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für den 22.07.2018

Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse; wir aber denken an den Namen des HERRN, unsres Gottes.

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Initiative Pskow

Russischer Engel mit Mülheimer Flügeln

Am 22. Juni jährt sich der Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion von 1941. Die Rheinische Kirche suchte um Versöhnung nach. Entstanden ist das heilpädagogische Zentrum in Pskow und ein Hoffnung bringender Holzengel, der auch in Mülheim bekannt ist.

Der Engel aus Pskow nach einem Entwurf von Jochen Leyendecker (Mülheim) wird in einer Werkstatt von Menschen mit Behinderung hergestellt. (Foto: EKiR) Der Engel aus Pskow nach einem Entwurf von Jochen Leyendecker (Mülheim) wird in einer Werkstatt von Menschen mit Behinderung hergestellt. (Foto: EKiR)

Seit mehr als 25 Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen der Evangelischen Kirche im Rheinland und Pskow. Am Anfang des Prozesses stand 1991, fünfzig Jahre nach dem Überfall auf die Sowjetunion, der Besuch einer Delegation der rheinischen Kirche in der russischen Stadt. Die rheinische Landessynode hatte beschlossen, einen entsprechenden Schritt zur Versöhnung mit der damaligen UdSSR zu gehen. „Wir kamen mit bangem Herzen nach Russland, um Vergebung zu erbitten“, erinnert sich Oberkirchenrat i. R. Klaus Eberl, der für seine Verdienste die Ehrenbürgerschaft der Stadt erhalten hat. „Wir erwarteten Misstrauen. Aber wir wurden mit offenen Armen empfangen.“

Verbindungen nach Mülheim

Weil dem Wort der Landessynode Taten folgen sollten, entstand in den folgenden Jahren in der russischen Stadt auch Dank großen Engagements aus dem Rheinland, un der dazu gegründeten "Initiative Pskow" eine russlandweit einzigartige Behindertenarbeit. Kern des Engagements in Pskow ist das Heilpädagogische Zentrum (HPZ). Hier lernen Mädchen und Jungen mit geistigen und schwerstmehrfachen Behinderungen fürs Leben. Die Initiative Pskow hatte durch ihre Vorstandsmitglieder immer auch enge Verbindungen nach Mülheim. Mit Dr. Dieter Bach, ehemaliger Direktor der Evangelischen Akademie in Mülheim, kam ein langjähriger Geschäftsführer der Initiative aus der Stadt an der Ruhr. Heute ist die Mülheimerin Martha Vahrenkamp Geschäftsführerin der Initiative.

Die Mülheimerinnen und Mülheimer kennen einen ganz speziellen Boten aus der russischen Stadt: den in den heilpädagogischen Werkstätten gefertigten Engel, der nach Entwürfen des Mülheimer Künstlers Jochen Leyendecker gestaltet ist. In der Evangelischen Ladenkirche am Kaiserplatz kann man immer einige Exemplare kaufen. Im April 2015 bekamen die Angehörigen der Opfer des Flugzeugunglücks in den französischen Alpen  beim ökumenischen Trauergottesdienst im Kölner Dom Engel aus Pskow geschenkt.

 

In den Pskower Werkstätten entstehen die Engel, die später in viele andere Länder reisen - und sogar ins All. (Foto: EKiR) In den Pskower Werkstätten entstehen die Engel, die später in viele andere Länder reisen - und sogar ins All. (Foto: EKiR)

22. Juni – Tag der Trauer

Am 22. Juni 1941 hat Nazi-Deutschland die damalige Sowjetunion überfallen. Ziel war die Vernichtung des russischen Volkes. Pskow, die Stadt an der Welikaja im Westen Russlands, war das deutsche Hauptquartier im Aufmarschgebiet zu Leningrad (heute St. Petersburg). Die Stadt sollte ausgehungert werden. 900.000 Menschen starben während der Belagerung. Als die Rote Armee die Wehrmacht zurückdrängen konnte, hinterließen die Deutschen Pskow als zerstörte Stadt.

22. Juni – Tag der Versöhnung

50 Jahre nach dem Überfall, 1991, besuchte eine Delegation der Evangelischen Kirche im Rheinland unter der Leitung des damaligen Präses Peter Beier die Stadt Pskow. Die rheinische Landessynode hatte einen Beschluss zur „Versöhnung mit der Sowjetunion“ gefasst. Die Delegation war sich der deutschen Schuld bewusst: „Wir kamen mit bangem Herzen nach Russland, um Vergebung zu erbitten“, erinnert sich Oberkirchenrat i. R. Klaus Eberl. „Wir erwarteten Misstrauen. Aber wir wurden mit offenen Armen empfangen.“

Schnell war den Reisenden aus der rheinischen Kirche klar: Es kann nicht bei Worten allein bleiben. Nach einer Begegnung mit Eltern schwerstbehinderter Kinder vor Ort in Pskow entstand der Plan, in Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Wassenberg ein Heilpädagogisches Zentrum zu gründen. Eine wagemutige Idee. Dass dies den Beginn einer beständigen Partnerschaft und einen Wendepunkt in der russischen Behindertenarbeit bedeuten sollte, ahnte damals niemand.

