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Brisantes Thema und beste Unterhaltung

Einen kurzweiligen Krimi-Abend zum brandaktuellen entwicklungspolitischen Thema "Landgrabbing"  bot das deutsch-niederländische Autorenduo Hoeps & Toes bei einer Benefiz-Lesung in der Friedenskirche.

Thomas Hoeps (li.) und Jac .Toes in der Friedenskirche LupeThomas Hoeps (li.) und Jac .Toes in der Friedenskirche

„Aus einem historischen Ansatz ist auf einmal ein brandaktuelles Ding entstanden“, schildert Thomas Hoeps die Entstehung seines Krimis „Das Lügenarchiv“, aus dem er gemeinsam mit Mitautor Jac Toes in der Heißener Friedenskirche las. Nach einem speziell deutsch-niederländischen Thema hatte das Autorenduo gesucht. „Lass uns doch die Kolonialgeschichte aufgreifen“, war die erste Idee. „Und dann haben wir entdeckt, dass das Thema Landraub viel drängender ist“, berichtet Thomas Hoeps. Bei den Recherchen zum Thema stieß das Autorenteam auf die Brot-für die-Welt-Kampagne „Niemand is(s)t für sich allein“, deren aktuelles Jahresthema das „Landgrabbing“ ist. Hoeps und Toes nahmen Kontakt zu Brot für die Welt auf und boten drei Benefizlesungen an – eine holte der Gemeindedienst für Mission und Ökumene (GMÖ) nach Mülheim.

Und rund 30 Besucherinnen und Besucher kamen in die Friedenskirche, um die äußerst kurzweilige Krimi-Lesung zu hören, deren Geschichte vor einem aus der Ferne nur schwer greifbaren Hintergrund spielt: Es geht um lukrative Geschäfte mit Biokraftstoffen in Afrika, Ackerflächen werden langfristig verpachtet und fortan zählen allein die Interessen der Investoren. In „Das Lügenarchiv“ muss Kunstrestaurator Robert Patati mitansehen, wie sein bester Freund und Kollege Wolfgang Altenburg in einem Jaguar in die Luft gesprengt wird. Zuletzt hatte Altenburg im Archiv des Nahrungsmittelkonzerns Duneko historische Fotos restauriert. Währenddessen kauft Duneko riesige Ackerflächen in Afrika, um in Monokulturen eine neue Biokraftstoff-Wunderpflanze anzubauen. Zusammen mit der Arnheimer Polizeiprofilerin Micky Spijker begibt sich Robert Patati auf eine Suche nach den Mördern.

Die Lesung des deutsch-niederländischen Duos in der Friedenskirche ist temporeich, im Gespräch spielen sich die Autoren die Bälle zu, lesen Buchpassagen im regen Wechsel. Die Zuhörerinnen und Zuhörer in Heißen werden mitgenommen in die düstere Mordszene im Amsterdamer Nieselregen, die „smooth“-entspannte Atmosphäre im Koffieshop und in die nicht ganz spannungsfreie Beziehung zwischen Patati und Spijker. Denn der deutsche Restaurator ist nicht nur Ermittlungshelfer der niederländischen Profilerin, sondern auch ihr Ex.

Die beiden Autoren haben sichtlich Spaß an der eigenen Lesung, natürlich darf auch die eine oder andere deutsch-niederländische Anekdote nicht fehlen. „Du sprichst besser Niederländisch als Prinz Claus“ – „Und du besser Deutsch als Rudi Carrell“, schieben sich die beiden ihre „Komplimente“ zu. Geschrieben wird bei Hoeps & Toes stets zweisprachig. Dabei kann es passieren, dass die eine oder andere Anspielung im deutsch-niederländischen Lektorat wegübersetzt wird. Den zweifelhaften „Charme eines Ärztehauses“ etwa, fand der niederländische Lektor, können seine Landsleute schlicht nicht nachvollziehen. „Denn eigentlich haben wir so etwas nicht in Holland, und wenn, dann sieht es gar nicht so schlecht aus“, erklärte Jac Toes.

Die ironischen Anspielungen auf das Verhältnis der beiden Nachbarländer kommen im Publikum gleich an, die Scherze zünden. Das Problem Landraub ist dennoch oft erklärungsbedürftig, wissen die Autoren. „In über 30 Lesungen aus unserem Buch haben wir die Erfahrung gemacht, dass das Thema eigentlich kaum bekannt ist“, berichtet Thomas Hoeps.

Für die Veranstaltungsgäste in Heißen lieferte Eckhard Röhm von Brot für die Welt einige informative Hintergründe: Nicht nur der Anbau von Pflanzen für Biosprit macht die Äcker Afrikas für Investoren der nördlichen Halbkugel und aus China interessant, auch Weideland bietet ein lukratives Geschäftsmodell. Um beispielsweise den Weideflächenbedarf für den deutschen Fleischverzehr zu decken, reichten selbst theoretisch alle in Europa zur Verfügung stehenden Flächen nicht aus. In den Ländern, in denen Investoren riesige Flächen erwerben, ist oft nicht klar, wem sie eigentlich gehörten. Und manch eine Regierung erliege dann der Versuchung nach dem schnellen Gewinn. In einzelnen Ländern bilden sich Initiativen gegen diesen Prozess. „Sie zu stärken ist ein mühsamer Weg und braucht Ihre ideelle und finanzielle Unterstützung“, appellierte Eckhard Röhm ans Mülheimer Publikum, das sich gerne mit einer Spende revanchierte.

Der Krimi mit Patati und Spijker ist der zweite Teil einer Trilogie. Der gemeinsame Erstling des binationalen Autorenduos, „Nach allen Regeln der Kunst” (ndl. „Kunst zonder genade”), wurde 2008 als einer der fünf besten Krimis der Niederlande für den niederländischen Krimipreis „Gouden Strop“ nominiert und in die Topliste zum Belgischen Krimipreis „Diamanten Kogel“ gewählt. Der dritte Roman „Höchstgebot”, schließt die Patati & Spijker-Reihe vorerst ab und erschien 2012 in Deutschland und in den Niederlanden unter dem Titel „Het hoogste bod”.

 

 

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ala / 05.09.2012



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