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für den 26.05.2019

Das ist mir lieb, dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört.

Psalm 116,1

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Service

Erlöserkirche

Gemeinde weiht neue Reil-Orgel ein

Mit einem Gottesdienst und einem Gemeindefest hat die Ev. Kirchengemeinde Heißen nun die neue Orgel in der Erlöserkirche eingeweiht. In einer Festschrift informieren Pfarrer Wolgang Sickinger und Kantor Oliver Lindner über das neue Instrument.

Manual der neuen Reil-Orgel Manual der neuen Reil-Orgel

Aus der Festschrift: "Zukunft und Hoffnung"

Mit der neuen Reil-Orgel in der Erlöserkirche investiert die Evangelische Kirchengemeinde Heißen in die Zukunft. So Gott will und wir leben (Jakobusbrief Kap. 4, Vers 15), soll die Orgel für viele Generationen heute und morgen in unserer Gemeinde hörbar sein, zum Singen anregen und zur Freude am Gottesdienst beitragen.

Damit setzt die Gemeinde in einer Zeit des Klagens und der Befürchtungen über negative Entwicklungen für Gemeinde und Kirche ein deutliches Zeichen der Hoffnung. Der Gottesdienst und das gesungene und musizierte Lob Gottes ist uns als Kirchengemeinde so wichtig, dass wir viel Geld für eine neue Orgel aufbringen! Wir vertrauen darauf, dass unsere Gemeinde immer wieder in "ihren Kirchen" auf Gottes Wort hört und, wie Martin Luther sagte, ihn anruft in Gebet und Lobgesang.

Mit den jahrhundertealten gewaltigen Domen und ihren großen und mächtigen Orgeln können und wollen wir uns in der Erlöserkirche nicht messen. Unsere Gemeinde setzt jedoch eigene Schwerpunkte: Sie bietet ein Stück Glaubens-Heimat für die Menschen, die in ihrer Nähe leben.

Die neue Orgel mit ihrer musikalischen Qualität leistet dazu einen erheblichen Beitrag. Weil viele Menschen das auch so sehen, konnte über etliche Jahre ein erstaunlich hoher Betrag gesammelt und gespendet werden - dafür kann die Gemeindeleitung nur von ganzem Herzen "Danke" sagen.

Nicht vergessen wollen wir diejenigen Spender, die inzwischen verstorben sind und sich ebenfalls in besonderer Weise für die Orgel eingesetzt hatten. Ihre Namen sind wie die Namen der lebenden Orgelspender in dem zweibändigen "Spenderverzeichnis" festgehalten worden. Es bleibt zur Einsicht und zum Nachschlagen in der Erlöserkirche und kann späteren Generationen vermitteln, wie viele Menschen für die Orgel aktiv waren.

 

 

Plakat zur Einweihung LupePlakat zur Einweihung

Das bedeutet aber auch, dass die neue Orgel der ganzen Gemeinde gehört und von ihr verantwortet wird. Wenn alle Spenderinnen und Spender gleichzeitig in die Kirche kämen, um die Orgel zu hören und zu sehen, wäre der Kirchraum zu klein und könnte die vielen Menschen nicht fassen - vielleicht erleben wir das demnächst?
Schlimm wäre das nicht, sondern ein Anlass, kreative Lösungen zu suchen und zu finden.

Wir freuen uns und sind dankbar und laden die ganze Gemeinde und darüber hinaus alle interessierten Menschen herzlich dazu ein, "ihre" Orgel zu hören und mit ihr zu singen. " Gott, mein Herz ist bereit, ich will singen und spielen." (Psalm 108, Vers 2)

Pfarrer Wolfgang Sickinger

 


Kopieren und Kapieren - Die neue Orgel der Erlöserkirche

Aus dem Orgelbaukontrakt der Ev. Kirchengemeinde Heißen mit der Orgelmakerij Gebr. Reil vom 26. Januar 2004:


... "dieses Angebot enthält den Bau und die Lieferung einer mechanischen Orgel mit einem Manual und selbständigem Pedal, eingerichtet für 11 Register ... . Alle Teile und das gesamte Pfeifenwerk werden in unserer eigenen Werkstatt hergestellt.