22. Juni – Tag der Hoffnung

Mehr als 25 Jahre besteht die Partnerschaft zwischen der Evangelischen Kirche im Rheinland und Pskow inzwischen. Vieles ist in dieser Zeit gewachsen; davon profitieren behinderte und sozial benachteiligte Menschen nicht nur in dieser Region Russlands. Eine Zeitung nannte die beispiellose Entwicklung einmal das „Wunder von Pskow“.

Frühförderung in Pskow (Foto: Eberl). Frühförderung in Pskow (Foto: Eberl).

Der Pskower Engel ist ein Kompass für die Suche nach Halt

Handfestes Symbol der Hoffnung ist der Pskower Engel, ein kleiner Engel aus Holz, der genau in eine Handfläche passt, irgendwie auch einem Kreuz ähnlich. Daran kann man sich festhalten.Der Bildhauer Jochen Leyendecker aus Mülheim an der Ruhr hat den Engel bewusst mit einer besonderen Note gestaltet: Mit seinen ungleichen Flügeln hat er eine Behinderung. Will sagen: Auch Engel brauchen Unterstützung, um anderen zu helfen.

In der Pskower Werkstatt stellen behinderte Menschen diese Holzengel her. Sie sägen die Figuren aus dicken Brettern aus, bearbeiten sie fein mit Schmirgelpapier, bis sie angenehm anzufassen sind. Der Pskower Engel ist ein Bekenntnis: Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild. Jeder Mensch wird gebraucht und kann dazu beitragen, dass Vertrauen in die Zukunft wächst. Halt haben – durch den Glauben, durch Gottes Segen, durch Menschen, die anderen ihre Liebe schenken. Und Halt geben – sich engagieren für andere, Trost geben in der Trauer, Verantwortung übernehmen für eine gute Zukunft. Beides gehört zusammen.

Der Pskower Engel zieht mit seiner Botschaft weite Kreise. Im April 2015 war er beim ökumenischen Trauergottesdienst im Kölner Dom für die Angehörigen der Opfer des Flugzeugunglücks in den französischen Alpen dabei. Ein Engel als Tröster, als Kompass für die Suche nach Halt. Nach einer Zukunft, die manchmal kaum vorstellbar ist. Seitdem erreichen die Initiative Pskow viele Geschichten, die dieser Engel schreibt. Er erinnert Menschen daran, was ihnen zugetraut ist in der Verantwortung für andere und für die Zukunft unserer Welt. Kirchengemeinden verschenken ihn zur Taufe, zur Kommunion oder Konfirmation. Krankenhäuser und Hospize legen den Engel in die Hand von Kranken und Sterbenden. Freunde versichern einander mit diesem kleinen Symbol, dass sie sich helfen und einander beistehen wollen. Die Engel können per E-Mail an m.vahrenkamp@web.de zum Selbstkostenpreis 4 Euro bestellt werden.

 

Die Initiative Pskow verändert die Behindertenhilfe und Förderpädagogik in Russland

Die Initiative Pskow in der Evangelischen Kirche im Rheinland ist das Dach für viele Projekte, die im zurückliegenden Vierteljahrhundert in deutsch-russischer Zusammenarbeit entstanden sind, gefördert durch Freundeskreise in Wuppertal, Remscheid-Lennep, Koblenz und an der Rurtal-Schule in Heinsberg-Oberbruch. Einige Beispiele: Das rheinische Engagement begann mit dem Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) in Pskow. Die Evangelische Kirchengemeinde Wassenberg machte sich zur Aufgabe, in Pskow das HPZ als Förderschule für Kinder mit schweren und mehrfachen Behinderungen zu gründen. Mit Hilfe des Landes Nordrhein-Westfalen und fachlich begleitet durch die Rurtal-Schule – Förderschule des Kreises Heinsberg mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung – realisierte die Kirchengemeinde 1993 das Projekt und fand in der Stadt und später im Oblast Pskow verlässliche Partner. Heute ist das Heilpädagogische Zentrum Pskow Zeichen eines Systemwechsels: Niemand soll zurückgelassen werden. Kinder mit schweren Behinderungen sollen auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit Förderung, Therapie und Wertschätzung erfahren. Die Lehrpläne und Konzepte, die im HPZ Pskow entwickelt wurden, ziehen in vielen Städten und an Hochschulen Russlands Kreise. So ist das Heilpädagogische Zentrum der Ausgangspunkt einer tiefgreifenden Umgestaltung der Behindertenhilfe und der Förderpädagogik in Russland.

Was kommt nach der Schule? Die Werkstatt. Mit Hilfe der Werner-Peter-Schmitz-Stiftung (Sitz in Düsseldorf) konnte die Initiative Pskow Ende der 1990er Jahre eine Werkstatt für behinderte Menschen bauen, die in Russland ihresgleichen sucht. Gearbeitet wird in verschiedenen Abteilungen: Kartonagen, Schlosserei, Schreinerei und Landwirtschaft. Zusammen mit dem Frühförderzentrum Limpopo und dem integrativen Kindergarten, die altersmäßig vor der Schule angesiedelt sind, mit ambulanten betreuten Wohngemeinschaften und einer Hospizarbeit, die Pflegebedürftige und Sterbende begleitet, besteht heute in Pskow ein in Russland einzigartiges und beispielhaftes System der Förderung behinderter Menschen im Lebenslauf.

 

 

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ala / EKiR.de / 19.06.2018



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