Termine
Sonntag, 11.12.2016 12:00 Uhr
Mülheim an der Ruhr
Petrikirchenhaus, Pastor-Barnstein-Platz 2
und sonst
Büchercafé Las Torres
Sonntag, 11.12.2016 17:00 Uhr
pic
Mülheim an der Ruhr
Musik
Adventskonzert in der Immanuelkirche
Mittwoch, 14.12.2016 16:00 Uhr
Mülheim an der Ruhr
Petrikirchenhaus, Pastor-Barnstein-Platz 2
und sonst
Büchercafé Las Torres
mehr
Gottesdienste

Jeden Sonntag und an vielen anderen Tagen wird in den Gemeinden Gottesdienst gefeiert. Die nächsten Termine finden Sie hier.

mehr
Kirchengemeinden
Kirchengemeinden mehr
Losung

für den 11.12.2016

Ich will die Zerstreuten sammeln und will sie zu Lob und Ehren bringen in allen Landen, wo man sie verachtet.

Zefanja 3,19

mehr
Service

Kirchenmusik

Zu den Orgeln radeln

Hinradeln, hinhören, hinsehen - und die Einzigartigkeit der Instrumente entdecken. Dazu lud die „Orgelradtour“ musikinteressierte Mülheimer und Oberhausener ein.

Auf dem Weg zur Saarner Dorfkirche Auf dem Weg zur Saarner Dorfkirche

Bei genauerem Hinhören und Hinsehen wird es dem einen oder anderem sicherlich schon aufgefallen sein: Jede Orgel ist einzigartig. Bei einer Fahrradtour der besonderen Art tauchten am vergangenen Samstag die Teilnehmer der „Orgelradtour“ in die faszinierende Welt der Orgel und ihrer Geheimnisse ein.

Die sportliche Entdeckungsreise führte zu sehens-und höhrenswerten Orgeln in Oberhausen und Mülheim. Unter anderem machten die 19 gut gelaunten Zweiradfahrer an der Petrikirche und der Saarner Dorfkirche Halt.

Auf dem Kirchenhügel erwartete Gijs Burger, Hausorganist der Petrikirche, die Gruppe. Zunächst weihte er sie in die Geschichte und die Besonderheiten der „Schuke-Orgel“ ein. Erbaut wurde diese von 1955 bis 1959 von der Berliner Orgelwerkstatt Karl Schuke nach den Vorstellungen und Plänen des damaligen Kirchenmusikdirektors Siegfried Reda. Als dieser 1953 in der Petrikirche zum Kirchenmusikdirektor ernannt wurde, war er der festen Überzeugung, dass sich die Kirchenmusik nach dem Zweiten Weltkrieg in ein Ghetto eingemauert habe. Er versuchte wieder Anschluss an die neue Musik zu finden. Mit wie viel Herzblut und Leidenschaft er dieses Vorhaben beim Bau der Orgel verfolgte, lässt sich noch heute hören und sehen. Mit ihren 59 Registern zählt die Orgel der Petrikirche zu einer der Besten der Nachkriegszeit. Heute steht sie wegen ihrer herausragenden Intonation und Klangqualität sogar unter Denkmalschutz.

Spieltisch der Schuke-Orgel in der Petrikirche Spieltisch der Schuke-Orgel in der Petrikirche

Von dem einmaligen Klang des hochexpressiven und gravitätischen Instruments konnte man sich während einer Kostprobe des eigens von Reda zu einer Orgelversion umkomponierten Werkes „O Traurigkeit, o Herzeleid“ überzeugen. Mühelos erfüllten die ersten Töne des Choralkonzertes die Petrikirche. Ein zunächst weicher, fast schwereloser Klang breitete sich im Raum aus, gefolgt von hartnäckigen Wiederholungen und lauten Passagen, die Trauer spüren ließen. Wie ein majestätisches Band legte sich die Melodie um die begeisterten Zuhörer. Immer wieder ertönten neue Klangfarben und Tonhöhen, die die Geschichte von der Grablegung Christi und dessen Leidensweg erzählen. „Es ist faszinierend, dass man mit einer Orgel einen Orchesterklang mit ganz verschiedenen Instrumenten erzeugen kann. Von Flöten über Posaunen bis hin zu Trompeten, das ist wirklich sehr interessant“, kommentiert eine Teilnehmerin die Klangerlebnisse.

