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"Neigungsfachkurs" Religion

Theologie, die mutig macht

Schule hat wieder begonnen, Religionsunterricht hat wieder begonnen. Und so erzählen wir eine Geschichte über Lehrerinnen und Lehrer, die sich für "Reli" fit machen - weil Glaube nicht wie Mathe ist.

Zum Beispiel mit symbolischen Händen: Plakat für einen Unterrichtsentwurf, entstanden im Neigungsfachkurs Religion. Zum Beispiel mit symbolischen Händen: Plakat für einen Unterrichtsentwurf, entstanden im Neigungsfachkurs Religion.

Religion ist ein Mangelfach an vielen Schulen in NRW. Deshalb bieten die Schulreferate der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) unter dem Stichwort "Neigungsfachkurs" niedrigschwellige Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen an. "Mathematik kann man vermitteln, aber Glauben nicht, dem muss man ganz anders Raum geben, damit er erfahrbar wird," meint Grundschulleiterin Elsbeth Peters von der Herderschule in Essen-Frohnhausen. Die 59-Jährige ist eine von neun Teilnehmerinnen aus den beiden Kirchenkreisen Essen und An der Ruhr in Mülheim/Ruhr, die nach der Teilnahme an einem "Neigungsfachkurs" in einem feierlichen Gottesdienst kurz vor den Sommerferien ihre Vokation erhielten: die kirchliche Lehrerlaubnis für den Religionsunterricht.

"Das Tolle an dieser Ausbildung ist, dass man sich erstmal mit seinen eigenen existenziellen Glaubensfragen auseinandersetzt und viel Theologie betreibt, damit man dann mit den Kindern besser darüber reden kann", meint Elsbeth Peters zu ihrer gut eineinhalbjährigen berufsbegleitenden Fortbildung. "Was ist, wenn ich tot bin, wo komme ich her, warum gibt es das Böse in der Welt? Mit all diesen Fragen muss man sich selbst erstmal auseinandersetzen," erzählt die Pädagogin, die früher schon etliche Jahre katholische Religion unterrichtet hat. Bevor sie aus der katholischen Kirche austrat und später evangelisch wurde. "Jetzt freue ich mich mit der Vokation wieder unterrichten zu dürfen."

Die Schulreferenten Dietmar Klinke (l.) aus Essen und David Ruddat aus Mülheim / Ruhr begleiten die Neigungsfachkurse Religion. Die Schulreferenten Dietmar Klinke (l.) aus Essen und David Ruddat aus Mülheim / Ruhr begleiten die Neigungsfachkurse Religion.

Ebenso wie Peters haben auch alle anderen Absolventinnen beim "Neigungsfachkurs Evangelische Religion", wie es offiziell heißt, eine sehr persönliche Motivation - oder Neigung eben -, den Kurs zu absolvieren. Und damit je nach Schulform wie Primarstufe, Sekundarstufe oder Förderschule insgesamt 130 bis 170 Unterrichtsstunden zu machen, die auf Nachmittage und Wochenenden verteilt sind. "Manche wissen sich schon in ihrem Glauben gegründet, andere wollen eine Art Selbstvergewisserung, bevor sie den Kindern davon etwas weitergeben, oder sie sind selbst für sich noch auf der Suche", beschreibt der Essener Schulreferent Pfarrer Dietmar Klinke die unterschiedlichen Motive.

Für ihn und seinen Kollegen Pfarrer David Ruddat vom Kirchenkreis An der Ruhr, die den Kurs gemeinsam konzipiert und realisiert haben, war vor allem das Abschlusskolloquium zum Schuljahresende bewegend. Dabei wurden die gemeinsam entwickelten Unterrichtsentwürfe vorgestellt und es wurde deutlich, wie aus Unsicherheit und vielen Fragen neue Antworten und Ideen entstanden waren.

