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Hanna Schott mit Buch und Filmplakat in ihrer Kirchengemeinde. Der Animationsfilm 'Fritzi - eine Wendewundergeschichte' startet am 9. Oktober in den deutschen Kinos. Hanna Schott mit Buch und Filmplakat in ihrer Kirchengemeinde. Der Animationsfilm "Fritzi - eine Wendewundergeschichte" startet am 9. Oktober in den deutschen Kinos.

30 Jahre Mauerfall

„Ich finde Geschichten – die vom 9. Oktober 1989 ist so eine“

Der entscheidende Tag der friedlichen Revolution in der DDR, als in Leipzig Siebzigtausende nach dem Montagsgebet durch die Stadt zogen, jährt sich heute zum 30. Mal. Anlass für den Kinostart des Animationsfilms „Fritzi – eine Wendewundergeschichte“, basierend auf einem Kinderbuch der Autorin Hanna Schott aus Haan. Ein Interview

Frau Schott, vor zehn Jahren, zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution und des Mauerfalls, erschien Ihr Buch „Fritzi war dabei“. Wie kam es dazu?
Hanna Schott: Der in Leipzig ansässige Verlag Klett Kinderbuch hatte festgestellt, dass zu dieser Thematik noch nichts für die eigene Zielgruppe vorlag, und gab mir im Januar 2009 den Auftrag, eine Art Kinderreportage zu schreiben, da ich bereits ein reportagehaftes Buch in diesem Verlag veröffentlicht hatte und als junge Frau oft in der DDR gewesen war.

 

Das FAZ-Feuilleton lobte Ihr Buch nach Erscheinen als „persönlich und direkt erzählte Geschichte, die durch den Blick eines Leipziger Kindes, dessen DDR-Alltag Risse bekommt, große Spannung entwickelt“. Wie entstand diese Ich-Erzählung?
Schott: Der Verlag hatte in der Leipziger Volkszeitung Leser und Leserinnen aufgerufen, sich zu melden und ihre Geschichte zu erzählen, wenn sie im Herbst 19989 Grundschulkinder waren und etwas von den Demonstrationen mitbekommen hatten. Rund 60 Leute meldeten sich, aber es war leider keine passende Geschichte dabei. Da kam mir die Idee, Christian Führer anzurufen, der als Pfarrer an der Nikolaikirche die Montagsgebete – schon 1981! – initiiert hatte. Die Telefonnummern von Familien, die damals zum Kern der Demonstranten gehört hatten, waren der Schlüssel zu vielen guten und bewegenden Gesprächen. Aus ihnen entstand die Geschichte der fiktiven Fritzi.  

 

In Ihrem Buch lernt Fritzi Christian Führer ja auch kennen, als sie zum ersten Mal mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Hanno die Nikolaikirche besucht.
Schott: Ja. Und der „Igel“, wie er von der Stasi genannt wurde, findet klare Worte, die auch Kinder verstehen. Zitat: „Ein Mann steht auf und geht ans Mikro. Er hat eine Jeansjacke an und eine Frisur wie ein Igel. ,Wir sind hier, weil sich in unserem Land etwas ändern muss‘, sagt er. ,Seit sieben Jahren treffen wir uns jeden Montag. Erst waren wir nur ein paar Leute, jetzt ist die Kirche voll. Manche sind hier, weil sie dieses Land verlassen wollen und keiner mehr zu ihnen hält. Aber die meisten von uns wollen hier bleiben und für die Veränderung unseres Landes beten.‘ (…) Ein Mann aus der Reihe vor uns hält seine brennende Kerze an unsere Kerzen und gibt uns Licht. Es ist ein bisschen wie Weihnachten, nur mit viel mehr Leuten. ,Geht im Frieden des Herrn!‘ sagt der Igel. ,Keine Gewalt! Daran wollen wir uns halten, egal, was uns draußen begegnet.‘“

 

Sie sind selbst engagierte evangelische Christin. Sowohl Ihr Buch als auch der Film tragen den Titel „eine Wendewundergeschichte“. War die Wende für Sie ein Wunder?
Schott: Ja, wenn man dieses Zusammentreffen verschiedener unwahrscheinlicher Dinge innerhalb kurzer Zeit so nennen möchte. Und das tun sehr viele Menschen, ganz unabhängig davon, ob sie die Dinge religiös deuten oder nicht. Ich sage den Kindern immer: Ich erfinde keine Geschichten – ich finde Geschichten. Das, was am 9. Oktober 1989 geschehen ist, ist so eine Geschichte. Das hätte kein noch so fantasiebegabter Autor erfinden können.

 

Nennen Sie doch mal ein Beispiel.
Schott: Ich denke da an die Tatsache, dass Staatschef Erich Honecker just an diesem Tag krank und nicht erreichbar war. Die Leipziger Polizei und der Leipziger SED-Chef versuchten vergeblich, ihn oder Sicherheitsminister Egon Krenz zu erreichen, weil sie die Order aus Berlin, energischer als zuvor gegen die Demonstranten vorzugehen, nicht ohne Rückendeckung umsetzen wollten. Dabei war alles vorbereitet, die Stadt voller Polizei, am Stadtrand Panzer. Aber bis sie in Berlin jemanden an der Strippe hatten, saßen die 70.000 schon zu Hause beim Abendessen. Keiner weiß, wie die deutsche Geschichte weitergegangen wäre, wenn es damals schon Handys gegeben hätte.

