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Losung

für den 24.10.2019

Du hast Menschen über unser Haupt fahren lassen, wir sind in Feuer und Wasser gekommen. Aber du hast uns herausgeführt und erquickt.

Psalm 66,12

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Service

GMÖ

Durch die Wand

Es wird viel Potenzial verschwendet, Asylsuchende oft durch langes Warten zermürbt, wer sich integrieren will, braucht Helfer - sagt Nizaquete Bislimi, die selber als Flüchtling nach Deutschland gekommen ist. Heute arbeitet sie erfolgreich als Anwältin.  

Nizaquete Bislimi, Rechtsanwältin und Autorin Nizaquete Bislimi, Rechtsanwältin und Autorin

Nizaquete Bislimis Geschichte klingt wie die einer Senkrechtstarterin: 1993 vor dem Kosovokrieg nach Deutschland gekommen, 1998 Abitur gemacht, dann ein Jurastudium erfolgreich abgeschlossen, um heute als Anwältin in einer Essener Kanzlei tätig zu sein. So geradlinig wie es klingt, war ihr Weg nicht. Von den zahlreichen Hindernissen aber auch den persönlichen Mutmachern berichtete die 37-Jährige nun auf Einladung des GMÖ in der Evangelischen Ladenkirche. Dort las sie aus ihrem Buch „Durch die Wand - von der Asylbewerberin zur Rechtsanwältin.“

Als 14-Jährige in Deutschland angekommen, fühlt Nizaquete Bislimi sich verloren in der Asylbewerber-Gemeinschaftsunterkunft. Erst allmählich schafft sich die Familie mit Hilfe des unter den Bewohnern kursierenden Sperrmüllkalenders etwas Wohnlichkeit im 12-Quadratmeter-Zimmer. Sie erinnert sich daran, mit den damals üblichen Gutscheinen einkaufen zu gehen: „Für uns als Teenager war es furchtbar, da waren wir gleich als Asylsuchende geoutet. Meine Mutter als gestandene Frau konnte damit viel besser umgehen.“
Die Zuhörer in der Ladenkirche brauchen nicht lange, um mit der Autorin ins Gespräch zu kommen. Viele sind in der Flüchtlingsarbeit engagiert, haben in den Neunzigerjahren selber Gutscheine von Flüchtlingen aufgekauft, damit diese Bargeld zur Verfügung hatten. Sehr sensibel wird die Wortwahl registriert „Soll man überhaupt von ,Asylbewerbern‘ sprechen? Asyl ist doch ein Grundrecht, für das man sich nicht bewerben muss“, sagt einer.

Auch Nizaquete Bislimi profitierte in der Zeit nach ihrer Ankunft von Gutschein-Tauschaktionen und berichtet auch von Deutschen, die ihr halfen ihren, Weg zu gehen, und von denen, die nur Hindernisse sahen. Als stolze Abiturientin war sie an ihrer Sachbearbeiterin auf dem Ausländeramt abgeprallt wie an einer Wand. „Sie wollen studieren? Ich hab mich wohl verhört!“ Ein Schulfreud machte Bislimi Mut, es direkt bei der Uni zu versuchen. Und siehe da, das deutsche Abitur war die einzige Eintrittskarte, die es brauchte.

Einfach waren die Umstände für die Studienanfängerin Bislimi deshalb nicht. Da war zum einen die Sprache „Ich dachte, man spräche deutsch“. Das Juristen-Deutsch hatte damit nicht viel zu tun. Die Uni-Tage begannen für die Studentin Bislimi recht früh. Von ihrer Unterkunft aus, dauerte die Busfahrt eine Stunde allein bis zum nächsten Hauptbahnhof, von dort ging es weiter nach Bochum, wo sie an der Ruhr-Universität eingeschrieben war. „Ich war die einzige aus unserer Unterkunft, die studierte – und zwischendrin auch kurz davor alles abzubrechen.“ Nicht zuletzt dank einer Unterstützerin hat sie durchgehalten. „Ich will Ihnen Mut machen“, sagte sie den engagierten Flüchtlingshelfern im Publikum in der Mülheimer Ladenkirche.

Nizaquete Bislimi in der Ladenkirche Nizaquete Bislimi in der Ladenkirche

Bei allem Erfolg legt Nizaquete Bislimi Wert darauf, dass ihr Weg keine Selbstverständlichkeit ist. „Egal was wir wollten, wir mussten immer wieder um Erlaubnis fragen - und ganz oft hieß die erste Antwort ,Nein‘“. Um damit klarzukommen, „muss man schon eine große innere Stärke entwickeln“, so Bislimi. „Ich hatte Erfolg, aber nur, weil ich auch Unterstützung hatte. Nicht jeder bekommt das, da geht sehr viel Potenzial verloren. Wir reden viel von Integration, aber tum nur ganz wenig dafür.“ Am Schlimmsten sei für die hier Ankommenden das Warten. „Dauernd wartest du darauf, dass irgendjemand anders eine Entscheidung über dein Leben trifft. Besonders am Anfang war das für mich schlimm, im Prinzip hat es mich aber sehr lange durch mein Leben begleitet." Noch als Rechtsreferendarin war die Romni aus dem Kosovo nur geduldet in Deutschland, hätte also jeden Tag abgeschoben werden können. In den Wochen vor ihrer mündlichen Prüfung zum Staatsexamen war sie damit beschäftigt, die Abschiebung ihrer Eltern zu verhindern – was schließlich gelang.

Eine Extra-Portion Stärke braucht Nizaquete Bislimi auch heute noch in der täglichen Arbeit in der Kanzlei. „Natürlich kommen viele Menschen aus den Westbalkan-Ländern zu mir, die gerne in Deutschland bleiben möchten.“ Und die Erwartungen der Klienten gehen oft über die reine Rechtsberatung hinaus: Solidarität, sich immer die ganze Geschichte anhören, auch für die Verwandten der Klienten eintreten. „Ich will aber gute Arbeit machen und dazu muss ich eine gewisse Distanz aufbauen. Und wenn es so ist, teile ich auch deutlich mit, dass ich für ein Anliegen keine Erfolgsaussichten sehe.“

Nizaquete Bislimi engagiert sich nicht nur beruflich für Zugewanderte, sie ist außerdem Vorsitzende des Bundes Roma Verbandes. In einem Interview mit der ZEIT schilderte sie Ihre Situation als Roma und Rechtsanwältin: „Auf der Straße nimmt man eher bettelnde Roma wahr. Aber Roma sind eine heterogene Gruppe. Sozial, kulturell und auch religiös. Aber ich bin auch selbstkritisch. Was mir bei den Roma fehlt, ist Selbstbewusstsein. Nicht stumm bleiben, sondern sich zeigen! Ich kenne das Problem von mir selbst. Ich musste erst mein Jurastudium bewältigen, bevor ich die Kraft hatte, mich zu meiner Identität zu bekennen. Wenn ich jetzt sage: Ich bin Romni, traut sich keiner, etwas zu sagen. Weil man Respekt hat vor meinem Beruf.“

 

 

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ala / 29.09.2016



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