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Der HERR spricht: Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen.

Jesaja 55,2

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Service

Fluechtlingsreferat

Sicherheit gesucht

Gerade hat die EU ihr neues Grenzüberwachsungssystem Eurosur in Betrieb genommen. Doch auch Flüchtlinge, die in Mülheim unterkommen, haben noch lange nicht die gewünschte Sicherheit erreicht. Flüchtlingsreferentin Annette Faßbender berichtet.

Foto: UNHCR Foto: UNHCR

360 Menschen starben beim Bootsunglück vor Lampedusa beim Versuch, Europa zu erreichen. Doch auch diejenigen, die das europäisches (Fest) Land erreichen, haben es keineswegs geschafft. Beim Ankommen und auch dabei, das Recht auf Schutz und Asyl durchzusetzen, hilft das Flüchtlingsreferat des Evangelischen Kirchenkreises. Der Synodenbericht von Flüchtlingsreferentin Annette Faßbender zeigt in eindrucksvoller Weise, dass Flüchtlingsschicksale nicht nur weit weg, etwa am Strand von Lampedusa, existieren. Auch in Mülheim leben Menschen, die keine andere Wahl sahen, als ihre Heimat zu verlassen.

Unterstützung bekommt Flüchtlingsreferentin Annette Faßbender auch von ehrenamtlichen Unterstützern, durch Spenden oder auch durch Gemeindegruppen, die sich interessiert am Schicksal der Flüchtlinge zeigen und eigenes Engagement einbringen möchten. Wer die Arbeit unterstützen möchte, kann unter fluechtlingsreferat@kirche-muelheim.de Kontakt aufnehmen.

Flüchtlingsreferentin Annette Faßbender schildert in ihrem Synodenbericht die Geschichten einiger Menschen, die im vergangenen Jahr ihren Rat suchten:

Herr S. floh vor 22 Jahren als Siebenjähriger mit seinem Onkel aus dem Bürgerkrieg im Libanon. Bis heute kämpft er um seinen Aufenthalt, muss alle drei Monate seine sogenannte „Duldung“ verlängern und hat Angst mit seiner Frau und zwei Kindern abgeschoben zu werden. Er spricht perfekt Deutsch, ernährt seine Familie nahezu unabhängig von staatlicher Unterstützung und wünscht sich endlich Ruhe. Mehrere Rechtsanwälte haben über die Jahre gut an ihm verdient, ohne bei den Gerichten etwas Positives zu bewirken. Ihm wurde zum Vorwurf gemacht, dass sein Vater in der Türkei registriert war, er also türkische Passpapiere hätte erhalten können.
Seine Kinder besuchen sehr erfolgreich die Schule und mittlerweile hat er mit Hilfe des Flüchtlingsreferates unter Bezugnahme auf europäische Rechtsprechung einen aussichtsreichen

Familie N. aus Afghanistan, von deren Schicksal ich bereits in den letzten 2 Jahresberichten erzählt habe, wurde endlich nach beinahe zwei Jahren bangen Wartens als Flüchtlinge anerkannt.
(Die Akte kam nach oben zur Entscheidung, weil ich einen hochrangigen Beamten des Bundesamtes, der auf einer Tagung behauptet hatte, Entscheidungen ergingen maximal binnen neun Monaten, mit dem Schicksal dieser Familie konfrontiert habe. Plötzlich ging alles sehr schnell.)
Frau A. aus dem Iran ist als Flüchtling anerkannt und hat damit das Recht ihre Tochter nachziehen zu lassen. Leider hat sie die dreimonatige Antragsfrist versäumt. Das Flüchtlingsreferat verhandelt mit den Behörden, um doch noch einen Weg zu finden.

Frau C. aus Guinea ist als Flüchtling anerkannt und arbeitet. Sie macht sich große Sorgen um ihre in der Heimat verbliebene Tochter, der Genitalverstümmelung droht, was in Deutschland als Asylgrund anerkannt wird.

Familie J. aus Serbien und eine Vielzahl weiterer Romafamilien kommen zur Beratung ins Flüchtlingsreferat. Sie sind im Laufe des vergangenen Jahres eingereist und haben Asylanträge gestellt. Die Anträge werden als Folgeanträge gewertet, weil sie häufig als Kinder vor 15 bis 20 Jahren schon einmal in Deutschland waren. Damals waren sie mit ihren Eltern nach Serbien oder Mazedonien zurückgekehrt, nachdem sie zwei bis vier Jahre hier zum Beispiel in der Mintarder Straße in den Containern gewohnt hatten. Sie erzählen von massiven Benachteiligungen und Diskriminierungen bis zu tätlichen Übergriffen, die sie versuchen lassen eine bessere Lebenssituation nun für ihre Kinder zu suchen. Zu kritisieren ist das Handeln der Mülheimer Verwaltung, die teilweise mehrere Romafamilien in einer Wohnung unterbringt, mit der Begründung diese wollten vermutlich nur überwintern.

Herr K. aus Algerien, der von 1992-1998 als Asylbewerber in Mülheim lebte und scheiterte, ging nach Italien und erhielt dort einen Aufenthalt. Er blieb all´ die Jahre in Kontakt zum Flüchtlingsreferat, kehrte nach intensiver Beratung im Mai 2013 nach Deutschland zurück und arbeitet nun, nach Unterstützung bei der Erlangung einer Arbeitserlaubnis, am Bau der Fachhochschule in Mülheim mit.

