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Kirchenkreis An der Ruhr

"Theologie, die sich verantwortet im Gespräch dieser Welt"

Ein doppeltes Jubiläum feiert der Mülheimer Theologe Prof. Dr. Ulrich Kellermann in diesen Tagen: 50 Jahre Ordination und 15 Jahre Biblisches Lehrhaus.

Prof. Dr. Ulrich Kellermann LupeProf. Dr. Ulrich Kellermann

Das Größere der beiden Jubiläen ist das 50. Ordinationsjubiläum. Seit einem halben Jahrhundert ist Ulrich Kellermann von der Evangelischen Kirche im Rheinland als Pfarrer mit der Verkündigung und mit der Verwaltung der Sakramente beauftragt. Das kleinere der beiden Jubiläen hat nicht zuletzt dazu beigetragen, dass Kellermann (79) den Mülheimerinnen und Mülheimern auch lange nach seiner Zeit als Holthausener Pfarrer bekannt ist: Seit 15 Jahren lädt er regelmäßig ins „Biblische Lehrhaus“ ein, zuerst in den Räumen des Evangelischen Krankenhauses, und nunmehr seit 2008 in der Evangelischen Ladenkirche an der Kaiserstraße.

„Ein Christentum, das die Bibel nicht mehr liest, kann einpacken“, findet der pensionierte Pfarrer und Hochschullehrer Kellermann. „Gotteskraft“ findet er in seiner täglichen Lektüre, auch regelmäßige eigene Übersetzungen aus den alten Sprachen gehören für ihn dazu. Im Biblischen Lehrhaus erfahren die Zuhörerinnen und Zuhörer das, was der Theologe zu Beginn seines Studiums selber als „befreiend“ erlebte. „Glaube und Verstand müssen kein Widerspruch sein. Ich muss keine intellektuellen Opfer bringen, um glauben zu können.“ Die biblischen Erzählungen über Jungfrauengeburt und Auferstehung seien mit wissenschaftlicher Methode allein nicht zu erschließen: „Da geht der Glaube über den Verstand hinaus“.

Die Vorträge, die alle zwei Monate in der Evangelischen Ladenkirche stattfinden, „unterscheiden sich im Stil nicht von dem, wie ich auch an der Uni gelehrt habe“, findet Ulrich Kellermann. Von 1970 bis 1992 hatte er einen Lehrauftrag an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal inne, habilitierte 1975 und wurde 1980 zum Professor für Altes Testament in Münster ernannt. Das Interesse an theologischer Auseinandersetzung ist es, das dem Biblischen Lehrhaus auch nach 15 Jahren noch regen Zulauf beschert. „Die Leute im Lehrhaus erhoffen sich kein Mehr an Frömmigkeit, aber ein Mehr an historisch-kritischer Auslegung“, so der Referent. Historisch-kritisch, so sei die Bibel zu lesen: zunächst im Kontext ihrer Entstehungszeit, um den Text dann in seine Aussage für das Hier und Jetzt zu übertragen.

„Wer die Bibel liest, kann sich immer wieder überraschen lassen“, sagt der Theologe. Handwerk der Pfarrerinnen und Pfarrer sei es, die überraschenden Schätze stets aufs Neue zu heben. Die größte Überraschung, die Kellermann selber erlebte, betraf sein Verständnis über das Miteinander von Christen und Juden: „Da wurden meine Ansichten ganz schön auf den Kopf gestellt.“ Im Dialog mit dem Judentum habe er viel dazugelernt, erinnert sich Ulrich Kellermann. „Heute sehe ich die Beziehung der Religionen als Mutter-Tochter-Verhältnis. Wir Christen tragen die Wurzeln des Judentums immer in uns.“ Die Judaistik wurde zu einem Schwerpunkt seiner Forschung und Lehre. „Da schlägt mein Herz“ sagt der Professor im Unruhestand.

Kellermann ist begeisterter Theologe. „Man kann ohne Theologie auch Christ sein“, räumt er ein, „aber man kann sich kaum verantworten im gesellschaftlichen Gespräch dieser Welt.“ Sein Antrieb Theologie zu studieren, war jedoch weniger intellektuell geprägt. „Ich hatte einen tollen Religionslehrer auf dem Gymnasium in Wuppertal. Der sagte mir, ich solle Pfarrer werden“. Der Schüler Ulrich Kellermann fühlte sich persönlich berufen. „Man braucht Vorbilder, charismatische Menschen, die einen für den Glauben begeistern“, findet er. Der charismatische Religionslehrer aus Wuppertal war auch derjenige, der den fünf Jahre älteren Schüler Johannes Rau unterrichtete.

Um heute Menschen für den Glauben zu begeistern, „wäre es toll, wenn die Pfarrer noch intensive Bezirksarbeit machen könnten, die Gemeindemitglieder regelmäßig besuchen gingen.“ Auch für die Kirche der Zukunft findet der Pfarrer im Ruhestand es wichtig, dass die Gläubigen keine weiten Wege zurücklegen müssen, um einen Gottesdienst zu besuchen. „Die Menschen müssen die christliche Gemeinschaft in ihrer Nachbarschaft erleben können.“ Für die Bewohner der Seniorenstifte in Raadt und im Dichterviertel hält Kellermann noch regelmäßig Gottesdienste. Dass die Kirche als Organisation schrumpfen müsse, schreckt den 79-Jahrigen nicht: „Gott wird Wege finden, seine Sache an den Mann zu bringen.“

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ala / 13.05.2015



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