Disposition:   Manual (C - f3)                               Pedal (C - d1)
                     Principal       8 Fuss                        Subbas 16 Fuss
                     Gedackt       8 Fuss
                     Oktava         4 Fuss
                     Rohrflöt        4 Fuss
                     Nassat          3 Fuss
                     Oktava         2 Fuss
                     Sufflöt           1 Fuss
                     Mixtur           3 fach
                     Cornet           3 fach ab c1
                     Trompete       8 Fuss Bass*/Diskant

                     Kanaltremulant
                     Pedalkoppel

In Absprache mit den Herren Eumann und Lindner bekommt die Teilung des Registers Trompet Bass einen Vorabzug (C-d).

Stimmtonhöhe: 440 Hz bei 18°C. Die ungleichschwebende Temperatur wird passend zum Klang des nach Gottfried Silbermann inspirierten Orgeltyps nach Werckmeister III festgelegt.

Gehäuse:
Das Gehäuse wird , nach beiliegenden Zeichnungen ... angefertigt aus Eiche massiv in Rahmen- und Füllungsbauweise. Die Schleier in den Prospekttürmen und -feldern werden als Sägearbeiten gefertigt. ...

Windladen:
Die Windlade wird aus erstklassigem Eichenholz gefertigt. Die Löcher der Pfeifenstöcke werden gebrannt, die Ventile werden mit Schafsleder belegt und die Pulpeten werden aus Lammsleder hergestellt. Anschlussdrähte und Schenkelfedern werden aus Messing gefertigt. ...

Mechanik und Spielschrankanlage:
Die Mechanik und Tastatur werden aus feinjährigem Eichenholz hergestellt. Abstrakte, Wellen, Wellenbretter, Winkelhebel und Arme werden so aufeinander abgestimmt, daß alles reibungslos und gut funktioniert. Die Klaviatur ist aus Eiche und mit Schlangenholz (Chinesisches Buchstabenholz) für die Untertasten belegt, die Obertasten werden aus Ebenholz gefertigt und belegt mit Knochen. ... Die Spieltischmaße werden in Absprache mit Herrn Eumann und Herrn Lindner festgelegt ... . Das Pedal wird flach ausgeführt nach Silbermann und der historischen Aufführungspraxis. Platzierung des Pedals: c0 unter c1. Die Züge der Registertraktur sind von händlich abgedrechselten Knöpfen aus Hartholz nach Vorbild Silbermanns (inclusive eingelegtes Elfenbein in der Mitte der Knöpfe). Die Registerschildchen nach Originalvorbildern in Material und Schreibweise. ...

Windversorgung:
Die Windversorgung ist aufgebaut mit zwei Keilbälgen, Gebläse und Kanälen. Die Bälge werden aus Kiefer und Schafsleder gefertigt. Die Kanäle sind ebenfalls aus Kiefer.

Pfeifenwerk:
Das Pfeifenwerk wird überwiegend aus einer Legierung mit ca. 25% Zinn hergestellt, passend zu diesem Orgeltyp. Die Wandstärke ist variabel, d.h. dass die Wandstärke nach oben dünner gehobelt wird. Die Prospektpfeifen werden aus Zinn hergestellt. Alle Innenpfeifen haben Naturlänge. Die Register Subbass 16´ und Gedackt 8´ C-H werden aus Holz hergestellt. Die Zungenstimme bekommt Stiefel und Köpfe aus Eiche und Messing- Kehlen, Zungen und Stimmkrücken.

 

Das Vorbild

Warum klingen die Orgelpfeifen in altehrwürdigen historischen Orgeln besser als moderne Pfeifen? Zu welch großer Bedeutung im Orgelbau diese zentrale Frage im letzten halben Jahrhundert gekommen ist, spiegelt die gesamte Firmengeschichte der Orgelmakerij Reil wider. Alle bedeutenden Orgelbauer beschäftigen sich mit dieser Frage. Vielfältige und spannenden Antworten lassen sich mittlerweile in zahlreichen gut ausgeführten Orgelneubauten und Restaurierungen erleben.

