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für den 27.08.2016

Viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.

Daniel 12,2

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Ev. Kirchengemeinde Heißen

Einen neuen Platz finden

"Mein Platz in der Gemeinde - zwischen Himmel und Erde" heißt das Kunstprojekt, mit dem Heißener Gemeindemitglieder Abschied von ihrer Friedenskirche nehmen. Im Gottesdienst am Sonntag, 7. Dezember, wird die Kirche am Humboldthain entwidmet.

Foto: Oliver Müller Foto: Oliver Müller

Ein Samstagmorgen im Oktober. 12 Menschen aus der Ev. Kirchengemeinde Heißen haben sich im Gemeindesaal der Heißener Erlöserkirche versammelt. Vor ihnen steht eine bunte Mischung verschiedener Stühle: Schlichte und schnörkelige, alte und neue, Kinder-, Caféhaus- und Liegestühle. Farben, Holz, Werkzeuge und allerlei Materialien stehen bereit. Vorfreude und Aufregung liegen in der Luft. Was wird dieser Tag wohl bringen?

So begann das Projekt „Mein Platz in der Gemeinde – zwischen Himmel und Erde“. Zu Anfang nahmen die Teilnehmenden sich unter Anleitung von Pfarrerin Anja Collenberg Zeit für die Fragen: Wo gehöre ich hin zwischen Himmel und Erde? Was gibt mir Sicherheit in meinem Leben (wie die Lehne eines Stuhles), wo sind meine Standbeine (wie die Stuhlbeine), wo finde ich Ruhe (wie auf der Sitzfläche)? Sie gingen auf eine Phantasiereise, sammelten Bilder und Ideen, tauschten sich aus. Am Ende hatte jeder eine Vorstellung davon, wie sein Stuhl als Symbol für den eigenen Platz zwischen Himmel und Erde aussehen sollte. Eine Teilnehmerin sagte erstaunt: „Eigentlich hatte ich gar nicht vor, bei dem Workshop mitzumachen. Aber die Einführung in das Thema war so gut und hat es mir so nahegebracht, dass ich mir doch einen Stuhl genommen und losgelegt habe. Es ist eine ganz neue Erfahrung für mich, dass plötzlich etwas in mir aufbricht.“


Mit kreativer Unterstützung des Mülheimer Künstlers Alfred Dade nahm die Gruppe sich den Rest des Tages Zeit, um ihre Stühle zu gestalten. Es wurde gesägt, gepinselt, geklebt, gemalt. Mancher Stuhl sah am Ende ganz anders aus als geplant, denn die Ideen entwickelten sich im Laufe des Tages weiter.
„Mir hat die Gemeinschaft besonders gefallen. Über die Stühle konnte ich die anderen Menschen besser kennenlernen“, sagte eine Teilnehmerin am Ende des Tages, und ein anderer fügte hinzu: „Direkt Rückmeldung zu bekommen, zu sehen, wie der Prozess von den ersten Überlegungen über die Entstehung der Stühle bis zum fertigen Produkt abläuft, das fand ich beeindruckend.“

Spaß gemacht hat es allen Teilnehmenden, den routinierten KünstlerInnen ebenso wie denjenigen, die sonst nie einen Pinsel in die Hand nehmen. „Ich habe erfahren, dass ich malen kann!“ sagte eine Teilnehmerin mit Blick auf ihren wunderschön gestalteten Stuhl.
So sind alle an diesem Tag ihrem persönlichen Platz zwischen Himmel und Erde ein gutes Stück näher gekommen.

Foto: Oliver Müller Foto: Oliver Müller

Doch damit war das Projekt noch nicht abgeschlossen.
An einem Sonntagnachmittag im November sollten die einzelnen Stühle sich noch einmal begegnen. So standen die gestalteten Stühle zu Beginn des „Begegnungsnachmittags“ willkürlich zwischen allen anderen Stühlen in der Heißener Friedenskirche. Im Laufe des Nachmittags wanderten sie dann durch die Kirche auf der Suche nach ihren gegenwärtigen, ihren zukünftigen und vielleicht auch ihren optimalen Plätzen in der Gemeinde.