Nach einer kleinen Stärkung lauschten und bestaunten die Orgelinteressierten die Orgel der katholischen Nachbarkirche auf dem Kirchenhügel, St. Mariae Geburt. Beschwingt von den schönen Klängen der beiden Orgeln folgte eine längere Fahrradetappe durch die Natur. Vorbei am Wasserbahnhof und der Kassenbergbrücke ging es bei schönem Wetter entlang der Ruhr Richtung Saarn. Dort stand ein kleiner Abstecher zur Eisdiele an, um sich bei einer Tasse Kaffee und einem Eis zu entspannen und über das Erlebte auszutauschen.

Nicht nur in die Pedale treten, sondern auch in die Tasten greifen durften die Teilnehmenden der Orgelradtour. LupeNicht nur in die Pedale treten, sondern auch in die Tasten greifen durften die Teilnehmenden der Orgelradtour.

Als Letztes war die Besichtigung der „Van Rossum-Orgel“ in der Saarner Dorfkirche an der Reihe. Mit Staunen betrachteten die begeisterten Teilnehmer die Orgel in barockem Stil. Mit gerade mal 18 Registern ist sie vergleichsweise klein. Nachdem ihr die ersten Töne entlockt wurden, herrschte aber schnell Einigkeit darüber, dass sie eine sehr klare, helle und edle Klangfülle besitzt. Bertold Seitzer, Kirchenmusiker in der Lukasgemeinde und Kreiskantor des Ev. Kirchenkreises An der Ruhr, erläuterte: „Jede Orgel hat ihren ganz eigenen Charakter und erst wenn eine nahezu grenzenlose Harmonie zwischen Orgel und Organist besteht, kann sie ihre ganze Pracht entfalten.“

Jede Orgel ist ein Unikat, denn sie wird speziell auf den Kirchenraum abgestimmt, um einen optimalen zu erzeugen. In der Dorfkirche waren schon viele Orgeln zu Hause, aber eins blieb stets beim Alten – das barocke Gehäuse aus dem Jahre 1790. Dieses Gehäuse, auch Orgelprospekt genannt, hielt mit der aller ersten Orgel um 1854 Einzug in die Kirche. Die Orgel war ein gebrauchtes Exemplar, das einst der Orgelbauer Franz Joseph Epmann aus Recklinghausen angefertigt hatte. Mehrere Male musste das Orgelwerk erneuert werden, wobei immer darauf geachtet wurde eine Orgel in das historische Gehäuse zu setzen, die der zentralen Stellung der Orgel in der Liturgie und dem Wert der Kirche gerecht wurde. Die heutige Orgel wurde von der niederländischen Orgelbauwerkstatt Hans van Rossum angefertigt und lässt viele Einflüsse aus der barocken Orgelbaukunst im Rheinland und Westfalen erkennen. Seit Juni 2009 ist sie nun in Betrieb und verzaubert ihre Zuhörer mit der speziellen Barockliteratur.

Mit den Klängen der „Van Rossum-Orgel“ im Ohr machten sich die orgelbegeisterten Radler am Ende eines gelungenen und aufschlussreichen Tages auf den Heimweg. Und eins ist sicher, nach dieser Radtour gibt es ein paar Orgelkenner mehr. Wer sich selbst einmal von den einzigartigen Klängen der Orgeln verzaubern lassen möchte, kann zum Beispiel beim Orgelfestival Ruhr am Sonntag, 29. Juni, und 10. August jeweils um 18 Uhr den Orgelkonzerten in der Petrikirche lauschen. Weitere Informationen: http://www.orgelfestival-ruhr.de/

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

Text und Fotos: Hannah-Catharina Esser / 23.06.2014



© 2016, Evangelischer Kirchenkreis an der Ruhr
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung