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für den 25.07.2016

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Ev. Ladenkirche

Sensibler Geist und polternder Prediger

Um dem Lebensweg des Reformators nachzuspüren, waren rund 30 Gäste in die Ladenkirche gekommen, zum Martin-Luther-Abend mit Referentin Doris Planz-Krohn.

Doris Planz-Krohn Doris Planz-Krohn

Doris Planz-Krohn zeichnete den Lebensweg eines „sensiblen und nachdenklichen, aber manchmal geradezu getriebenen und gewiss wortmächtigen“ Mannes aus Mansfeld (heute: Sachsen-Anhalt) nach, der später zum bekannten Reformator wurde. Doris Planz-Krohn lud die Gäste in der Ladenkirche ein, „das Zeitrad 500 Jahre zurückzudrehen“ und schilderte die Kindheit Luthers mit seinen eigenen Worten: „Meine Eltern haben mich in strengster Ordnung gehalten“. Furcht und Prügel prägten die Kindheit des jungen Martin, eine wirkliche Vertrauensperson hatte er nicht. Seine Mutter „war keine Frohnatur“ und sang „traurige Lieder“, während der Vater vom einfachen Hauer im Bergbau zum Betreiber von Kupferminen aufstieg.

Die Rennaisance bot Chancen für solche Aufsteiger aus dem Bürgertum, für Martin Luther war es jedoch eine Kindheit in relativer Enge. Gott konnte sich Luther zu dieser Zeit wohl nur als zornigen Richter vorstellen, jedenfalls war er für den jungen Luther die „oberste Instanz in einer Folge strenger Autoritäten.“ Der Teufel war zudem stets anwesend in Luthers Kinderstube. - Für das 2013er Publikum in der Ladenkirche eine nahezu absurde Idee. Vorstellungen, die die Familie Luder, wie sie sich zu dieser Zeit nannte, in Mark und Bein erschütterten, lösen in der Ladenkirche leises Kichern aus. „Hatte Martin Luther vielleicht von seiner Mutter seine Teufelsfurcht?“, fragt Referentin Doris Planz-Krohn. Ohne diese Furcht jedenfalls, so sollte es später der Psychoanalytiker Erik Erikson sagen, wäre Luther nie zu seiner Abgründigkeit und Tiefe gelangt.

Für musikalische Begleitung sorgte Andreas Gutmann. Für musikalische Begleitung sorgte Andreas Gutmann.

Luthers Lebensgefühl wandelt sich mit dem Schulbesuch in Eisenach. Er fand Anschluss bei einer mit der Familie befreundeten Patrizierfamilie, bei der er einquartiert wurde. Den Lebensunterhalt verdiente er sich mit Singen. Es war nicht unüblich, dass die (Sing)Schüler so von Tür zu Tür zogen. Auch später im Studium fand Luther Erholung beim Laute spielen: „Es geht mir das Herz über vor Dankbarkeit gegen die Musik.“ Zwei Luthertexte zum Mitsingen hatte Doris-Planz-Krohn mit in die Ladenkirche gebracht. Begleitet von Andreas Gutmann am Klavier unternahmen die Ladenkirchenbesucher singend einen musikalischen Ausflug in Luthers Zeit.

„Beim studieren, diskutieren und argumentieren war Luther in seinem Element“, schilderte Doris Planz-Krohn. Luther saugte in Erfurt den kritischen Geist der dortigen „Königsdisziplin“ Philosophie auf – und bekam in der Universitätsbibliothek zum ersten Mal eine Bibel in die Hand. Das war in der Zeit zwischen 1501 und 1505, als etwa zehn Prozent der Ortsbevölkerung lesen konnte und Neuigkeiten in der Regel auf dem Marktplatz ausgetauscht wurden. Seine Grundausbildung an der „Artistenfakultät“ schloss der 22-Jährige Luther mit Bravour ab. Danach sollte sich auf Wunsch des Vaters die höhere Ausbildung in der Jurisprudenz anschließen. Luther nahm das Studium auch auf, doch das währte nicht lange. Auf einem Heimweg von Mansfeld nach Erfurt wurde er vom Blitzschlag überrascht und schwor der heiligen Anna, Mönch zu werden. Sein Vater war darüber stocksauer, aber letztlich machtlos.

Im Kloster machte Mönch Luther quasi Karriere. Hier wähnte er den richtigen Ort, um sich mit Bußübungen mit Gott zu versöhnen. Schnell wurde er zum Priester geweiht und zum Studium nach Wittenberg entsandt. Die Promotion und eigene Lehrtätigkeit folgten.

Wann der Wendepunkt kam, an dem der Gelehrte zum Reformator wurde, ist nicht gewiss. Vielfach überliefert ist das „Turmerlebnis“, auf das sich auch Doris Planz-Krohn in ihren Ausführungen in der Ladenkirche bezog. Beim Meditieren im Turmzimmer soll Luther die Erleuchtung gespürt haben: Gottes Gerechtigkeit kommt „allein aus der Gnade“ („sola gratia“).

Immer mehr schien Luther der damals übliche Weg des Ablasshandels als zu oberflächlich, um sich die Gnade des Herrn zu verdienen. Der Ablass machte Gottes Liebe „billig zu haben“, nämlich ohne echte Reue – und nahm gleichzeitig bizarre Formen an. Sogar für Tote und für noch gar nicht begangene Sünden, quasi auf Vorrat, wurde Ablass erkauft, so schilderte es Referentin Planz-Krohn.

Etwas musste geschehen. „Luther wollte eine öffentliche Diskussion, die Theologen sollten darlegen, wozu der Ablass gut war“, führte die Referentin in der Ladenkirche aus. Und verschwieg auch nicht die Zweifel an der historischen Wahrheit des Thesenanschlags. „Stattdessen schrieb Luther wohl einen Brief an die Kirchenoberen und schickte auch Kopien der Thesen an Freunde, die diese Botschaft dann unter das Volk brachten.“ Nicht ohne Folgen für den Mönch, wie sich später herausstellen sollte. Er wurde nach Rom zitiert und vor den Reichstag zu Worms, schließlich exkommuniziert.

„Einen Mosaikstein zum eigenen Bild von Martin Luther hinzufügen“ – das war es, wozu Doris Planz-Krohn in der Ladenkirche eingeladen hatte. Nicht Kirchengeschichte, sondern ein eine persönliche Lebens-Geschichte wurde dabei lebendig. Für die Besucherinnen und Besucher füllte sich an dem Abend in der Ladenkirche der Weg Martin Luthers vom schüchternen Schulkind zum wortgewaltigen Reformator lebendig mit Geschichte und Geschichten.

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06.09.2013



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