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Flüchtlingsreferat

Wächterin und Brückenbauerin

Seit 25 Jahren ist Annette Faßbender Flüchtlingsreferentin im Kirchenkreis An der Ruhr. Ihr Gerechtigkeitsempfinden motiviert sie, auch bei schwierigen Fällen „dranzubleiben.“

Annette Faßbender Annette Faßbender

Es gibt wahrscheinlich keine Frage, die Annette Faßbender noch nicht gestellt wurde. Seit 25 Jahren ist sie Flüchtlingsreferentin beim Kirchenkreis An der Ruhr. Im Kern geht es in ihrer Beratung darum, Asylbewerbern zu ihrem Recht zu verhelfen. Die Rechtssituation ist aber bei Weitem nicht alles, was die Ratsuchenden bewegt: „Ich bin schwanger, was nun?“, „Was passiert gerade mit meinen Verwandten im Heimatland?“, „Was soll dieser Behördenbrief bedeuten?“ oder auch „Wo bekomme ich schnell warme Winterkleidung für die Kinder her?“.

„Für mich ist es wichtig, im Arbeitsalltag nicht dickfellig zu werden und sensibel für die Anliegen der Klienten zu bleiben“, sagt Annette Faßbender. „Denn oft klingt auch eine Frage wie schon-zigmal-gehört. Und dann steckt doch ein völlig unerwartetes Problem dahinter.“ Bei Fragen, die sich nicht um den Aufenthaltsstatus drehen, verweist sie an andere ExpertInnen. Gemeinsam mit ihren Klienten versucht die Flüchtlingsberaterin dann herauszufinden, wie sich die Möglichkeiten und die Rechtslage in jedem einzelnen Fall darstellen. Und das ist oft nicht leicht, denn die Beweislast liegt stets beim Asylsuchenden. „Im Zweifel muss er selber beweisen, ob er über diesen oder jenen Weg eingereist ist. Oder welche Fakten für sein Recht auf Asyl sprechen.“

Eindrücke von der Feier zum Dienstjubiläum

Seit 1988 ist Annette Faßbender Flüchtlingsreferentin beim Kirchenkreis An der Ruhr. Die äußeren Umstände haben sich gewandelt. In den frühen 90er Jahren brachte die Stadt Mülheim Flüchtlinge noch in Containern unter, eine Zeit lang bekamen sie kaum Geld zum Lebensunterhalt, sondern Gutscheine, die im Supermarkt zum Beispiel gegen Lebensmittel eingetauscht werden konnten. Zu dieser Zeit initiierte das Flüchtlingsreferat auch die „Aktion Pestwächter“. Wie im Mittelalter verkleideten sich Mülheimer Pfarrer und in der Flüchtlingsarbeit Engagierte in schwarzen Kutten und mit langen Stöcken als Warner vor der Gefahr. Ihr öffentlicher Protest auf der Schlossstraße richtete sich gegen eine Sozialhilfekürzung für die Flüchtlinge – und hatte Erfolg.

Mittlerweile leben die meisten Flüchtlinge in Mülheim in Privatwohnungen und nicht mehr in Gemeinschaftsunterkünften, auch die Lebensmittelgutscheine sind abgeschafft. Verändert hat sich seit den 90er Jahren auch das Gesprächsklima, und zwar zum Positiven: „Ich verhandle konstruktiv und auf Augenhöhe mit den Behörden und werde als Gesprächspartnerin akzeptiert. Auch mit verschiedenen Fachdiensten stehe ich in Kontakt – weil ich schließlich nicht jede Frage meiner Klienten selber beantworten muss und dann weiterverweisen kann. Umgekehrt werde ich auch um Rat gefragt“, berichtet Annette Faßbender.

Eine einschneidende Veränderung der Rechtslage brachte das Jahr 1993: Seitdem bekommen Menschen, die über so genannte „sichere Drittstaaten“ nach Deutschland eingereist sind, hierzulande kein Asyl mehr. „Die Festung Europa macht schon ziemlich dicht“, beobachtet die Fachfrau. „Letztlich kann man die Mauern aber so hoch bauen wie man will. Menschen in der Hoffnung auf ein besseres Leben suchen sich immer ihren Weg und werden den auch weiterhin finden.“

Der Weg, auf den sich Flüchtlinge machen, ist oft gefährlich, allein im Mittelmeer ertranken im letzten Jahr rund 2.000 Menschen - und immer ist ihre Zukunft ungewiss. „Auch wenn es die Flüchtlinge bis nach Mülheim geschafft haben, kann ich ihnen selten einen Weg zeigen, der zur sicheren Anerkennung in Deutschland führt. Meist gibt es viele Optionen und ich kann anbieten, die Menschen bei einigen Schritten zu begleiten“, erklärt Annette Faßbender das Vorgehen in der Flüchtlingsberatung.

Rückschläge gibt es häufig und die Rechtslage und entsprechende Beratung wird zunehmend schwieriger. „Aber wenn es eine Rechtsgrundlage für Asyl gibt, möchte ich den Anspruch auch durchsetzen“, erklärt die Flüchtlingsreferentin den Gerechtigkeitssinn, der sie auch nach 25 Jahren motiviert. Das Flüchtlingsreferat sieht sie in einer Wächterrolle und auch als Brückenbauer.

Pauschalurteile, die auf Unkenntnis beruhen, treiben die Brückenbauerin um. „Viele Menschen wissen zum Beispiel gar nicht, dass Asylbewerber im ersten Jahr hier nicht arbeiten dürfen – und regen sich über die vermeintliche ,Faulheit‘ der Menschen auf.“ Aufklärung ist Annette Faßbender neben der persönlichen Beratung ihrer Klienten ein wichtiges Anliegen. Gerne besucht sie Gruppen in Kirchengemeinden und andernorts und vermittelt Begegnungen. „So kommen Menschen ins Nachdenken und das ist ja gut.“

 

 

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ala / 26.04.2013



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