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Interview

In der Westbank als Menschenrechtsbeobachterin

Familien im Niemandsland eine Stimme geben: Magdalene Schwan-Storost (64) war Menschenrechtsbeobachterin in Yatta, südlich von Hebron in der Westbank. Heute abend berichtet sie darüber in Mülheim.

Magdalene Schwan-Storost (l.) war von Februar bis Mai 2012 mit EAPPI Menschenrechtsbeobachterin in der Westbank. Magdalene Schwan-Storost (l.) war von Februar bis Mai 2012 mit EAPPI Menschenrechtsbeobachterin in der Westbank.

Was macht eine Menschenrechtsbeobachterin in der Westbank?

Unsere Aufgabe bestand darin, den Menschen in den zahlreichen palästinensischen und beduinischen Dörfern im Hügelland südlich von Yatta eine Stimme zu geben. Konkret hieß das, zum Beispiel Zerstörungen von Häusern und Zisternen, tätliche Angriffe von Siedlern, Verhaftungen durch das israelische Militär in Texten und Fotos zu dokumentieren. Weiterhin begleiteten wir Schulkinder, die mit ihren Familien im "Niemandsland" zwischen der Grünen Linie und der Sperranlage wohnen, an einer israelischen Siedlung vorbei und durch einen Checkpoint, um einen zügigen und sicheren Schulweg zu ermöglichen. An einem weiteren Checkpoint, der täglich von etwa 3.500 Arbeitern passiert wird, dokumentierten wir Dauer der Kontrolle, Verzögerungen, Zurückweisungen rund um den Durchlass. Darüber hinaus unterstützten wir Aktivitäten von Gruppen, die die gewaltlose Beendigung der Besetzung zum Ziel haben.

Was kann ein bescheidenes Mittel wie die Anwesenheit von ausländischen Beobachtern vor Ort ausrichten?

Ich hoffe, dass ich die Menschen in ihrem Willen bestärken konnte, ihre Dörfer nicht zu verlassen und die Grundlage ihrer Existenz, ihr Land, nicht preiszugeben - trotz der permanenten Bedrohungen durch israelische Siedler und das israelische Militär.

Gab es eine Situation, die Ihnen persönlich besonders nahe gegangen ist?

Besonders nahe gegangen ist mir das Schicksal der von UNICEF gebauten kleinen Schule in Jinba, die den Kindern des Dorfes die einzige Bildungsmöglichkeit bot, besonders den Mädchen. Sie erhielt während meines Aufenthalts dort einen Abrissbescheid. Nach einer im Juli erlassenen Verfügung des Verteidigungsministers muss nun das gesamte Dorf, zusammen mit sieben weiteren Dörfern, einem Militärübungsgebiet weichen. Die Zugangsstraßen sind bereits blockiert, 1.500 Menschen werden vertrieben. Ich erinnere mich an die Englischstunde in einer der Schulklassen mit den lebhaften, fröhlichen, lerneifrigen Schülerinnen und Schülern. Die Vorstellung, dass das alles nun zerstört wird, schmerzt und frustriert mich sehr.

Das ökumenische Begleitprogramm "Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel" (EAPPI), mit dem Sie in der Westbank unterwegs waren, verpflichtet sich zu Unparteilichkeit. Wie lässt sich das durchhalten?

Unsere Unparteilichkeit haben wir eingehalten, indem wir zum Beispiel Demonstrationen grundsätzlich nur begleitet und nicht aktiv an ihnen teilgenommen haben. In Diskussionen ging es mir immer darum, dass es für uns auf die Einhaltung der Allgemeinen Menschenrechte und des Internationalen Völkerrechts ankommt. Es soll nicht Israel als Staat in Frage gestellt noch sollen alle Israelis für die Handlungen ihrer Regierung verantwortlich gemacht werden. Innere Grenzen habe ich gespürt, wenn ich mit Demütigungen und Willkür durch das israelische Militär konfrontiert wurde. Auch der grundsätzliche militärische Schutz der Siedlerinteressen bei gleichzeitigem mangelhaftem Schutz der Palästinenser war oft schwer erträglich.

Magdalene Schwan-Storost ist am Donnerstag, 18. Oktober, 19.30 Uhr, zu Gast beim Speldorfer Friedensgebet, berichtet über ihre Erfahrungen und zeigt Bilder aus Yatta: Evangelische Kirchengemeinde Speldorf, Evangelische Kirche am Brandenberg, Friedhofstraße 140, Mülheim / Ruhr

 

ekir.de / Karin Vorländer / Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de / 18.10.2012



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