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Utopische Lichtblicke

Musikalische Qualität mit Ausstrahlung am Spielort Petrikirche und experimentelles „Irritainment“ in der Stadt: Zwischen diesen Polen bespielte das zehnte „Utopie jetzt!“-Festival für neue Musik mit dem Titel „Lichtblicke“  verschiedenste Bühnen.

Foto: Köhring Foto: Köhring

Ein Nabucco-Gefangenenchor in der Einkaufspassage des Forum, eine lichte Musikperformance in klirrender Kälte auf dem Kirchenhügel, spartenübergreifende Konzerte mit Filmelementen, eine Uraufführung, all das umfasste die zehnte Auflage von „Utopie jetzt!“ und damit ist das Programm noch nicht ausreichend beschrieben. Regelmäßig alle zwei Jahre findet das Festival für neue Musik unter der künstlerischen Leitung von Kirchenmusikdirektor Gijs Burger (Mülheim), Andreas Fröhling (Essen), Klaas Hoek (Franeker/Niederlande) und Prof. Manfred Schreier (Stuttgart) statt.

Wen es am Samstagabend auf den Kirchenhügel verschlug, konnte an einem sinnlichen Spektakel sonder Gleichen teilhaben. Im Haus der Diakonie, wo sonst beraten, betreut und auch verwaltet wird, waren die Fenster zur dunklen Althofstraße geöffnet. Dann übernahm das Licht die Regie. Per Schaltpult gesteuert, glimmte, leuchtete und strahlte es in einzelnen Räumen auf. Wo das geschah, griffen Drummer zum Stick, Bassisten zum Bogen, Sänger und Sprecher mischten sich ein. Mal ist es ein lebhaftes Durcheinander der Worte und Töne, wenn etwa Trompeten wie zwei geschwätzige Nachbarn sich von einem zum anderen Fenster musikalisch austauschen. Dann wieder verstummt eine Stimme nach der anderen. Ganz sanft klingen die Töne aus, um dann wieder hektisch flackernd, fast wie beim in der 80ern beliebten Senso-Spiel, Fahrt aufzunehmen. Nicht nur Besucher des anschließenden Konzerts genossen die frappierende Aufführung.

„Lichtblitze“ hieß die Performance, komponiert und geleitet vom Komponisten und Klangkünstler Erwin Stache. Der in der Nähe von Leipzig lebende Künstler setzt an anderer Stelle auch Telefonwählscheiben, Computermäuse oder Sperrholzplatten in seinen Konzerten ein. Am Vormittag hatten er und seine Gruppe „Atonor“ den Mülheimern in der Innenstadt schon „musikalisches Irritainment“ mit ihren „Klangwagen“ beschert.

Schülerinnen und Schüler der Realschule Stadtmitte führten "Lichtspiele und Klangsprünge" in der Kundenhalle der Sparkasse auf. (Fotos: Andreas Köhring)

Musikalisches "Irritainment" mit der Gruppe Atonor in der Stadt.

Musikalische Begegnungen.

Voller Einsatz schon bei den Proben in der Petrikirche.

Und ein voller Erfolg bei der Aufführung.

"Lichtblitze" - frappierende Performance aus dem Haus der Diakonie auf dem Kirchenhügel.

Einführung zum "Lichte Momente"-Konzert am Samstagabend mit Hans-Joachim Hespos, Jan Esra Kuhl und Jan Ritterstaedt (v.l.) in der Petrikirche.

Orgel und Harmonium waren oft, aber nicht immer konventionell, im Einsatz.

Die Utopie-Werkstatt arbeitet weiter - bis zum nächsten Festival 2014!

Doch „Utopie jetzt!“ steht nicht allein für Irritation und Performance. Lichte Höhepunkte für Kenner setzten etwa die deutsche Erstaufführung von „behütet“, Dieter Schnebels musikalischer Umsetzung des Psalms 121, den Schnebel sehr liebt, wie er im Vorgespräch zu Aufführung betonte. „behütet“ ist ein Stück für Chor und Begleitinstrument. Bei der deutschen Erstaufführung in der Petrikirche lieferte das Harmonium den pianissimo begleitenden „Unter- und Hintergrundklang“, wie der Komponist es formulierte – sehr zu seiner Freude, wie er bereitwillig gestand. Bei der Uraufführung in Salzburg hatte man kurzerhand entschieden, auf das Begleitinstrument zu verzichten.

Die „beamed tones“ von Harmonium und Orgel, die Jan Esra Kuhl in Auftrag des Festivals komponierte, entfalteten ihre Wirkung allein über die Dynamik. „Die Töne werden dabei quasi vom Harmonium im Kirchenraum zur Orgel hochgebeamt“, erklärte der junge Komponist. Vier Helferinnen und Helfer öffneten und schlossen dazu die Windkästen an der Orgel, während die Tasten durch Gewichte belegt waren. Welch zum Teil abenteuerliche Arbeitspositionen man dazu in Kauf nehmen musste, konnten die Konzertbesucherinnen und Besucher im Rahmen eines „Nachklangs“ auf der Orgelempore selber anschauen.

Auch alte Bekannte sahen treue Utopie-jetzt-Fans wieder. Der WDR-Rundfunkchor war mit seinem Konzert „Himmelslichter“ schon zum vierten Mal beim Mülheimer Festival zu Gast. Für den Ausklang des Festivals am Sonntag zeichneten im Gottesdienst am Morgen der Jungen A-Chor und der Petri-Kammerchor verantwortlich. Das Konzert am Abend gehörte ganz den musikalischen „Lichtgestalten“ wie Clytus Gottwald mit seinen Haydn-Chortranskriptionen und Luigi Nono mit modernen Stücken, in denen Gesang, Instrumentalspiel und Elektronisches korrespondieren.

Wer die 2012er Auflage von „Utopie jetzt!“ noch einmal nachklingen lassen möchte, kann das am Radio tun. Der WDR hat das Chorkonzert vom Freitagabend aufgezeichnet und wird es am Freitag, 28. Dezember, 20.05 Uhr auf WDR3 senden.

 

 

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ala / 29.10.2012



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