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Losung

für den 19.07.2019

Mein Leben ist immer in Gefahr; aber dein Gesetz vergesse ich nicht.

Psalm 119,109

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Service

Tansania-Partnerschaft

Binti Mama: Hoffnung für junge Mütter in DAR

Im Sommer war eine Partnerschaftsdelegation aus Mülheim in Daressalam zu Gast  - und sehr beeindruckt vom "Binti Mama"-Projekt, das Frauen unterstützt, die jung schwanger geworden sind. Ein Bericht der VEM stellt das Projekt ausführlich vor.

28 junge Frauen, von 16 bis 22 Jahren alt. Jede kommt mit einem Kind, das Älteste ist 4 Jahre alt. „Binti Mama“ heißt die Gruppe, „Teenage Mamas“ übersetzt. Sie haben sich herausgeputzt zu unserem Treffen, ihre Töchter tragen ihre besten Kleidchen. Die Haare sind frisch geflochten. Manche tragen ein Tuch um den Kopf, nicht alle sind Musliminnen, das Tuch hilft, die Haare vor dem Staub der Straße zu schützen. Zunächst einmal trinken wir Tee, um uns kennenzulernen und weil sie schon mindestens 2 Stunden unterwegs waren zu diesem Treffen am Haus weit draußen in einem Vorort von Dar es Salaam, das die Diözese der Sozialarbeiterin Mwamini, eine ältere gestandene Frau, für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt hat.

Mwamini hat dieses Projekt in der lutherischen Diözese im Nord-Distrikt Mikocheni begonnen. Manche von diesen jungen schwanger gewordenen Mädchen haben Tage bis zu einigen Wochen bei ihr gelebt, als die Eltern sie aus dem Haus geworfen hatten wegen der Unehre der Schwangerschaft. Mwamini hat in vielen Fällen die Eltern überzeugen können, ihre Töchter wiederaufzunehmen. In manchen Fällen ist sie mit dem Anliegen gescheitert. In zwei Fällen konnte sie sogar die Schuldirektoren überreden, das Mädchen wieder in den Schulunterricht aufzunehmen – obwohl das aktuelle, vom Präsidenten beschlossene Gesetz dies verbietet. Nur in teure Privatschulen, wo der Leiter etwas mehr Freiheit hat, könnten sie wieder gehen. Das Geld haben die meisten der Mädchen nicht.

Nun sitzen sie also vor mir auf einer großen Matte am Boden. Neugierig blicken sie mich an. Ich stelle mich vor. Dann ist die Reihe an ihnen. Natürlich will ich wissen, wie es passieren konnte, dass sie schwanger wurden. „Bodaboda!“ rufen sie und brechen in lautes Gelächter aus. Ich frage nach: Bodaboda sind die Motorräder, die als Taxis funktionieren und häufig von recht elegant aussehenden jungen Männern gesteuert werden. Diese Jungs bieten den Mädels auf ihrem oft sehr weiten Schulweg gern ihre Dienste an. Umsonst. Sie haben Zeit, keine Kundschaft, da kommt so ein junges Schulmädchen gerade recht. Am Nachmittag holen sie ihre Favoritin ab, kaufen ihr Chips und laden sie zur Soda ein. Das geschieht einige Tage bis die Gegenleistung verlangt wird. So ein Schulmädchen hier ist anders geprägt als die aufgeklärte Jugend in Europa. Über Sexualität wird zu Hause nicht gesprochen, das wäre für tansanische Eltern unmöglich. So höre ich es immer wieder.

Nun ist das Mädchen schwanger. Es dauert, bis sie und ihre Umgebung dies entdecken. Runter von der Schule ist eine Folge, raus aus dem Elternhaus oftmals die zweite. Die Mädchen landen auf der Straße, abhängig von den kargen Freundlichkeiten der Umgebung. Manche dürfen zurück ins Elternhaus, wenn das Kind geboren ist. Es ist weniger unehrenvoll, eine junge Mutter im Haus zu haben, als eine schwangere Tochter.

28 junge Frauen im Alter von 16 bis 22 Jahren. 28 kleine Kinder im Alter von 3 Monaten bis 4 Jahren. Eine Sozialarbeiterin, die kein Budget für ein einziges Treffen im Monat hat. Es braucht Fahrgeld für die jungen Frauen, von denen die meisten keinerlei Verdienst haben und Geld, um Tee zu kochen und ein Gebäck pro Person anbieten zu können. Das Haus der Diözese ist ihr Halt, wo die Mädchen sich treffen könnten, einen Garten, wo sie Gemüse anbauen könnten, das sie später verkaufen könnten….ein Ort, wo sie sich austauschen können, sich gegenseitig stützen können, wo die Kinder in einer Art Kindergarten betreut werden können. Dieser Ort Mabwepande liegt auf dem Weg nach Bagamoyo. Er ist für die Mädchen mit 2-3 Bussen erreichbar. Sie haben dort einen Garten angelegt und auch schon etwas geerntet. Das meiste hatte der flutartige Regen zerstört, den gerade eingebrachten Dünger weggeschwemmt. Nun wollen sie von vorn beginnen.

Unsere kleine deutschsprachige Gemeinde, die in Dar es Salaam in der Hauptkirche der Diözese zum Gottesdienst zusammenfindet, hilft. Mit 150.000 TSH im Monat (ca. 35 Euro) unterstützen wir die Treffen der Mädchen einmal im Monat. Das ist nicht viel, es ist das, was wir uns in der Gemeinde leisten können. Zunächst einmal bis Weihnachten. Dann schauen wir weiter. Doch wir hatten Glück. Eine Künstlerin aus Deutschland gab in der Hauptkirche der Diözese ein Orgelkonzert zu Gunsten unseres Projektes. Fast 350 Euro wurden gespendet. Und sie brachte noch einen Scheck über 1000 Euro von ihrer Heimatgemeinde in Bonn-Troisdorf für das Projekt mit. Nun können Strom und Wasser an dem Treffpunkt der jungen Frauen gelegt werden!

Geld ist ein wichtiges Mittel, um Menschen zu helfen. Aber nicht das wichtigste. Wichtig sind Kontakte und Begegnungen. Die können Augen und Herzen öffnen, neue Anstöße geben, neue Perspektiven. Beidseitig. So kam schon ein Mitglied aus unserer deutschsprachigen Gemeinde mit zum Treffen mit den Mädchen. Wir haben Kunsthandwerk hergestellt mit dem, was am Strand zu finden ist. Muscheln, Seeigel, Holz. Die Mädchen blühten auf: endlich einmal nicht an den Alltag denken. Endlich einmal etwas Schönes, Kreatives miteinander tun. Nun müssen wir noch schauen, ob wir einen Markt für diese in meinen Augen wunderschöne Aufhänger oder Mobiles finden. Das wird unsere nächste Aufgabe sein.

Mein Traum und sicherlich auch der von Mwamini: Diesen jungen Frauen Mut zu machen, dass sie etwas beitragen können zu ihrem Leben, zu dem ihrer Kinder und zu der Gesellschaft, in der sie leben. Es braucht ein wenig Mittel, es braucht vor allem Menschen, die sich interessieren. Die nicht gleichgültig bleiben, sondern sich verbinden mit der Not und so teilhaben an den Möglichkeiten, die in jedem Menschen stecken.  

 

 

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Text: Almut Birkenstock-Koll, mit freundlicher Genehmigung der VEM / Fotos: Delegation Kirchenkreis An der Ruhr / 11.02.2019



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