schaue zurück auf 14 Jahre und kann sagen: Wir haben einen beständigen Austausch mit Politik und auch der Fachverwaltung. Die Mülheimer Parteien begleiten den Prozess nicht nur; sie machen ihn in dieser Form, die über die Landesrichtlinien hinausgeht, erst möglich. Die Zusammenarbeit ist von einem hohen Interesse für die OGS geprägt. Natürlich stand die Politik in den vergangen Jahren aufgrund der wirtschaftlichen Situation der Stadt immer wieder vor der Frage: Kann man und wie kann man im Bereich der OGS Gelder einsparen? Wir haben mehrere Kürzungen erfahren, die aber in einem konstruktiven Dialog zwischen Verbänden, Politik und Verwaltung erarbeitet worden sind, so dass wir sie letztlich mittragen konnten. So haben wir uns zum Beispiel darauf verständigt, nicht 25, sondern bis zu 30 Kinder in einer Gruppe zu betreuen – und fünf Kinder mehr aufzunehmen, ist schon eine Hausnummer. Ich betone auch innerhalb des Landes NRW immer wieder, wie hoch die Qualität in Mülheim ist. Ja, es kostet. Ja, es kostet sehr viel Geld. Aber meiner Erfahrung nach lohnt sich der Einsatz der Finanzmittel, weil es um die Zukunft geht. Ich würde mir wünschen, – auch wenn der Wind rauer wird und die Finanzen weniger werden – dass Politik und Stadt Mülheim am bisherigen Konzept festhalten.

 
Die Nachfrage nach OGS-Plätzen ist groß. Der Bedarf zeigt, dass die OGS in Mülheim ein Erfolgsmodell ist. Wohin kann Ihrer Meinung nach der Ausbau der OGS gehen?
Derzeit haben wir gesamtstädtisch eine Ausbauquote von circa 40 Prozent bei der OGS. Hinzu kommt die Teilzeitbetreuung, für die sich einige Eltern bewusst entscheiden und die ursprünglich von 8 bis 13 Uhr vorgehalten wurde. Alle Träger haben daran mitgewirkt, das auszubauen; wir betreuen teilweise auch bis 14.30 Uhr, um den Bedürfnissen der Eltern gerecht zu werden. Wenn man all das berücksichtigt, denke ich, dass Ausbauquoten für alle Betreuungsformen von 60, 70 Prozent realistisch sind.

Sie sprachen von einer Verzahnung von Schule und Jugendhilfe. Was bedeutet das?
Das bedeutet beispielsweise, dass Erzieherinnen teilweise Kinder in den Unterricht begleiten. Das Ziel ist eine intensive Begleitung und individuelle Förderung, die in Abstimmung mit der Klassenlehrerin und der Schulleitung erfolgt. In jeder Klasse hat man Kinder, die weitere Betreuung benötigen. Zudem sind wir erfahrene Fachkraft für Kinderschutz und können – in den Teams, mit den Schulen – sehr schnell Gefährdungssituationen beurteilen und in enger Abstimmung mit den Fachämtern weitergehende Maßnahmen installieren.

Wie sieht der Alltag in der OGS aus?
Wir versuchen, eine familiäre Atmosphäre und ein schönes Ambiente zu bieten, in dem Kinder auch Freiräume haben, in dem sie zu Wort kommen und Gehör finden. Zum Alltag gehören Dinge, die man von zu Hause kennt. So helfen die Kinder in der Regel dabei, den Tisch für das warme Mittagessen zu decken. Je nachdem, wann sie Unterrichtsschluss haben, machen die Kinder vor oder nach dem Essen ihre Hausaufgaben. Im Anschluss daran gibt es verschiedene Freizeitangebote, die teils in Kooperation mit Vereinen, Jugendfreizeiteinrichtungen oder von Ehrenamtlichen angeboten werden. Natürlich halten unsere pädagogischen Fachkräfte eigene Angebote vor. Aber: Kinder dürfen und sollen auch spielen. Kinder brauchen Freiräume und die Möglichkeit, Zeit selbst zu gestalten.

