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Sensibel sein, im Gespräch bleiben

Wer eine Fachfrau zum Thema Islam sucht, landet schnell bei Lamya Kaddor - und die war nun in der Immanuelkirche zu Gast und präsentierte ihr gerade erscheinendes Buch "Die Zerreißprobe - Wie die Angst vor Fremden unsere Demokratie bedroht".

Lamya Kaddor in der Immanuelkirche Lamya Kaddor in der Immanuelkirche

Im ARD-Morgenmagazin, im Süddeutsche-Interview, im Deutschlandfunk - Lamya Kaddor ist gerade nahezu überall. „Die Zerreißprobe – Wie die Angst vor Fremden unsere Demokratie bedroht“, heißt ihr neuestes Buch. Am Tag der Veröffentlichung stellte sie es in der Styrumer Immanuelkirche vor.
Lamya Kaddor ist Muslima in Multifunktion: Lehrerin, Islamwissenschaftlerin, Mitbegründerin der Liberal-islamischen Bundes, Autorin und zurzeit begehrte Ansprechpartnerin für Medien, Politiker, Kirchengemeinden, kurz für alle, die zurzeit eine liberale wie fachkundige Gesprächspartnerin zum Thema Islam suchen.

Rund 60 Styrumerinnen und Styrumer, Mülheimerinnen und Mülheimer waren zur Lesung gekommen: Einzelne und Paare, mehr Frauen als Männer, einige, die später erzählen, sie seien Muslima, ihre Eltern aus diesem oder jenem Land gekommen. „Was soll ich denn tun, wenn ich vermute, dass ein Jugendlicher in den radikalen Islam abgleitet?“, war die erste Publikumsfrage nach der Lesung und zugleich die, mit der sich die Autorin ausgiebig beschäftigt. „Das Gespräch suchen“, rät Lamya Kaddor. Wenn es nicht direkt gelingt, dann auch mit Hilfe von Beratungsstellen wie Wegweiser e.V.

Gefährdete Jugendliche kennt Lamya Kaddor aus ihrem Schulalltag. Sie un-terrichtet Islamische Religion an einer Dinslakener Sekundarschule. „Das sind junge Leute, die sich an den Rand gedrängt fühlen – und dann kommen Islamisten, die ihnen eine Hand reichen.“ Dabei gehe es nicht primär um Religion. Zugehörigkeit ist der Wunsch, so Kaddor. „Ideologien sind austauschbar“. „Sie werden erstaunt sein, wie wenig die Jugendlichen, auch die Muslime, über dem Islam eigentlich wissen“, antwortet sie einer Zuhörerin. Die Salafisten suchten sich vor allem religiös ungebildete Schüler, die vermeintliche Glaubenssätze ungeprüft übernehmen. „Wir müssen diesen Jugendlichen einen Platz in unserer Gesellschaft bieten“, fordert Kaddor. „Sonst tun es andere.“ Sensibel sein, reagieren, wenn Jugendliche sich stark verändern – dass das nicht immer funktioniert, vielleicht nicht immer funktionieren kann, weiß die Pädagogin aus eigener und mittlerweile viel berichteter Erfahrung. Einige ehemalige Schüler ihres früheren Hauptschulprojektes zogen später als „Lohberger Brigade“ in den Dschihad.

Wenn so etwas geschieht, bleiben Pädagogen und Eltern oft erschreckt zurück. „Ich würde mich schämen, wenn mein Sohn gewalttätiger Salafist wür-de“, sagt eine Zuhörerin nach der Lesung. „Und so reagieren die meisten El-tern“, bestätigt Kaddor. Oft haben sie nichts geahnt und Vieles wird erst im Nachhinein klar, wenn man die Computer durchsucht und Chats rekonstruiert. Eine Salafistenkarriere beginnt meist nicht aus ideologischen Gründen, sondern als Akt der Rebellion. „Und glauben Sie mir, auch muslimische Eltern finden es nicht prickelnd, wenn ihr Sohn sich auf einmal in Gewänder kleidet wie die Araber von tausend Jahren.“

Was die Salafisten predigen, hat mit einem vermeintlich „wahren Islam“ nichts zu tun, macht Kaddor in Styrum deutlich. „Die wirklich frommen Muslime, die ich kennengelernt habe, sind anständig und respektvoll. Die haben keine Probleme, mir als Frau die Hand zu geben und in die Augen zu sehen.“ Und umgekehrt müsse es kein politisches Statement sein, wenn muslimische Frauen ein Kopftuch tragen. „Sie wollen halt ihre Religiosität zeigen. Und das müssen wir akzeptieren.“

Kaddors Eltern kommen aus Syrien. Die sich nun offenbarenden Probleme von Fremdsein und Zugehörigkeit kann sie selbst nachvollziehen: „Den Konflikt zwischen Selbst- und Fremdbild bekommen Jugendliche heute viel stär-ker zu spüren als die Einwanderer der ersten Generation. Damals war klar: Sie werden als Fremde angesehen und fühlen sich auch so.“ Lamya Kaddor hat ihren Weg gefunden, damit umzugehen. „Ich habe es satt, als ,die Ausländerin‘ angesehen zu werden. Ich fühle mich deutsch und ich finde, dass das gut zu meiner Persönlichkeit passt. Und wenn jemand zu mir sagt ,Sie sprechen aber gut Deutsch‘, dann antworte ich „,Sie aber auch.‘“

Damit die Jugendlichen, die heute von Salafistenpredigern angezogen werden, auch ihren eigenen Weg finden, ist Einiges zu tun. Kaddor fordert eine aktive Haltung ein, von Moscheegemeinden ebenso wie von der Mehrheitsgesellschaft. „Muslimische Gemeinden müssen wachsam sein, wer bei ihnen predigt. Wo Pierre Vogel auftauchte, wurde er oft nicht als gefährlicher Verführer erkannt. Die Imame müssen besser ausgebildet sein, am besten hier in Deutschland. Seit Nine-Eleven haben es die muslimischen Gemeinden versäumt, sich mit der Radikalisierung auseinanderzusetzen.“ Doch auch die Mehrheitsgesellschaft sei gefragt: „Man muss den verunsicherten Jugendlichen Angebote machen. Das kann man nicht von der muslimischen Minderheit erwarten. Man muss sie anerkennen, ihre Zugehörigkeit bestätigen. Wir müssen Identitätsbildung unterstützen, das geht nicht, wenn wir gleichzeitig überall Sozialarbeiterstellen kürzen. Auch die Gesellschaft wandelt sich durch Zuwanderung, das muss man akzeptieren.“

Ihre Botschaft verbreitet Lamya Kaddor zurzeit auf allen Kanälen, auch auf Facebook und bei Twitter ist die 38-jährige Duisburgerin aktiv. - Nicht draufhauen in der gesellschaftlichen Debatte, das ist ihr wichtig. Radikalisierung von Jugendlichen und gesellschaftliche Islamfeindlichkeit verstärken sich gegenseitig, stellt Kaddor fest. Je mehr Feindlichkeit von der einen Seite erlebt wird, desto stärker kapselt sich die andere Seite ab. „Wer auf Konflikte mit scharfen populistischen Forderungen reagiert, der verschärft nur die gesellschaftlichen Fronten.“

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ala / 22.09.2016



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