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für den 20.07.2019

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Reformationsjubiläum

Alte Schrift in neuen Worten

Genauestens aus dem Urtext übertragen sollte sie sein und so nah wie möglich an Martin Luthers Fassung: die revidierte Lutherbibel 2017. Bei einer Veranstaltung in der Ladenkirche stellte Präses Rekowski sie in Mülheim vor.

Foto: Deutsche Bibelgesellschaft Foto: Deutsche Bibelgesellschaft

Versteht man im 21. Jahrhundert noch einen Begriff wie „Otterngezücht“ oder Wendungen wie „daselbst“, „etliches“ und „gleichwie“? Martin Luther verwendete sie vor 500 Jahren in seiner deutschen Bibelübersetzung. - "Ja!", entschieden die 70 Theologinnen und Theologen, die die Lutherbibel jetzt im Auftrag der evangelischen Kirche in Deutschland neu überarbeiteten. nicht zuletzt seiner kraftvollen und plastischen Sprache sei es zu verdanken, dass Luthers Übersetzung zum vertrauten Text für evangelische Christinnen und Christen wurde. mit ihrem gehobenen und feierlichen Klang eigne sie sich auch heute noch besonders gut zum Beten, meditieren und Auswendiglernen.

Deshalb legten die experten bei ihrer Revision zwei zentrale Kriterien an: Größte sprachliche Genauigkeit gegenüber den hebräischen und griechischen Urtexten nach den heutigen wissenschaftlichen Ausgaben, aber ebenso erhalt von Luthers spezifischer Ausdrucksweise und Sprachkraft. Das führte dazu, dass die revidierte Ausgabe 2017 viele sprachliche modernisierungen der vorausgegangenen Revisionen wieder durch die Original-Formulierungen des Reformators ersetzt.

Beispiel Matthäus 12,34: „Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ So steht es in der Ausgabe von 1984. Die Ausgabe 2017gibt dem weniger modernen, dafür aber prägnanteren Original-Begriff Luthers wieder den Vorzug „Ihr Otterngezücht, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid?“

Auch in der bekannten Weihnachtsgeschichte (Lukas 2), die vielen Christinnen und Christen aus den Heiligabendgottesdiensten vertraut ist, lehnt sich die Revision 2017 wieder enger an Luthers Original an und setzt die Modernisierungen der 1984er-Fassung zurück. So heißt es jetzt:„Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher (statt jeder) in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land, zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass (nicht weil) er von dem Hause (es geht hier nicht um die Ortsangabe „aus dem Hause“, sondern um die Abstammung „von dem Hause“) und Geschlechte Davids war, auf dass (statt damit) er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie daselbst (nicht dort) waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.“

Das Expertenteam hat aber auch korrigiert, wo sich der Stand der Wissenschaft und der biblischen Textforschung im Vergleich zu Luthers Zeit geändert hat, wie zum Beispiel beim Kanzelsegen aus den Philipperbrief (Phil. 4,7):
„Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“ Luther habe an dieser Stelle bei seiner Übersetzung der Bibelausgabe des Erasmus von Rotterdam von 1519 misstraut, erläutert der Wuppertaler Theologieprofessor Martin Karrer, der bei der Revision 2017 die expertengruppe neues Testament leitete. Der Reformator sei deshalb dem ihm vertrauten lateinischen Text „custodiat, der Friede Gottes möge bewahren“ gefolgt. Erasmus habe stattdessen das Futur„der Friede Gottes wird bewahren“ geschrieben.„In den Jahrhunderten seither hat sich nicht nur der griechische Text des erasmus bestätigt. Selbst der lateinische Bibeltext musste zum Futur korrigiert werden. In der Revision zogen wir die Konsequenz und schreiben: Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren. Das ist eine wunderbare Zusage“, unterstreicht Karrer.

Zugleich gehe der herkömmliche Text nicht verloren. Die Revision gebe ihn in einer Fußnote wieder und ermögliche, den Kanzelgruß der jetzigen Version anzupassen oder in der alten Form zu erhalten. „Eine Segensformulierung muss nicht unmittelbar mit dem Bibeltext übereinstimmen. Aber die Übersetzung muss, wenn sie dem Anliegen Luthers treu sein will, die Schrift nach dem griechischen Ausgangstext selbst wiedergeben und Irrtümer Luthers wie den hier vorliegenden korrigieren“, so der Theologe.

Die exakte Übersetzung des griechischen Originaltextes steht außerdem bei Matthäus 8,24 im Vordergrund. „Und siehe, da erhob sich ein gewaltiger Sturm auf dem See, sodass auch das Boot von Wellen zugedeckt wurde. Er aber schlief“, heißt es in der Lutherbibel von 1984. Die Revisoren 2017 formulieren nun: „Und siehe, da war ein großes Beben im Meer, sodass das Boot von den Wellen bedeckt wurde. Er aber schlief.“ Der im griechischen Text verwendete Begriff „seismós“ meine offensichtlich eher eine Erschütterung als ein bloßes Wetterphänomen und sei mit dem deutschen Ausdruck „Beben“ sprachlich erheblich genauer wiedergegeben, heißt es in den Erläuterungen der Deutschen Bibelgesellschaft. Der von Luther selbst verwendete Begriff „Ungestüm“ sei dagegen heute kaum noch verständlich.

Geändert werden musste aus Sicht der Fachleute auch, wenn ein Begriff aus dem Urtext mit verschiedenen deutschen Wörtern übertragen werden kann, Luther aber in diesem Rahmen eine heute ungewohnte Entscheidung vorschlug. Matthäus 28,19 ist hierfür ein Beispiel. 1522 übersetzte Luther: „Darum gehet hin / und lehret alle Völker / und tauft sie ...“. Seit der Revision von 1956 lautet die Stelle: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Tauft sie...“. Landesbischof i.R. Christof Kähler, der Vorsitzende des Lenkungsausschusses zur Bibelrevision 2017, erläutert hierzu in einer Broschüre der Deutschen Bibelgesellschaft: „Es ist umstritten, ob dieser Vers zunächst die missionarische Lehre meint oder schon ihren Erfolg beschreibt. Die Fachleute haben sich hier mehrheitlich für die Rückkehr zur vorsichtigeren Formulierung Luthers entschieden. Ob Menschen zu„Jüngern“ also zu Christen werden, nachdem sie die Botschaft gehört haben, ist letztlich kein menschliches Werk, sondern bleibt eine Wirkung des heiligen Geistes.“ Die Revision 2017 kehrt deshalb zurück zu Luthers Text:„Darum gehet hin und lehret alle Völker...“. In einer Fußnote weist sie aber auf die andere Übersetzung „machet zur Jüngern alle Völker“ hin.

Vielleicht, so zieht Christof Kähler die Bilanz der gesamten Übersetzungsarbeit, habe sich durch die Rückkehr der Revision 2017 zum Luther‘schen Originalton„ein gewisser altmodischer Duktus des Textes noch etwas verstärkt“. Dadurch sei es aber auch möglich geworden, „die theologischen, sprachlichen und poetischen Vorzüge der Lutherbibel wieder deutlicher zur Geltung zu bringen.“

 

 

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26.10.2016



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