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für den 09.08.2020

Der HERR sättigte sein Volk mit Himmelsbrot. Er öffnete den Felsen, da strömten Wasser heraus, sie flossen dahin als Strom in der Wüste. Denn er gedachte an sein heiliges Wort.

Psalm 105,40-42

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Frieden geht anders

Wenn man nicht in eine Schublade passt

Was bedeutet deutsch sein? Die Zeit ist reif für eine Neudefinition, meint Ali Can (26), Autor, Aktivist und Leiter des VielRespektZentrums in Essen. Seine Ideen dazu stellte er bei seiner Lesung im Rahmen der Reihe "Frieden geht anders" vor.

„Was kann ich bloß tun, um akzeptiert zu werden? Tatort gucken, einen Gartenzwerg aufstellen oder vielleicht Momo von Michael Ende lesen?“ - Ali Can schildert wie es ist, als Mensch mit „mehr als einer Heimat“ aufzuwachsen – bei der Lesung aus seinem gleichnamigen Buch im Mülheimer Medienhaus. „Mehr als eine Heimat – Wie ich Deutschsein neu definiere“, lautet der komplette Titel des Buches, das Biografisches und Programmatisches verbindet. 

Auch persönliche Niederschläge schildert der heute in Essen lebende Autor und Aktivist mit kurdisch-alevitischen Wurzeln, wie die demütigende Abweisung an der Discotür: „Die Deutschen können drinnen feiern und der Inder fährt mit seinem Taxi den Türken nach Hause zurück.“ Seine Erzählung offenbart, wie verletzlich er als Einzelner „mit Migrationsvordergund“ ist, und gerade das macht Ali Can sehr souverän. 

„Viele meiner Projekte sind in Form gegossene Frusterfahrungen“, berichtet Ali Can den Zuhörerinnen und Zuhörern im Mülheimer Medienhaus. Für ihn waren diese Erlebnisse Motivation, eine Kampagne unter dem bundesweit bekannt gewordenen Hashtag #metwo zu starten. Betroffene schildern hier Erfahrungen von Alltagsrassismus, aber auch „viele positive Erfahrungen und Plädoyers für die plurale Gesellschaft“. In zwei Welten Leben – das geht, sagt Ali Can. Auf Nachfrage einer Zuhörerin, wo denn besonders die Schulen helfen könnten, kommt er genau darauf zurück. „Zu vermitteln, es geht: Ich kann deutsch sein und schwarz, das ist wichtig. Wir müssen weg von der kulturellen Eindeutigkeit. Es nimmt Kindern den Druck, wenn man ihnen vermittelt: Du musst dich nicht zwischen zwei Kulturen entscheiden.“

Mit zwei Heimaten leben zu dürfen, war für Ali Can, der mit zwei Jahren nach Deutschland kam, nicht von Anfang an selbstverständlich. In seinem Buch berichtet er von seinen Versuchen, möglichst perfekt in der deutschen Gesellschaft aufzugehen: „Ich wollte der Supermigrant sein.“ Von seinen Eltern wünschte er sich, dass sie im eigenen Geschäft nicht mehr türkisch miteinander sprechen. Doch seine Ansichten und auf die Anforderungen an die Eltern haben sich gewandelt: „Wir passen nicht in eine Schublade. Wir sind beides und das ist das neue Deutschland“. 

Ein weiteres Ali-Can-Projekt war die Hotline zum „Migrant Ihres Vertrauens“. Telefonisch hatte sich Ali Can als Gesprächspartner für „besorgte Bürger“ zur Verfügung gestellt. „Reden Sie mit mir über Migration und Asyl als einen, den es betrifft, und reden Sie nicht bloß über die Migranten. -  Das sind die wirklich kraftvollen Momente.“ Solch ein Moment entsteht auch bei der Lesung im Medienhaus. Ein Zuhörer hinterfragt die geschilderten Rassismuserfahrungen kritisch mit Verweis auf vermeintlich ebenfalls rassistische Äußerungen hier lebender türkeistämmiger Menschen. Ganz routinierter Hotline-Ansprechpartner, zweifelt Ali Can die Erfahrungen des Kritikers nicht an, aber die unfaire Struktur des Arguments stellt er klar: „Das ist Whataboutism“, eine Strategie, die mit dem Verweis auf „was-ist-mit …?“ das Gegenüber diskreditiert und vermeidet, auf das vorgetragene Argument eizugehen. 

Ali Can macht seinen Zuhörerinnen und Zuhörern Mut, den Kontakt zu suchen, um anderen beim Ankommen zu helfen. Im Buch berichtet er, wie er es trotz Hauptschulempfehlung schafft, auf die Realschule zu wechseln. Ausschlaggebend war die Mutter eines Schulfreundes, die ihn unterstütze. Ali Can: „Ohne Freunde wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Sie haben mir das Gefühl gegeben, dass ich dazugehöre und sie machen für mich Deutschland aus.“

Von den großen Kirchen wünscht er sich, dass sie sich aktiv einsetzen für Möglichkeiten der Begegnung und für das plurale Deutschland. „Es ist wichtig, dass die Kirchen Teil eines großen gesellschaftlichen Bündnisses sind und Haltung zeigen gegenüber Entscheidungsträgern, gerade jetzt, wenn mit Faschisten paktiert wird so wie in Thüringen.“

Die Lesung im Medienhaus fand als Gemeinschaftsveranstaltung des Schulreferats im Kirchenkreis An der Ruhr, des Gemeindedienstes für Mission und Ökumene, der Buchhandlung „Bücherträume“ und des MedienHauses Mülheim statt. Sie ist Teil der Veranstaltungsreihe "Frieden geht anders". 

 

 

 

 

 

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ala / 12.03.2020



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