So ist die Orgel der Erlöserkirche das erste - wenn auch im Umfang wesentlich kleinere Projekt - der Orgelmakerij Reil nach der vielbeachteten erfolgreichen Rekonstruktion der großen Wiegleb-Orgel in Ansbach, einer Orgel, die nach dem Urteil der Fachwelt sicherlich zu den wichtigsten Instrumenten im mitteldeutschen Orgelbau gerechnet werden muß. Und doch ist die Antwort auf die Frage nach den alten Pfeifen in der Erlöserkirche wieder eine gänzlich andere.

Wozu sind Vorbilder nötig? Warum dieses Vorbild an diesem Ort? Wer war Gottfried Silbermann? Der sinnvolle Umgang mit Vorbildern erschöpft sich nie in einer bloßen Kopie derselben. Erst ein tiefes Einfühlen und Verstehen bringt den Ansatzpunkt für eine Übertragung in unsere gelebte Gegenwart. So wie Tradition im guten Sinne in die Gegenwart hinüberträgt, so belebt auch die Gegenwart die Tradition in ihrem Licht.

Wer die Erlöserkirche kennt, weiß, daß das Spiel mit dem Licht das eigentliche Gestaltungsmerkmal dieses Sakralbaues ist. Augenfällig ist das große Pfingstfenster, das mit seinem Feuer zur besten Gottesdienstzeit den Kirchraum durchflutet. Durch das runde große Phoenix-Fenster wirft außerdem die Verkündigung der Auferstehung Jesu Christi ihr Licht unmittelbar auf die Gottesdienstgemeinde. Von Hoffnung und festem Glauben zeugt dieses Gebäude. Selbst die zwölf Apostel treten in den großen aufstrebenden Fenstersegmenten des Pfingstfensters auf uns zu, um uns das Wort Gottes in allen Sprachen zu predigen und um unseren Geist und unsere Sinne zu erhellen.

So ein glaubensfester starker Lichtraum wie die Erlöserkirche benötigt einen ebenbürtigen Sänger auf der Empore, der in der Lage ist aus tausend Mündern und in vielen Zungen in die Herzen der Menschen zu sprechen. Farbig müssen seine Klänge sein, von hoher Gestalt und Würde. Das so beschriebene Klangbild führt uns direkt in die Welt des großen mitteldeutschen Orgelbauers Gottfried Silbermann (1683-1753) aus Kleinbobritzsch bei Frauenstein im Erzgebirge. Dieser sächsische Archimedes lässt seine in der Schauseite der Orgel aufgestellten Principal 8' Pfeifen aus großen Mündern die Botschaft des Evangeliums zur Gemeinde sprechen. Ein reicher Prinzipalchor und eine große Lunge aus zwei Keilbälgen, die mannshoch hinter der Orgel aufgestellt sind, berichten in strahlenden Klängen von der Herrlichkeit der Werke unseres Herren. Wer genau hinsieht erkennt Elemente aus dem Pfingstfenster und dem runden Phoenix auch im Grundriss des Orgelgehäuses der Reil-Orgel.

Gottfried Silbermann stammte aus einer Bauern- und Handwerkerfamilie. Er erlernte sein Handwerk bei seinem fünf Jahre älteren Bruder Andreas, dem berühmten Rathsorgelbauer in Straßburg im Elsaß und ließ sich mit seiner Werkstatt um 1710 wieder in seiner sächsischen Heimat in Frauenstein nieder, wo noch heute ein Museum an ihn erinnert. Insbesondere die in zahlreichen Ortschaften und Dörfern erbauten, noch heute spielbaren kleinen Instrumente haben seinen Ruhm begründet. Die Ernsthaftigkeit und Sorgfalt, das enorme Einfühlungsvermögen, mit dem er jedes einzelne Orgelprojekt begleitet und ausgeführt hat, beeindrucken in unserer schnellebigen Zeit, die über vermeintlich Geringes allzuschnell hinwegzugehen pflegt, um so mehr. Er trug in sich das Bewusstsein, daß jede Orgel ein überzeugendes Glaubensbekenntnis in sich tragen möge.