Apropos „Fachkräfte“: Die Arbeit mit jungen Menschen ist sehr anspruchsvoll… Definitiv. Ich habe Respekt und Hochachtung vor unseren Mitarbeitern und ihrer guten Arbeit. Wir konnten etwa an nahezu allen Schulstandorten die „Inklusion“ erfolgreich umsetzen – also die Beschulung von Kindern mit Förderbedarf an Regelstandorten. Und das bei einer Gruppengröße von 30 Kindern. Das hat die Mitarbeiter vor besondere Herausforderungen gestellt und brachte an vielen Standorten eine konzeptionelle Änderung mit sich, um den Bedürfnissen der Kinder und ihren Förderbedarfen gerecht zu werden. Das ist eine große Herausforderung in der Realisierung gewesen, die aber machbar und schaffbar ist, wenn man Fachkräfte hat.
 
Sie sind nicht nur in Mülheim im Gespräch, sondern wirken auch mit in überregionalen Arbeitskreisen und Auswertungen. Wenn Sie in die Umgebung blicken, wo kann es da hingehen?
Wenn ich in die Umgebung blicke, blicke ich in der Regel auf neiderfüllte Gesichter. Die umliegenden Diakonischen Werke beispielsweise sind stets sehr positiv überrascht, mit welchen Strukturen wir hier in Mülheim arbeiten dürfen. Der Austausch hat mich von Anfang an begleitet – in Arbeitskreisen, bei Regionaltreffen, aber auch durch die Mitwirkung an verschiedenen Modellprojekten. Das Modellprojekt „Hilfen zur Erziehung in der Offenen Ganztagsgrundschule“ und die verschiedenen Projekte, die wir im Zuge der Flüchtlingswelle initiiert haben, sind da nur Beispiele. Ich glaube auch die unaufgeregte Arbeit, die wir seit vielen Jahren machen, hat dazu geführt, dass wir als Gesprächspartner so interessant waren.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Schulen ab?
Da kann ich den Kreis ein wenig schließen, zu dem, was ich am Anfang gesagt habe. Wir versuchen immer – natürlich orientiert am Rahmenkonzept der Stadt Mülheim – für jeden Schulstandort ein sehr individuelles Angebot zu stricken. Das bedeutet einen ständigen Kommunikationsfluss zu den Schulleitungen. Ich verstehe die OGS als gemeinsames Projekt, das wir gemeinsam mit unseren Stärken, Ressourcen und Kompetenzen weiterentwickeln und gestalten. Wir sind jetzt an zehn Schulstandorten plus einem Teilstandort aktiv – jeder Standort hat eine sehr individuelle OGS, die letztlich die Schulleitungen und das Team vor Ort prägen.

Das Diakonische Werk ist Teil der Evangelischen Kirche. Welchen Anteil hat die Evangelische Kirche in Mülheim daran, dass die Diakonie diese Aufgabe so ausführen kann?
Einen wesentlichen. Es gibt den Synodenbeschluss, der für mich ein Schlüsselmoment ist, den ich nicht vergessen werde. Damals tagte die Synode in Heißen und fasste den Grundsatzbeschluss, die OGS-Arbeit auf das Diakonische Werk zu übertragen. Ich war damals sehr froh und stolz auf die Weitsicht der Synode, zu sagen: Wir wollen als Evangelische Kirche, dass das Diakonische Werk diese Aufgabe übernimmt, ausgestaltet und – da, wo’s machbar ist – in enger Kooperation mit den Kirchengemeinden die Arbeit gestaltet.
Ich möchte ergänzend sagen: Ich habe die Arbeit vor 14 Jahren begonnen, aber ich habe im Laufe der Jahre durch die Vielzahl der Schulen wunderbare Menschen und Kollegen an meiner Seite, die diese Arbeit mit mir gestalten, fortführen, weiter ausbauen. Und ich kann sagen: Das ist das Wichtigste, das man als Träger braucht, man muss Mitarbeiter haben, die mit ganz viel Herzblut hinter dieser Arbeit stehen.

 

 

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Julia Blättgen / 28.08.2017



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