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Losung

für den 27.09.2020

Der HERR lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Psalm 98,2

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Service

Schulleiter Guedo Wandrey und seiner Stellvertreterin Ulrike Tegtmeyer. Schulleiter Guedo Wandrey und seine Stellvertreterin Ulrike Tegtmeyer.

Schule in der Corona-Pandemie II

Auf Distanz und trotzdem schülernah

Durch Corona stehen die Schulen unter Druck, die Digitalisierung zu forcieren. Die Wilhelmine-Fliedner-Schule in Hilden will alles daransetzen, dass das Menschliche dabei nicht auf der Strecke bleibt.

Die Wilhelmine-Fliedner-Schule in Hilden hat in ihrer langen Geschichte viele Wandlungen erlebt. Ihre Gründung geht, wie der Name schon erkennen lässt, auf die Tochter des Gründers der Kaiserswerther Diakonie zurück. Sie war Mädchenschule, später eine koedukative Realschule und ist seit 2014 eine Gesamtschule im Aufbau. In diesem Jahr ist mit der Jahrgangsstufe 11 erstmals die Oberstufe erreicht.

Aber der Wandel, dem die Schule in Trägerschaft der rheinischen Kirche momentan unterworfen ist, mag der bisher gravierendste sein. Es geht um die Frage, wie sich das Menschliche, das Soziale, die Achtsamkeit, also ein wesentliches Stück christlicher Grundierung des Schullebens, hinüberretten lässt in die Erfordernisse der Digitalisierung und des Coronaschutzes.

Ein Dutzend Kinder bleiben derzeit noch zu Hause

Sorgen haben Guedo Wandrey und Ulrike Tegtmeyer, daran lassen sie keinen Zweifel. Aber der Schulleiter und seine Stellvertreterin nehmen auch für sich in Anspruch, Probleme anzupacken und nicht zu zaudern. „Man muss Gottvertrauen haben“, sagt Wandrey. Und vor allem verstehen er und seine Kollegin sich als Anwälte gerade derjenigen Schülerinnen und Schüler, die bei diesem Wandlungsprozess abgehängt zu werden drohen.

Seit Schuljahresbeginn befinden sich die rund 760 Schülerinnen und Schüler sowie das 55-köpfige Kollegium wieder im Präsenzbetrieb wie alle Schulen. Ein siebenseitiger Elternbrief hat die Familien auf die Rückkehr zum Regelunterricht vorbereitet. Nur ein Dutzend Kinder bleiben derzeit aus Risikoabwägungen noch zu Hause. Mund-Nasen-Schutz im Unterricht wie auf dem Schulhof und Handdesinfektion sind Standard. „Die Kinder nehmen das ernst, aber körperlich ist das schwer auszuhalten“, sagt Rektor Wandrey. Und die Wahrnehmung wird ohne erkennbare Gesichtszüge erschwert. „Dabei brauchen die Kinder persönliche Zuwendung.“ Seine Stellvertreterin ist sicher: „Wir müssen lernen, von den Augen zu lesen.“

Verunsicherung nach Ad-hoc-Umstellung auf Distanzlernen

Das erste Angebot zum Coronatest haben in der ersten Schulwoche nur 20 Prozent des Kollegiums wahrgenommen. Für das zweite Angebot in der kommenden Woche sind alle Lehrerinnen und Lehrer angemeldet. Aus der Schülerschaft ist bisher kein Fall bekanntgeworden. Aber das kann sich wie überall täglich ändern. Und die Schule will vorbereitet sein – besser als im März, als von jetzt auf gleich versucht werden musste, irgendeine Form von Distanzlernen aufzubauen. „Wir hatten natürlich alle schon davon gehört, aber praktiziert hatte das hier noch niemand“, blickt der Rektor zurück.

Die Ad-hoc-Umstellung im vergangenen Schuljahr hat viel Unzufriedenheit und Verunsicherung hinterlassen. Das sollte nicht noch mal passieren. Und weil die vom Land in Aussicht gestellte Lernplattform Logineo noch nicht zur Verfügung stand und angekündigte Lehrerfortbildungen erst nach den Sommerferien angeboten werden sollten, hat die Wilhelmine-Fliedner-Schule noch vor den Ferien ihren eigenen Weg eingeschlagen.

