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250. Todestag Gerhard Tersteegens

Gedenkstein ins Blickfeld geholt

Über 180 Jahre gibt es ihn, doch kaum einer hat ihn mehr gesehen: Zum 250. Todestag Gerhard Tersteegens rückt die Vereinte Evangelische Kirchengemeinde seinen Gedenkstein wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit.  

Mit einem feierlichen Gottesdienst zum 250. Todestag Gerhard Tersteegens, dem 3. April 2019, rückte die Vereinte Evangelische Kirchengemeinde auch den Gedenkstein des 1769 verstorbenen Predigers und Liederdichters („Ich bete an die Macht der Liebe“, „Gott ist gegenwärtig“) wieder ins öffentliche Bewusstsein und ins Blickfeld. Mit Kerzen zogen die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher nach dem Gottesdienst aus der Petrikirche aus, um der Enthüllung des neu platzierten Denkmals direkt vor der Kirche am Pastor-Barnstein-Platz beizuwohnen. Den Gottesdienst feierte Pfarrerin Annegret Cohen mit der Festgemeinde, die Predigt hielt Prof. Ulrich Kellermann, für die musikalische Gestaltung sorgten das Blserensemble des Kirchenkreises unter der Leitung von Detlef Hilder und der Petri-Kammerchor. Im Anschluss an den Gottesdienst hörte die Gemeinde Ansprachen von Superintendent Gerald Hillebrand, Oberbürgermeister Ulrich Scholten und Pfarrer Justus Cohen.

 

Die hereinbrechende Dunkelheit und das Licht verliehen der Gedenksteinenthüllung auf dem Mülheimer Kirchenhügel ihre besondere Atmosphäre. Auch Tersteegen war ein Nachtmensch, erfuhren die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher in der Predigt von Professor Ulrich Kellermann. Tersteegens Öllampe brannte oft noch spät in seiner Arbeits-, Wohn- und Schlafkammer. „Die Nachtstille bietet einen besonderen Raum der Begegnung mit Gott“, so Kellermann. Und darauf legte der christlicher Mystiker Tersteegen besonderen Wert. Im Gebet allein zu bitten, zu loben, zu klagen und zu danken – das habe Tersteegen nicht gereicht. Die An-Betung „als Echo auf die liebende Herzlichkeit Gottes“, entsprach vielmehr seiner Glaubenspraxis. Tersteegen habe seinen Tagen die dafür nötige Stille abgekämpft, machte Prof. Kellermann in seiner Predigt deutlich. So schrieb Tersteegen einst als Ratschlag an einen Freund: „Stiehl der Welt bisweilen eine kleine Andacht und einen Augenblick Zeit ab“.

Doch Tersteegen pflegte nicht allein das geistliche Leben und die Innerlichkeit, sondern war auch ganz praktisch für seine Zeitgenossen da, das machte auch Bürgermeister Ulrich Scholten in seiner Ansprache über den „vielseitigen und vielschichtigen Menschen Tersteegen“ deutlich. Als Liederdichter ist Tersteegen bis heute bekannt, doch für seine Zeitgenossen war er gleichermaßen Seelsorger und Heilpraktiker, aber auch Schiedsmann und Streiter für die Unterstützung des Kohlenbergbaus.

„Es ist ein besonderer Abend“, würdigte auch Superintendent Hillebrand die Enthüllung des Gedenksteines: „Mit dem restaurierten Stein holen wir hoffentlich nicht nur ein Denkmal in den Blick, sondern auch Tersteegen, der uns dabei helfen kann, unseren Glauben neu zu entdecken und in die Stadtgesellschaft hinauszutragen.“ Pfarrer Justus Cohen (Vereinte Evangelische Kirchengemeinde) dankte allen, die die Restaurierung und neu-Aufstellung unterstützt haben: Stadtverwaltung und Bezirksvertretung ebenso wie die Freunde des Tersteegenhauses, die Bürgergesellschaft Mausefalle, großzügige Spenderinne und Spender aus Gemeinde und Bürgerschaft sowie Ulrich Turck, der den Vorgang ein ganzes Jahr lang intensiv begleitet hat.

 

Dem bekanntlich bescheidenen Tersteegen wäre sicher auch ein bescheideneres gedenken recht gewesen. Eigentlich hatte er sich eine schlichte Bestattung ohne Grabstein gewünscht, doch nach öffentlicher Kritik besannen sich 1835 die Pfarrer der Mülheimer Petrikirche eines Besseren, gründeten ein „Comité zur Errichtung des Tersteegenschen Denkmales“ und riefen zur „Supscription“ von Spenden auf. Drei Jahre später, 69 Jahre waren seit Tersteegens Tod vergangen, war das Geld gesammelt. Allein mit der Ortswahl gab es Schwierigkeiten: Die einstigen Grabstellen hinter der damaligen Petrikirche waren mittlerweile planiert. Nun orientierten sich die Zeitgenossen am Fundort einiger Arzneiflaschen hinter der Kirche, die dem auch als Heilpraktiker tätigen Tersteegen zugeschrieben wurden. Dort fand das späte Grab-Mal, gestaltet und mit vielen christlichen Symbolen reich verziert, von Bildhauer Paul Frank aus Elberfeld, seinen Platz. 

Das Denkmal überstand die Zeiten und Kriege, im Gegensatz zur Petrikirche, die nach dem zweiten Weltkrieg wieder neu aufgebaut wurde. Und dennoch geriet es – vom Kirchenhügel aus gesehen hinter der Kirche platziert – für die Mülheimerinnen und Mülheimer zunehmend aus dem Blick. Den 250. Todestag nahm die Vereinte Evangelische Kirchengemeinde, mit Unterstützung der Stadt Mülheim sowie von Spenderinnen und Spendern aus Gemeinde und Bürgerschaft zum Anlass, den Gedenkstein wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

 

 

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Text: ala, Fotos: ala / Walter Schernstein / 05.04.2019



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