Bedeutendste musikalische Größen in allen Jahrhunderten haben Gottfried Silbermanns  Begabung erkannt und ihn und sein Werk als Vorbild bewundert. Schon zu Lebzeiten hat er aber auch in der noch heute lebendigen Diskussion um Intonation und gute Temperierung einer Orgel erfahren, daß die herausragende Qualität und Tradition, die er verkörperte dennoch stets aufmerksam und wach bleiben muß. Wir kennen Anekdoten, die von heftigen Streitereien anlässlich einer Orgeleinweihung berichten. Sogar Perücken sollen vom Kopf gerissen und in den Kirchraum geschleudert worden sein. Sein Antipode und gleichzeitig einer seiner ehrlichsten Bewunderer war damals kein geringerer als der temperamentvolle Johann Sebastian Bach.

Viele Details der neuen Orgel der Erlöserkirche stellen einen unmittelbaren Bezug zu unserer Gegenwart und dem Kirchraum her. Im Speziellen sei noch die Bauart der Trompete erwähnt, die unser Vorbild Silbermann so nie gebaut hat. So ist das Heißener Instrument in seiner Gestalt eine absolut echte Reil-Orgel und ein Unikat, das so nur in der Erlöserkirche erlebbar ist.

Oliver Lindner

 

 


 

Begriffserklärungen

Mensur: Der Begriff Mensur meint alle Maße und Maßverhältnisse, die beim Herstellen einer Pfeife oder einer Pfeifenreihe berücksichtigt werden müssen. Nicht nur die Bauart, das Material (die Legierung) und die Bauform bestimmen den Klang einer Pfeife oder eines Registers. Der Charakter jeder einzelnen Klangreihe (Register) und somit das gesamte Klangbild einer Orgel wird durch die Art und Weise der Mensurierung festgelegt.

Orgel: Die Orgel  "ist ein Aerophon (Lufttöner) aus skalenmäßig gestimmten Eintonpfeifen, die durch ein Gebläse gespeist und durch Klaviaturen eingeschaltet werden".

Prospekt: Als Prospekt bezeichnet man die Schauseite einer Orgel. Hier stehen die Prinzipalpfeifen.

Taste: Eine Orgel wird von Manualtasten (Manubrien) und Pedaltasten aus gespielt. Unter Manualen (Klaviaturen) versteht man die Tastenreihen, die mit den Händen gespielt werden. Eine Orgel kann mehrere Manuale haben. Jedes Manual ist dann den Registern einer bestimmten Abteilung (Werk) des Instrumentes zugeordnet, z.B. Hauptwerk, Brustwerk, Rückpositiv, Oberwerk. Vom Pedal aus werden die tiefen Stimmen des Pedalwerkes angespielt. Mit Koppeln können Werke miteinander verbunden werden.

Traktur: Traktur ist der Oberbegriff für alle mechanischen Übertragungswege in der Orgel. Man unterscheidet zwischen der Spieltraktur und der Registertraktur. Unter Spieltraktur versteht man den Übertragungsweg von der Taste zum Spielventil unter der Pfeife. Die Registertraktur meint den Weg vom Registerzug am Spieltisch zur Schleife unter der entsprechenden Registerreihe. Mithilfe von Abstrakten, Wellen, Wippen und Winkeln wird hier ein möglichst direkter und zuverlässiger Weg angestrebt, der dem Spieler nie hinderlich sein soll und immer ein gutes Spielgefühl für den Winddruck und eine klare An- und Absprache der Pfeifen gewähren muß.

Wind: Als Wind bezeichnet man die Luft, mit der die Pfeifen zum Klingen gebracht werden. Dabei wird der Wind als Spielwind verwendet, der aus den Bälgen der Orgel durch Gewichte durch die Windkanäle in die Windladen gedrückt wird. Entweder durch Muskelkraft über Pumpentritte oder durch ein elektrisches Gebläse werden die Bälge unabhängig vom Spielwind nachgespeist. So kann ein lebendiger Spielwind entstehen. Der Druck wird mittels der Förnerschen Windwaage in mm Wassersäule gemessen.

 

 

 



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