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Sterben in Würde

Fragen gab es viele und keine Antwort war einfach – Krankenhausseelsorgerin Klaudia Schmalenbach war mit einem Themenabend zu Sterbehilfe und Palliativmedizin zu Gast in der Evangelischen Ladenkirche. 

Pfarrerin Schmalenbach in der Ladenkirche Pfarrerin Schmalenbach in der Ladenkirche

„Was wird einmal aus mir, wenn ich leiden muss? Wenn ich auf fremde Hilfe angewiesen bin? Mich in einer ausweglosen Lage befinde?“ Fragen und auch eigene Sorgen hatten die Zuhörerinnen und Zuhörer mit in die Ladenkirche gebracht. „Sterbehilfe contra Palliativmedizin?“, so hieß der Themenabend mit Krankenhausseelsorgerin Klaudia Schmalenbach, zu dem das Team der Evangelischen Ladenkirche eingeladen hatte. Das Fragezeichen in der Überschrift des Abends war bewusst gesetzt. Denn die gewünscht eindeutigen Antworten konnte Pfarrerin Schmalenbach oft nicht geben.

Stattdessen brachte sie die ein oder andere neue Perspektive aus ihrer Arbeit mit ein: „Letztlich ist es gar nicht so, dass sich so viele Menschen am Ende ihres Lebens konkret Sterbehilfe wünschen. Auch Viele, die der Gedanke an Suizid oder Sterbehilfe schon beschäftigt hatte, sagen mir später: ,Jetzt sehe ich das ganz anders‘“, berichtete Pfarrerin Klaudia Schmalenbach aus ihrem Arbeitsalltag. Sie ist Krankenhausseelsorgerin am Evangelischen Krankenhaus und begleitet dort regelmäßig Schwerkranke und Sterbende, auch die Arbeit im Ethikkomitee der Klinik ist Teil ihrer Aufgaben.

„Für viele ist allein das Wissen wichtig: Ich könnte gehen, wenn ich es wollte“, so Klaudia Schmalenbach. Dass Suizidgedanken längst nicht immer realisiert werden, zeigen Zahlen aus dem US-Bundesstaat Oregon, wo die Einwohner auf legalem Wege ein Rezept für Tod bringende Medikamente bekommen können. „Nur ein Drittel dieser Rezepte wird tatsächlich eingelöst“, so die Referentin. „Wir diskutieren das Thema Sterbehilfe zurzeit riesengroß“, so die Seelsorgerin, die auch dem Förderverein des Mülheimer Hospizes vorsitzt. „Dabei blenden wir einen großen Teil des Problems aus. Wir sollten uns vielmehr Gedanken darüber machen, was Schwerkranke und Sterbende wirklich brauchen.“ Insbesondere die Palliativmedizin biete Möglichkeiten, auch schweres Leid zu lindern.

Über die Möglichkeiten einer Patientenverfügung und einer damit verbundenen Vorsorgevollmacht waren einige Besucherinnen und Besucher schon gut informiert. Welche Möglichkeiten unter die auch jetzt schon erlaubte passive Sterbehilfe fallen, war indes weniger bekannt. „Nein, Sie müssen es nicht akzeptieren, wenn ihrem Angehörigen am Lebensende noch eine Magensonde gelegt werden soll“, klärte die Klinikseelsorgerin auf. Jeder habe das Recht, nicht gewünschte Behandlungen zu verweigern, auch wenn das die Lebenszeit verkürzt.

Auch die Haltung der evangelischen Kirche zum Umgang mit Suizid habe sich gewandelt. „Klaudia Schmalenbach: „Früher wurden Menschen, die sich das Leben genommen hatten, noch außerhalb der Friedhofsmauern beerdigt. Heute haben wir eine andere Einstellung. Wir erkennen an, dass diese Menschen keinen anderen Ausweg für sich gesehen haben, wir möchten auch den äußerst Verzweifelten Begleitung anbieten, anstatt über sie zu richten.“ Den Besucherinnen und Besuchern in der Ladenkirche erzählt sie von einem sehr kranken Mann, den sie begleitet und schließlich beerdigt hat. Er hatte sich zum Suizid entschlossen und das auch in die Tat umgesetzt. Seine Familie wollte er schützen, sie hat von der Ursache seines Todes nichts erfahren.

Die in der aktuellen politischen Diskussion auch geforderte Möglichkeit zur legalen aktiven Sterbehilfe bzw. dem assistierten Suizid sieht die Mülheimer Pfarrerin kritisch. „Ich sehe die Gefahr, dass dann ein Dammbruch geschieht. Was ist, wenn Sterbehilfe in der Gesellschaft selbstverständlich wird? Das übt doch einen großen Druck auf alle aus, die alt oder krank sind und möglicherweise auf fremde Hilfe angewiesen. Sollen die sich dann fragen: ,Müsste ich nicht auch?‘“

Die vielen Fragen, die das Thema aufwirft, sind in jedem Fall persönlich. Das zeigte deutlich auch der Themenabend in der Ladenkirche, der auch nach dem Vortrag und der anschließenden Gesprächsrunde lange nicht vorbei war. 

 

 

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ala / 16.03.2015



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