Tor zum Himmel

"Früher habe ich Ethik unterrichtet, jetzt gebe ich wirklich Religion", zitiert Ruddat eine Absolventin. In ihrem Unterrichtsentwurf unter dem Titel "Das Tor zum Himmel" habe sie mit vielen kreativen Ideen Fragen über das Geheimnis des Lebens, den Tod und ein mögliches Leben danach aufgeworfen. "Viele sind viel mutiger geworden, das hat mich total beeindruckt," meint Ruddat, der in den letzten 20 Monaten zum ersten Mal einen Neigungsfachkurs begleitet hat.

Dietmar Klinke dagegen, der seit 2006 Schulreferent in Essen ist, bietet Neigungsfachkurse Religion, die in der rheinischen Kirche eine jahrzehntelange Tradition haben, schon länger an. "Das ist ein niedrigschwelliges Angebot, das aus dem Mangel entstanden ist. Unsere Absolventen sollen ja die examinierten Lehrerinnen nicht ersetzen, sondern nur gewährleisten, dass auch dort Religionsunterricht gegeben wird, wo er sonst einfach ausfallen würde", erläutert er das Konzept.

"Das ist sozusagen eine Serviceleistung, die wir gegenüber dem Staat übernehmen." Voraussetzung für die Teilnahme ist deshalb auch, dass es an der jeweiligen Schule einen Bedarf gibt und die Kursteilnehmenden vor Ort eine feste Stelle haben.

Nicht unattraktiv

Als Hintergrund für den Lehrermangel im Fach Religion sieht Klinke die zunehmende Säkularisierung und den Traditionsabbruch. "Religion ist nicht unattraktiv, aber viele junge Erwachsene sind nicht mehr mit Kirche und Glauben aufgewachsen, deshalb wählen sie es im Studium auch nicht als Unterrichtsfach", so seine Erfahrung.

Außerdem seien naturwissenschaftliche Fächer oder Sprachen für die Karriere förderlicher. Beide Schulreferenten berichten aus ihren Kirchenkreisen in Essen und Mülheim, dass es nur wenige Schulen gebe, an denen alle laut Stundentafel vorgesehenen Stunden tatsächlich auf dem Unterrichtsplan stünden.

Rege Nachfrage

Neben dem Neigungsfachkurs betreut dasSchulreferat in Essen auch die von der Bezirksregierung angebotenen staatlichen Zertifikatskurse. Sie sind mit deutlich höherem Aufwand, festem Studienprogramm und stundenweiser Freistellung durch die Schulen verbunden, am Ende dürfen die Absolventen aber auch mehr Unterrichtsstunden machen. "Das wäre dann ein Update und eine Aufwertung gegenüber dem kirchlichen Angebot", meint Klinke, der selbst zu Beginndes neuen Schuljahres wieder einen Zertifikatskurs anbietet.

Und von reger Nachfrage berichtet: "Der ist mit 17 Teilnehmenden aus dem gesamten Rheinland schon jetzt voll." Außerdem gebe es derzeit in der EKiR eine Diskussion darüber, ob die anspruchsvolleren Zertifikatskurse die niedrigschwelligen Neigungsfachkurse einmal ganz ablösen sollen, in Köln sei das bereits der Fall.

Von Gottes Segen sprechen

Für die Teilnehmerinnen des jüngsten Neigungsfachkurses in Essen und Mülheim dagegen geht es jetzt im neuen Schuljahr erstmal darum, ihre neuen pädagogischen und didaktischen Kenntnisse und Ideen umzusetzen. "Bei dem Kurs habe ich auch für mich selbst viel gelernt", sagt etwa Helena Tavares-Rumpf aus Mülheim, die in einer freikirchlichen Gemeinde beheimatet ist.

Sie freut sich darauf, vielleicht nicht immer auf alles eine Antwort zu haben, aber auf jeden Fall ihre Schülerinnen und Schüler "auf die religiösen Seiten des Lebens aufmerksam zu machen und ihnen zu vermitteln, dass Gott sie segnet und sie dadurch zu sich selbst und neuem Selbstwertgefühl finden können". Die Idee dazu hatte sie schon länger, die theologische Grundlage aber hat erst der Neigungsfachkurs geliefert, ebenso wie die Sicherheit, fachlich qualifiziert über Glaubensfragen zu reden.

 

ekir.de / Bettina von Clausewitz / Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de / 23.08.2012



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