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Neujahrsempfang 2014

Den Friedens-Spagat schaffen

Um das Fremd-Sein, "Fremd-Bilder" und Herausforderungen des friedlichen Zusammenlebens ging es in der Ansprache von Superintendent Hitzbleck und dem Gastvortrag von Dr. Frank Reuter über Antiziganismus beim diesjährigen Neujahrsempfang. 

Superintendent Helmut Hitzbleck Superintendent Helmut Hitzbleck

Einen gerade sehr aktuellen Appell zum Zusammenleben richtete Superintendent Hitzbleck in seiner Ansprache auch an die Gäste des Kirchenkreis-Neujahrsempfangs. „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“ (Röm 15,7) heißt es in der Jahreslosung für das mit dem 1. Advent beginnende neue Kirchenjahr. Superintendent Hitzbleck erinnerte an die Zuwanderungsgeschichte der Region. Daran, dass viele der heute im Mülheim Heimischen Eltern und Großeltern haben, die nach dem Krieg als Vertriebene eine neue Heimat suchten und fanden. Im Hinblick auf die Menschen, die aktuell in Mülheim Zuflucht suchen, rief er dazu auf, sich auf das Zusammenleben einzulassen und den Frieden zu suchen.

„Gott erwartet von uns, dass wir uns auf den Spagat des Zusammenlebens einlassen“, so Superintendent Hitzbleck. „Das ist nicht immer einfach und es dauert eine Weile, bis man sich aufeinander einstellt. Aber dort, wo das Zusammenleben gelingt, unterstreicht es Gottes Menschenbild. Gott erwartet und erhofft von den Menschen, dass sie in Frieden zusammen leben.“ Wichtig sei, sich selber nicht auf ein hohes Ross zu setzen. „Niemand, der hier herkommt, hat es wirklich leicht. Viele der Flüchtlinge haben sich auf Wege begeben, die freiwillig kein Mensch nehmen würde. Hierher kommen sie in der Hoffnung auf Hilfe. Insofern könnte kaum ein Vers für die Jahreslosung treffender sein: Ich hoffe, auch wir werden Wege finden, uns so anzunehmen wie Christus uns angenommen hat“.

Dr. Frank Reuter Dr. Frank Reuter

Mit dem „Bann des Fremden“, beschäftigte sich auch der Gastredner des Neujahrsempfangs. Um Antiziganismus in der Fotografie ging es im Vortrag von Dr. Frank Reuter vom Dokumentations- und Kulturzentrum deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. „Es gibt wohl kaum eine Minderheit, bei der Selbst- und Fremdbild soweit auseinanderklafft“, postulierte Reuter und belegte seine These anhand zahlreicher Fotografien – die, teils klischeehaft inszeniert, die Vorstellung Vieler über Sinti und Roma prägen.

Pferdewagen und Lager mit Strohballen, Geigenmusik und Wasserpfeifen sind „Attribute des Fremden“, die sich auf vielen Fotografien wiederfinden, die Frank Reuter den Gästen des Neujahrsempfangs zeigte. „Auch für viele Pressefotos gilt: Wir finden die Bilder, die wir finden wollen“, führte Dr. Reuter aus. Besonders journalistische Fotografie erwecke den Anschein, Realität abzubilden, dabei werde oft eine konstruierte Wahrheit präsentiert. Außerdem wurde und wird das Exotische in Szene gesetzt, um Auflagen in die Höhe zu treiben. Sei es bei zu Tausenden gedruckten erotischen Postkarten mit „verführerischer Zigeunerin“ aus dem 1930er Jahren oder in aktuellen Fotostrecken aus Frauenzeitschriften, die den trendigen „Gipsy-Look“ präsentieren – mit Models, die sich vermeintlich stilecht um einen parkenden Mercedes gesellen.

„Ich habe viele Sinti und Roma kennen gelernt, die heute noch ihre eintätowierte Nummer aus dem KZ mit sich tragen und nicht mehr lachen können“, berichtete Frank Reuter, „daher kann ich die Klischeebilder vom fröhlich singenden und tanzenden ,Zigeuner‘ kaum ertragen.“ An die Grenze des Erträglichen gingen auch die von den Nationalsozialisten zu Dokumentationszwecken erstellen Aufnahmen, die der Referent dem Mülheimer Publikum mitgebracht hatte: Sinti und Roma, deren Gesichtsproportionen als „Forschungsobjekte“ vermessen wurden und ausgehungerte Kinder, die im Konzentrationslager zum Objekt von „Experimenten“ wurden.

Ganz anders hingegen die Fotografien, die der Referent auch mitbrachte und in denen sich Sinti und Roma zeigten, wie sie gesehen werden wollten: als Hochzeitsgesellschaft, als Inhaber eines Handwerksbetriebes oder als Familie. „Nur die Bilder von Menschen wie ,dir und mir‘“, so Frank Reuter, „die verkaufen sich halt schlecht.“

Ella Braun Ella Braun

Für die meisten Gäste des Neujahrsempfangs waren die Bilder von Sinti und Roma Bilder aus einer tatsächlich „fremden“ Welt – auch wenn Angehörige dieser Minderheit seit mehreren hundert Jahren in Deutschland leben. Eine von ihnen ist Ella Braun, Sintessa aus Mülheim, sie war als besonderer Gast ins Haus der Evangelischen Kirche gekommen. Ella Braun berichtete von ihrer Kindheit, die sich in den 50er Jahren in Saarn „am Rande der Gesellschaft“ abspielte, obwohl das Mädchen Ella zur Schule ging und den Kommunionunterricht besuchte wie die Klassenkameraden auch. „Ich habe von außen in deren Häuser geguckt, aber konnte nicht mit ihnen spielen. Ich war traurig, weil ich keine Freunde hatte“, blickte Ella Braun zurück. „Bleiben Sie engagiert – gegen Ausgrenzung!“, rief sie die Festgäste auf.

 

 

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26.11.2014



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