 

Wie kann man so etwas Kindern erzählen?
Schott: Dass vier Monate zuvor die chinesische Demokratie-Bewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens blutig niedergeschlagen worden war, lasse ich weg. Das erzähle ich höchstens mal bei Lesungen, wenn die Schülerinnen und Schüler schon etwas älter sind. Im Buch packt Fritzis Mutter, die Krankenschwester ist, Verbandsmaterial in die Tasche, die sie mit zur Demo nimmt. „Falls es schlimm kommt“, sagt sie zu Fritzi. Ein Kinderbuch und ein Kinderfilm können ja nicht alles auserzählen, aber sie können Anlass zum Nachfragen bieten.

 

Einen Monat später folgte der berühmte gestammelte Halbsatz von SED-Politbüromitglied Günter Schabowski zur Ausreise von DDR-Bürgerinnen und Bürgern: „Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich.“
Schott: Genau. Noch so eine verrückte Geschichte, die sich keiner hätte ausdenken können. Warum war der Mann für die Pressekonferenz bloß so schlecht instruiert? Aber was für ein Glück, dass es so war!

 

Ist Fritzis Geschichte aus Ihrer Sicht filmisch angemessen umgesetzt worden?
Schott: Ein Film und erst recht ein Animationsfilm ist natürlich ganz etwas anderes als ein Buch. Und aus knapp 100 Seiten kann man keine 90 Minuten Kino machen. Da ist also eine Menge neu erfundener Stoff hinzugekommen. Beate Völcker, die Drehbuchautorin, ist ein Profi und hat für ihr Script schon vor Jahren den Drehbuchpreis des Trickfilmfestivals Stuttgart bekommen. Der Vorlauf zu diesem Film war nämlich sehr lang: Der Produzent Ralf Kukula, der mit Matthias Bruhn Regie geführt hat, ist ganz früh auf das Buch aufmerksam geworden und hat die Filmrechte schon 2011 erworben. Aber dann folgten mühsame Jahre, in denen er das nötige Geld auftreiben musste.

 

Dabei war er dann aber umso erfolgreicher.
Schott: Ja, schlussendlich ist es eine große internationale Koproduktion geworden: Neben Deutschland machen Tschechien, Belgien und Luxemburg mit. Arte, MDR, WDR, NDR, KIKA sind Koproduzenten, dazu kommt noch die lange Liste der Förderer. Ich freue mich sehr für seinen Erfolg, zumal der Film auch für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Ost und West steht: Ralf Kukula ist damals im Osten mitmarschiert, Matthias Bruhn saß im Westen vor dem Fernseher. Mein Buch war übrigens auch schon ein Ost-West-Projekt: Gerda Raidt, die Illustratorin, deren Bildern den Animationsfilm inspiriert haben, ist in Ost-Berlin aufgewachsen und lebt heute in Leipzig. Ich bin in Augsburg geboren und lebe heute in Haan im Rheinland.

 

Warum ein Animationsfilm? Wäre ein Spielfilm nicht packender gewesen?
Schott: Ein Spielfilm wäre vor allem deutlich billiger zu produzieren gewesen und hätte wohl schon vor fünf Jahren realisiert werden können, aber ein Trickfilm kann didaktisch besser eingesetzt werden – im Unterricht oder auch in Museen. Die Macher denken da an Schulbücher, ans Zeitgeschichtliche Museum in Leipzig (Teil des Hauses der Geschichte) und mehr. Packend ist dieser Animationsfilm auf jeden Fall – und sehr berührend, vielleicht sogar besonders für Erwachsene, die Erinnerungen an diese Zeit haben. Und was die Nähe oder Ferne zur Vorlage angeht: ein Hund spielt quasi die Hauptrolle, Fritzi ist deutlich älter als in meinen Buch. Für mich ist vor allem wichtig, dass der Film Kinder dazu anregt, ihre Eltern und Großeltern zu fragen: „Wie war das eigentlich damals? Erzählt mal!“

 

Erstaunlich ist ja das internationale Interesse an Fritzis Geschichte.
Schott: Ja, und sehr erfreulich. Im November erscheint „Fritzi war dabei“ in Südkorea und in Tschechien. Das Interesse in Südkorea ist vielleicht gar nicht so verwunderlich; das südkoreanische Ministerium für Wiedervereinigung hat schon vor Jahren Kontakt zu dem inzwischen verstorbenen Pfarrer Christian Führer aufgenommen. Man denkt ja manchmal gar nicht daran, mit welchem Blick andere Länder auf die deutsche Geschichte schauen.

 

Premiere feierte der Film natürlich in der Leipziger Nikolaikirche – am 7. Oktober.
Schott: Ja, das ist eine nette Ironie der Geschichte: An diesem Tag wäre die DDR 70 Jahre alt geworden.

 


Info
Am Samstag, 16. November 2019, liest Hanna Schott um 15 Uhr aus ihrem Buch „Fritzi war dabei“ in der Evangelischen Kirchengemeinde St. Reinoldi Rupelrath (Opladener Straße 5-7 in Solingen-Aufderhöhe). Nähere Infos unter www.rupelrath.de

Weiteres zu Hanna Schotts Büchern und Spielen: www.hanna-schott.de

Pädagogisches Begleitmaterial zum Film findet sich auf www.klett-kinderbuch.de und www.weltkino.de.

 

 

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ekir.de / Text und Foto: Stefanie Mergehenn / 09.10.2019



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