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Bündnis für Familie

Eltern stärker an die Hand nehmen

Stärker in öffentliche Angebote investieren und mehr verbindliche Elternbildung einrichten, das forderte Bildungsforscher Prof. Klaus Hurrelmann bei seinem Vortrag auf Einladung des Mülheimer Bündnis für Familie in der Ev. Familienbildungsstätte.

Prof. Klaus Hurrelmann in der Ev. Familienbildungsstätte Prof. Klaus Hurrelmann in der Ev. Familienbildungsstätte

20 Prozent der Kinder wachsen in Familien auf, denen die Belastungen des Alltags stark zusetzen. Wie können öffentliche Träger erreichen, dass Unterstützung in diesen Familien und vor allem auch bei den dort lebenden Kindern ankommt? Dieser Frage ging Professor Klaus Hurrelmann (Hertie School of Governance, Berlin) in seinem Vortrag in der Evangelischen Familienbildungsstätte nach. Eingeladen hatte das Mülheimer Bündnis für Familie, in dem der Evangelische Kirchenkreis durch seine Familienbildungsstätte vertreten ist. Das Bündnis feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass sprach der Berliner Bildungsforscher zum Thema „Familie im Stress“.

„Zeit füreinander, das ist das Wichtigste, was wir brauchen“, hatte Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld in den Gastvortrag eingeführt. Ihr Lob ging an die Initiativen in der Stadt, die sich engagieren, um Familien zu entlasten, wie es beispielsweise die in der Evangelischen Familienbildungsstätte angesiedelten „Lila Feen“ oder das „wellcome“-Projekt leisten.

Was es darüber hinaus zu tun gibt, sprach Prof. Klaus Hurrelmann in seinem Vortrag an. Der Bildungsforscher plädierte dafür, mehr in öffentliche Infrastruktur für Erziehung und Bildung zu investieren, wie etwa in gebundene Ganztagsangebote an Schulen. „In unserem Gemeinwesen ist traditionell Vieles den Eltern überlassen. Sie sollen entscheiden, was für das Kind gut ist“. Das gewähre allerdings nicht, dass pauschal gewährte Unterstützung wie etwa das Kindergeld auch bei den Kindern ankomme.

Einige gesellschaftliche Trends bildete ein Blick in die empirische Forschung (World Vision Kinderstudien, AOK-Familienstudie) ab: Mittlerweile wächst die Mehrheit der Kinder in einem Haushalt mit zwei erwerbstätigen Eltern auf. Hurrelmann: „Und das finden die Kinder in der Regel auch gut. Sie schätzen es, Eltern zu haben, die auch beruflich anerkannt sind, die etwas zählen in der Gesellschaft“. Ferner leben fast ein Drittel der Kinder nicht mehr in der klassischen Vater-Mutter-Kind-Kleinfamilie, sondern zum Beispiel in Ein-Eltern-Familien oder anderen Lebensgemeinschaften. „Wir dürfen Familienformen abseits des Mainstreams nicht diskriminieren. Diese Botschaft, gerade an die Kinder, ist immens wichtig“, so Hurrelmann.

Dem konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer im Veranstaltungssaal der Evangelischen Familienbildungsstätte gut folgen. Viele, insbesondere in der Kinder- und Jugendhilfe Tätige, waren der Vortragseinladung gefolgt und sahen ihre Erfahrungen bestätigt. Auf Zustimmung, aber auch auf Skepsis stieß Hurrelmanns Plädoyer dafür, mehr Verbindlichkeit in der Elternbildung herzustellen. „Am besten wäre, man müsste für Elternbildung nichts bezahlen, sondern man bekäme sie bezahlt, zum Beispiel, wenn man einen Kurs hier in der Familienbildungsstätte besucht“, warb der Bildungsforscher für Anreizsysteme, wie es sie zum Beispiel in Finnland gibt. „Ich fände es gut, wenn Eltern in KiTas verbindlich aufgefordert würden, an Kursen teilzunehmen. Dort muss dann allerdings ein Gespräch auf Augenhöhe stattfinden, Belehrungen haben keinen Sinn. Wichtig ist, dass Eltern und professionelle Erzieher aus den Institutionen miteinander im Gespräch sind.“

Für Diskussionsansätze im Dialog mit dem Forscher war schnell gesorgt. Die anwesenden Fachleute, Eltern und weitere Interessierte, brachten ihre Erfahrungen und Fragen ein: „Ist es wirklich sinnvoll, eine Kursteilnahme einzufordern, wenn die teilnehmenden Mütter und Väter in der Konsequenz nicht wirklich motiviert sind?“ „Gibt es nicht schon genug Druck zur Perfektion auf Eltern?“ Und: „Hat es überhaupt einen Sinn, wenn nur eine Schule Elternangebote verbindlich macht, andere Schulträger aber nicht mitziehen?“

Dem Mülheimer Bündnis für Familie wird die Arbeit so schnell nicht ausgehen.

 

 

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ala / 06.11.2014



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