Interne Fortbildung für das Kollegium in der letzten Ferienwoche

Schritt eins: Für die letzte Ferienwoche organisierte die Gesamtschule eine interne Fortbildung mit dem gesamten Kollegium. Eine Woche lang befassten sich die Lehrerinnen und Lehrer mit dem Gebrauch der elektronischen Touchscreen-Boards in den Klassen, der Lernplattform Moodle und dem elektronischen Klassenbuch WebUntis, um auch alle Nutzungsmöglichkeiten ausschöpfen zu können. Dazu berieten die Fachschaften über die jeweiligen Anforderungen an digitalen Unterricht in den einzelnen Fächern. „Und die Kollegen, die auch Eltern sind, haben ihre Erfahrungen mit dem Homeschooling während der Schulschließungen eingebracht“, erzählt Ulrike Tegtmeyer. Ziel der Bemühungen: Alle Kinder, die nicht in die Schule kommen dürfen, sei es aufgrund von Corona, aus Risikoüberlegungen oder anderen Gründen, sollen die Möglichkeit haben, den Unterrichtsstoff möglichst genau zu verfolgen.

Denn das elektronische Klassenbuch gibt Eltern wie Schülern einen vollständigen Einblick in die Inhalte der jeweiligen Stunden. Und über die Lernplattform lässt sich sowohl Unterrichtsmaterial austauschen als auch die gesamte Kommunikation zwischen Lehrkräften und Schülern zu Hause abwickeln. Dazu muss man die digitalen Werkzeuge aber auch beherrschen. Mit der Fortbildungswoche ist es daher nicht getan: Sie diente dazu, den Wissensstand zu ermitteln und zugleich deutlich zu machen, was vom Kollegium künftig an Know-how erwartet wird. An den Defiziten und Bedürfnissen werden jetzt die Fortbildungsangebote in diesem Schuljahr ausgerichtet.

Mehr als hundert Schüler ohne Laptop oder Tablet

Schritt zwei: Auch alle Schülerinnen und Schüler sollen in der Lage sein, mit den digitalen Angeboten zurechtzukommen. „Wir müssen auch die Empfänger schulen. Das haben wir noch vor uns“, sagt Tegtmeyer. Noch bevor es Pflicht wird, hat die Schule bereits das Fach Informatik eingeführt, um Fünft- und Sechstklässler auf die Digitalisierung vorzubereiten. Inzwischen stehen drei Lehrkräfte dafür zur Verfügung.

Aber noch mangelt es an verfügbaren Endgeräten zu Hause. Per Smartphone kann man über eine App zwar das elektronische Klassenbuch einsehen. Aber um Unterrichtsmaterialien zu bearbeiten, ist der Bildschirm zu klein. Eine Umfrage im Zusammenhang mit dem Elternbrief erbrachte das ernüchternde Ergebnis: Mehr als hundert Schülerinnen und Schüler verfügen zu Hause weder über einen Laptop noch über ein Tablet. Und noch sind nicht alle Rückmeldungen eingegangen.

Wertehaltung der Kirche zur Digitalisierung gefragt

Eine der Baustellen, um die sich die Schulleitung jetzt kümmern will. Eine andere: Je mehr digitale Geräte benutzt werden, desto größer wird der Bedarf an professioneller Wartung und Unterstützung. Bisher geschieht das noch aus dem Kollegium heraus. Und schließlich: „Wir müssen reflektieren, welche Wertehaltung wir als Kirche zur Digitalisierung haben“, sagt die stellvertretende Schulleiterin. Denn eines wollen sie an der Wilhelmine-Fliedner-Schule um jeden Preis vermeiden: dass die Menschennähe durch Corona und den dadurch verstärkten Zug hin zu digitalem Lernen dauerhaft auf der Strecke bleibt. „Im Augenblick“, zieht Rektor Wandrey ein Zwischenfazit der zurückliegenden Corona-Erfahrungen, „kommt das Menschliche zu kurz.“

 

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ekir.de/ Text und Foto: Ekkehard Rüger / 21.08.2020



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