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Kindererziehung

Kinder brauchen warmherzige, anerkennende Erziehungspersonen

Kindheit hat sich verändert, deshalb sollte sich auch Kindererziehung verändern, erklärt Rainer Dollase, Professor em. für Erziehungswissenschaft und Psychologie (Universität Bielefeld). Ein ekir.de-Interview anlässlich des Pädagogischen Fachtags in Mülheim/Ruhr.

Kinder brauchen ein realistisches Bild von der Welt und von sich selbst und ihren Fähigkeiten: Prof. Rainer Dollase. Kinder brauchen ein realistisches Bild von der Welt und von sich selbst und ihren Fähigkeiten: Prof. Rainer Dollase.

Inwieweit ist Kindheit heute anders als früher?

Kindheit ist das, was die Gesellschaft den Kindern bereitstellt. In heutiger Zeit bedeutet das: Kinder sind von klein auf an in Gruppenbetreuung, beide Eltern sind erwerbstätig, die Kinder haben weniger Geschwister, es gibt viele Medien wie Fernseher, Computer, Handy usw., die Eltern haben nicht mehr so viel Ahnung von Erziehung und die Kinder bekommen mit, dass die Erwachsenen sich eher mal streiten und dass sie mehr an sich selbst interessiert sind.

Haben sich auch die Kinder im Vergleich zu früher verändert?

Ja und nein. Zunächst mal bleibt der Mensch in seiner psychischen Struktur und in seinen Bedürfnissen immer gleich. Es ist die Aufgabe jeder Generation, diesen unwandelbaren Bedürfnissen etwas zu bieten.
Aber es gibt auch Eigenschaften, die sich durch die veränderte Kindheit verändern. Das betrifft insbesondere die Intelligenz der Kinder. Die wenigsten wissen, dass Kinder heute im Durchschnitt 20 IQ-Punkte schlauer sind als Kinder in den 50-er Jahren. Das ist der so genannte Flynn-Effekt und hängt damit zusammen, dass die Kinder heute in einer komplexeren Haushalts- und technischen Welt groß werden und viele intellektuelle Anregungen bekommen.
Der zweite Punkt ist: Kinder brauchen Sicherheit. Sie brauchen erwachsene Bezugspersonen - und die sind heute schwerer greifbar für das Kind.

Warum?

Die Eltern müssen arbeiten. Sie sind nicht da oder haben nicht so viel Nerven, sich mit den Kindern zu beschäftigen.

Aber es gibt eine Betreuung in KiTas und Schulen.

Ja, aber in großen Gruppen. Das ist nicht das, was die Kinder wirklich brauchen. Das schafft jede Menge Probleme, die zwar nicht alle Kinder betreffen, aber einen Teil - etwa zehn bis 15 Prozent. Mit denen muss man dann besonders vorsichtig umgehen. Das ist kein Defizit dieser Kinder, sondern das sind angeborene Temperamentsunterschiede. Mobbing oder Ablehnung durch andere Kinder ist für die Betroffenen ein großes Problem. Zwei Erzieherinnen reichen nicht aus, um sich um so viele Kinder zu kümmern.
In Deutschland ist das noch recht unbemerkt, aber die internationale Forschung beschäftigt sich aktuell überwiegend mit den Problemen der Gruppe. Kollegen in den USA reden vom "Entwicklungsrisiko Gruppe". Doch von Seiten der Politik soll den Eltern natürlich eingeredet werden, dass das Aufwachsen in Gruppen sehr positiv ist, dass die Kinder dort soziales Lernen lernen - weil man ja die Arbeitskraft der Eltern braucht.
Es geht mir jetzt nicht darum, ein konservatives Leitbild wieder aufleben zu lassen, die Geschichte lässt sich nicht umdrehen. Aber es ist Unsinn anzunehmen, dass in der Gruppe alles gut oder gar besser sei - und das sollten Eltern und das professionelle Personal wissen!

Gibt es eine wichtige Leitlinie in der Erziehung?

Dass man Kinder, mit allem, was die Welt ausmacht, konfrontiert. Kinder brauchen ein realistisches Bild von der Welt und von sich selbst und ihren Fähigkeiten, damit sie in dieser Welt vernünftig handeln können.

Was muss sich aufgrund der oben genannten äußeren Veränderungen in Erziehung, Betreuung und Bildung ändern?

Da sind eigentlich keine großen Änderungen nötig. Alle Untersuchungen zeigen, dass vertrauensvolle, warmherzige, anerkennende Erziehungspersonen sowohl in der Familie als auch in einer Einrichtung absolut wichtig sind. Außerdem ist es wichtig, dass die Erwachsenen sich dem Wildwuchs der Beziehungen und der Verhaltensweisen der Kinder untereinander widmen, weil eben das Leben in der Gruppe bedeutsamer bzw. zeitlich umfangreicher geworden ist. Da muss viel mehr an pädagogischen Eingriffen in das Sozialverhalten der Kinder erreicht werden. Das ist ganz wesentlich.
Ansonsten bleibt immer wieder das Gleiche: Wir müssen nett zu den Kindern sein. Das klingt einfach, aber es zu machen ist schwierig.

Unter dem Titel "Erziehung im Jahr 2015" ist Prof. Dollase Gast beim Pädagogischen Fachtag am Donnerstag, 26. Februar, 9.30 bis 13 Uhr, in der Evangelischen Familienbildungsstätte des Kirchenkreises An der Ruhr, Scharpenberg 1b, Mülheim. Die Teilnahme kostet 35 Euro.

 

ekir.de / Alexandra Stoffel, Foto: privat / Evangelische Kirche im Rheinland - Ekir.de / 24.02.2015



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