Frau B. aus dem Irak lebt mit ihren drei Kindern hier in einer Asylunterkunft. Ihr Ehemann wurde in Italien als Flüchtling anerkannt. Es gelingt bis jetzt nicht die Familie in einem Land
zusammen zu führen. Seit mehr als zwei Jahren geht es hin und her zwischen den beteiligten Ländern und Behörden. Nach Intervention und Begleitung des Flüchtlingsreferates zeichnet sich allmählich ein gutes Ende für die Familie in Mülheim ab.

Familie A. aus Syrien erhielt nach beinahe zwei Jahren des Wartens die Aufforderung des Bundesamtes nach Italien zu gehen, weil sie dort europäischen Boden betreten haben. Die Familie (alleinerziehende schwer herzkranke Frau mit vier jugendlichen Kindern) legte Rechtsmittel ein, leider ohne Erfolg. Die Familie hat Mülheim verlassen. Zur Situation in Italien, wo viele Flüchtlinge selbst nach Anerkennung gezwungen sind auf der Straße zu leben: http://bordermonitoring.eu/2013/02/zur-situation-der-fluchtlinge-in-italien/

Herr A. aus Eritrea wohnt seit September 2013 mit sieben anderen jungen Männern in einer Wohnung in Styrum. Zwei kommen wie er aus Eritrea, die anderen aus Guinea. Alle hatten noch kein Interview beim Bundesamt, weil man dort mit der so genannten „Aktenanlage“ nicht mehr nachkommt. Neu vorsprechende Flüchtlinge werden momentan mit Bussen quer durch NRW gefahren, wenn sie in Bielefeld oder Dortmund vorstellig geworden sind, um einen Asylantrag zu stellen. Sie werden zum Beispiel in Hemer oder Schöppingen (ausgelegt für ca.300 Personen, momentan belegt mit 700) untergebracht, nach Dortmund zum Röntgen gefahren, zurück nach Hemer zum Essen, zur zum Beispiel Altersfeststellung nach Neuss… . Bei der Bezirksregierung Arnsberg, die unter anderem für die Zuweisung und Zusammenführung von Familien zuständig ist, ist telefonisch niemand zu erreichen, weil drei von vier Mitarbeitern krank sind. Akten sind unauffindbar; es ist nicht mehr klar, in welche Kommune Flüchtlinge zugewiesen worden sind; Bescheide mit Rechtsmittelfristen, von denen für die Flüchtlinge alles abhängt, kommen beim Bundesamt als unzustellbar zurück. Herr A. erzählte mir direkt beim ersten Besuch Anfang Oktober 2013, dass er eines seiner 22 Lebensjahre damit verbracht hat, über den Sudan, durch die Sahara, durch Libyen und dann übers Mittelmeer nach Europa zu gelangen, weil er sich hier Sicherheit erhofft. In seinem Heimatland Eritrea werden Männer und Frauen zwischen 20 und 45 Jahren zu jahrelangem Militärdienst gezwungen. Er bot mir Tee an. Der Fernseher lief und zeigte ununterbrochen Bilder von Leichensäcken auf Lampedusa. Den Toten soll post mortem die italienische Staatsbürgerschaft verliehen werden, die Überlebenden werden wegen illegaler Einreise angeklagt.
Herr A. strahlte mich an und fragte, ob ich Zucker in den Tee möchte und er hier zur Schule gehen kann. Ich dachte an die oben genannte Familie A. aus Syrien, die nach Italien zurück musste.

Herr A. aus Syrien (als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling vor fünf Jahren nach MH gekommen, mittlerweile anerkannt, in Ausbildung), hat seine vor acht Monaten aus Nordsyrien geflohenen Eltern und Geschwister nach sechs Monaten ohne Nachricht im Flüchtlingslager „Dormiz“ im Nordirak wiedergefunden. Er hatte über einen Cousin die Information erhalten, dass sie in den Irak geflohen sind und hat sich selbst vor zwei Monaten dorthin begeben. Durch einen Zufall hat er einen seiner Brüder in der Verwaltung des Camps getroffen, als er nach seiner Familie fragen wollte. Seit seiner Rückkehr versucht er einen legalen Weg zu finden seiner Familie in dieser Situation zu helfen, leider vergeblich. Deutschland hat sich bereit erklärt 5.000 Syrer aufzunehmen. Diese müssen als Flüchtlinge im Libanon beim UNHCR registriert sein. Die Familie von Herrn A. ist aber im Irak als Flüchtlinge registriert. NRW hat sich bereit erklärt, ein Kontingent von 1.000 weiteren Personen aus Syrien aufzunehmen, aber nur, wenn jeweils mittels so genannter Verpflichtungserklärung der Lebensunterhalt gesichert ist. Wie soll Herr A. dies mit seinem Lehrlingsgehalt machen? Auch die an drei Tagen vergeblich, weil dauerbesetzte, angerufene Hotline des Innenministeriums NRW hatte darauf keine Antwort.

 

 

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02.12.2013



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