Nachdem jeder Teilnehmer seinen persönlichen Platz in der Gemeinde definiert und über seine Zukunft nachgedacht hatte, ging die Gruppe daran, die Frage zu klären, was eine Gemeinde ausmacht. Schnell war man sich einig, mit den Stühlen einen Kreis zu bilden. So sitzt man beieinander, ist einander zugewandt, kann sich die Hand reichen. Allerdings wurde allen auch schnell klar, dass ein solcher Kreis nicht geschlossen sein darf. Er muss nach außen einladend offen sein, aber auch die Möglichkeit bieten, aus ihm herauszutreten. Als die Teilnehmer weitere Stühle nahmen, um den Kreis zu erweitern und Lücken schaffen, wurde es laut und lebhaft. Beim Aufstehen kamen die Gespräche in Gang, es wurde gelacht. Ohne dass es jemand direkt angesprochen hatte, zeigte sich damit, dass es für eine Gemeinde wichtig ist, beweglich zu bleiben, nicht stur auf einem Platz zu hocken. Letztlich landeten alle Teilnehmer mit ihren Stühlen unwillkürlich wieder in einem Kreis.

Sie beschlossenen, ihre Stühle in Herzform anzuordnen, denn eine Gemeinde soll Herz zeigen. Sie muss aber auch im Glauben verbunden sein. So war die Form des Kreuzes als Symbol des Glaubens eine weitere „Stellprobe“ für die Stühle. Dabei bildeten die Stühle den Rand, das Kreuz entstand zwischen ihnen. Die unterschiedlichen Segmente des Quer- und des Längsbalkens konnten als die verschiedenen Gruppen innerhalb der Gemeinde interpretiert werden. Allerdings hatte man je nach Stand- oder Sitzpunkt nicht alle Mitglieder aller Gruppen immer im Blick.

An diesem Nachmittag wurde deutlich: Eine Gemeinde unterscheidet sich von anderen Gruppen durch ihren Glauben. Der Glaube ist der Grund, warum die Gemeindeglieder dort sind. Es kommt auf jeden einzelnen an, auf andere Menschen zuzugehen, sie einzuladen und zu begrüßen. Ebenso sollte auch jeder bereit sein, an andere Orte zu gehen, in andere Kirchen, andere Gemeindezentren, andere Gruppen, zu anderen Predigern. Einen offenen Kreis zu bilden, in dem man zusammenhalten kann, der im Glauben zusammensteht und der beweglich bleibt, das macht Gemeinde aus.

Im Hintergrund dieses Projektes steht ein trauriger Anlass: Die Schließung der Friedenskirche und des dazugehörigen Gemeindezentrums am Humboldthain am 2. Advent. Seit einem Jahr bereitet sich der Bezirk Friedenskirche nun auf die Schließung vor. Im Laufe des Jahres ist es gelungen, alle Gemeindegruppen aus der Friedenskirche in die anderen Gemeindehäuser zu verpflanzen, und auch durch das Projekt „Mein Platz in der Gemeinde – Zwischen Himmel und Erde“ wird der Abschied von der Friedenskirche und der Aufbruch in eine neue Gemeindesituation unterstützt.

Trotz aller Bemühungen ist es traurig, dass ein wichtiger Teil der Heißener Gemeindegeschichte nun zu Ende geht. Viele Menschen müssen ihre lieb gewonnene kirchliche Heimat aufgeben und sich einen neuen Platz in der Gemeinde suchen.

Doch die Menschen, die an dem Projekt teilgenommen haben, haben sich auf den Weg gemacht. Sie geben Hoffnung, dass mit dem Ende auch etwas Neues beginnt: Dass die Ev Kirchengemeinde Heißen in Bewegung bleibt und sich auf die Suche macht nach neuen Plätzen, nach neuen Formen des gemeinsamen Lebens und Glaubens. Die Stühle, die gestaltet wurden, sollen Zeichen für diesen Aufbruch sein. Darum werden sie beim Abschiedsgottesdienst der Friedenskirche am 2. Advent um 10.30 Uhr im Mittelpunkt stehen und später in den Gemeindezentren der Erlöserkirche und der Gnadenkirche ausgestellt werden. Zu dem Abschiedsgottesdienst sind alle herzlich eingeladen.

 

 

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Bärbel Hildebrand und Pfarrerin Anja Collenberg / 21.11.2014



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